Run All Night

Run All Night (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Action / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

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Run All Night Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der Brooklyn-Gangster und erfahrene Profi-Killer Jimmy Conlon (Neeson) war einst unter dem Namen Totengräber bekannt – aber das ist lange her. Inzwischen nützt ihm seine enge Freundschaft mit dem Paten Shawn Maguire (Harris) nicht mehr viel: Jimmy ist 55, die Sünden seiner Vergangenheit holen ihn ein – und zwar in Gestalt jenes verbissenen Detective (D’Onofrio), der Jimmy seit 30 Jahren dicht auf den Fersen bleibt. In letzter Zeit sieht Jimmy keinen anderen Ausweg, als seinen Frust im Whiskey zu ertränken.
Von seinem Sohn Mike (Kinnaman) hat Jimmy schon lange nichts mehr gehört. Doch als Mike auf die Abschussliste gerät, muss sich Jimmy für eine Seite entscheiden: Entweder er bleibt der Gangsterfamilie treu, der er sich angeschlossen hat, oder er steht zu seiner eigentlichen Familie, die er vor Jahren im Stich gelassen hat. Mike ist auf der Flucht, und vielleicht muss Jimmy die Fehler der Vergangenheit wettmachen, indem er seinen Sohn vor dem Schicksal bewahrt, das ihm selbst auf jeden Fall bevorsteht: das Rendezvous mit einer Kugel. Ab sofort kann Jimmy sich auf niemanden mehr verlassen – nur eine Nacht bleibt ihm, um sich darüber klar zu werden, wo seine Verantwortung liegt und wie er das Versäumte nachholen kann.


Liam Neeson, Joel Kinnaman und Vincent D'Onofrio | mehr Cast & Crew


Run All Night - Trailer


Run All Night - Trailer


DVD und Blu-ray | Run All Night

Blu-ray
Run All Night Run All Night
Blu-ray Start:
03.09.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 114 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Run All Night Run All Night
DVD Start:
03.09.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 110 min.

Filmkritik Run All Night

Filmwertung: | 6/10


Der Film vom Actionthriller-Experten Jaume Collet-Serra (Unknown Identity, Non-Stop, Goal II) ist das dritte aufeinanderfolgende Werk des 41-jährigen Spaniers mit Liam Neeson in der Hauptrolle. Auch in anderen Rollen finden sich bekannte Schauspieler, sodass ein illustrer Cast zusammengekommen ist. Dementsprechend hoch ist auch das mit 50 Millionen Dollar angegebene Budget. Davon hatte „Run All Night“ bereits Ende März 47 Millionen Dollar wieder eingespielt. Es deutet demnach alles daraufhin, dass der Thriller ein finanzieller Erfolg wird.
Der Film wurde in New York und Umgebung gedreht, was den 62-jährigen Neeson freute, da er selbst in „Big Apple“ lebt und nach den Dreharbeiten gerne in seinem eigenen Bett schläft. Da „Run All Night“ in 48 Nächten im New Yorker Winter gedreht wurde, wohl besonders.

Jimmy Conlon (Liam Neeson) war in der New Yorker Unterwelt lange Zeit ein gefürchteter Name. Man nannte ihn ehrfürchtig „Totengräber“. Mittlerweile ist der 55-Jährige nur noch ein Wrack. Die Taten seiner Vergangenheit lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Er ertränkt seine aufwallenden Schuldgefühle mit Alkohol. Shawn Maguire (Ed Harris) ist Jimmys langjähriger Freund, für den Conlon im wahrsten Sinne des Wortes über viele Leichen ging. So konnten die beiden ein Imperium aufbauen und sich mehrere Dekaden an der Spitze halten. Shawns Sohn Danny (Boyd Holbrook) hat sich hingegen mit russischen Drogenhändlern eingelassen, die wütend sind, da Danny es – entgegen seinem Versprechen – nicht geschafft hat, Shawn für den Vertrieb mit ins Boot zu holen. Danny, der selbst gerne Drogen nimmt, erschießt die beiden mit ihm verhandelnden Russen, da sie ihm drohten. Allerdings tut er dies vor den Augen von deren Chauffeur Mike (Joel Kinnaman) und dessen Kumpel Curtis „Legs“ Banks (Aubrey Joseph). Danny und Mike kennen sich und doch Danny will ihn im Drogenrausch erschießen und keine Zeugen hinterlassen. Als es beinahe so weit ist, erschießt Jimmy den Sohn seines besten Freundes. Denn Mike ist Jimmys Sohn. Shawn sinnt fortan auf Rache und entsendet seine besten Männer, um Jimmy zu töten. Kann dieser sich, seinen Sohn und dessen Familie retten?

Die Geschichte ist solide umgesetzt. Denn von Beginn an ist der Film mitreißend und packend aufgemacht, da der moralische Ausgangspunkt von allen Seiten nachvollziehbar ist und durch diese mehrseitige Zwickmühle viel Atmosphäre generiert werden kann. Vor allem die psychologische Komponente erzeugt viel Spannung, was den Film zu einem fesselnden Kinoerlebnis macht. Die Schauplätze wurden passend zwielichtig und heruntergekommen ausgesucht, was die düstere Stimmung des Filmes weiter verstärkt. Allerdings hat „Run All Night“ auch einige Schwächen. Denn die Kampfszenen sind hart und brutal inszeniert, was nicht jedermanns Sache sein dürfte. Ein wenig überraschen ist das hohe Maß an Skrupellosigkeit, mit der hier vorgegangen wird. Diese Art der Brutalität ist deutlich ausgeprägter, als in Collet-Serras vorangegangenen Filmen und nicht unbedingt von Vorteil. Auch sonst kommt „Run All Night“ nicht an die Klasse von Collet-Serras letzten Werken (Unknown Identity, Non-Stop) heran. Begründet liegt dies darin, dass die Charaktere zwar gut gezeichnet sind, trotzdem aber etwas blass bleiben und nicht richtig ausgeschrieben wirken, nicht so überzeugend sind, wie in den beiden anderen Thrillern des Spaniers. Denn so interessant der Film auch ist, wirklich identifizieren kann man sich mit den Figuren nur bedingt. Es mangelt in den Details an der Balance der Storyline und des Skriptes. Letzteres verwundert, lieferte Autor Brad Ingelsby mit „Auge um Auge“ doch ein hervorragend geschriebenes Drehbuch ab. Außerdem gibt es einige klar erkennbare Logikfehler, die ein paar Wertungspunkte kosten. Vor dem großen Finale hat man den Eindruck, als würde eine Sequenz fehlen. Man wird direkt ins Geschehen geworfen, was überraschend kommt und nicht unbedingt positiv zu verstehen ist. Überhaupt passt das Ende nicht zur düsteren Stimmung des Filmes. Es mangelt immer wieder an der Feinabstimmung und an den Details, vielmehr ist es nicht, was „Run All Night“ zu einem guten Film fehlt.
Das ist auch bei der zwiespältigen Kameraführung der Fall, da diese dem Zuschauer einige unübersichtliche Momente zumutet. In den Kampfszenen ruckelt oft das gesamte Bild, sodass man den Überblick verliert. Wie in „96 Hours – Taken 3“ sind diese Sequenzen eigentlich die Essenz des Filmes, kosten durch ihre schlechte Aufnahme aber mehr Atmosphäre, als welche zu generieren. Demgegenüber stehen dynamische Kamerafahrten von einer Ecke der Stadt zur anderen. Immerhin sind die spannungsgeladene Musikuntermalung und die solide Ausstattung Pluspunkte, wie auch einige situationskomische Szenen, für die sich Neeson und Harris im Besonderen verantwortlich zeigen.

Die Schauspieler machen ihre Sache gut. Liam Neeson (96 Hours, Star Wars – Episode I: Die dunkle Bedrohung, Schindlers Liste) überzeugt einmal mehr als gebrochener, einsamer Charakter mit Killerqualitäten, auch wenn man mittlerweile das Gefühl hat, dass er in den Actionfilmen immer sehr ähnliche Figuren spielt. An seiner Seite zeigt Ed Harris (Snowpiercer, The Rock - Fels der Entscheidung, Apollo 13) ein weiterer Altstar und Charakterdarsteller seine Qualitäten. Als wütender Filmsohn Neesons kann Joel Kinnaman (RoboCop, Easy Money, The Killing) innerhalb seiner Rolle überzeugen. Der extrovertierte Charakter Danny wird von Boyd Holbrook (Ruhet in Frieden - A Walk Among The Tombstones, Auge um Auge, Seelen) packend verkörpert. Common (Selma, American Gangster, Die Unfassbaren - Now You See Me) darf als Killer einige ansehnliche Kampfszenen drehen. Vincent D'Onofrio (Full Metal Jacket, Der Richter, Ed Wood) spielt den guten Cop, Genesis Rodriguez (Ein riskanter Plan, Hours - Wettlauf gegen die Zeit, Was passiert, wenn's passiert ist) die Filmfrau von Kinnaman, Bruce McGill (Lincoln, Die Legende von Bagger Vance, Collateral) die rechte Hand von Harris´, Beau Knapp (Super 8, Das Glück an meiner Seite, The Signal) den besten Kumpel Holbrooks, Holt McCallany (Fight Club, Alien 3, Gangster Squad) einen harten Kämpfer und John Cenatiempo (Fast & Furious 7, Dead Man Down, Magic City) einen der Schergen von Harris. Alle machen ihre Sache solide und fügen sich nahtlos ein.


Fazit:
Solider, spannender Actionthriller mit skrupellosem und gleichzeitig moralischem Ansatz, der aber nicht an die Klasse von Collet-Serras letzten beiden Thrillern herankommt. Dazu treten zu viele kleine Fehler auf, die in ihrer Gesamtzahl Atmosphäre kosten.
by

Bilder © Warner Bros.