Regression

Regression (2014), Kanada / Spanien
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Tobis Film

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erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Eine Kleinstadt in Minnesota im Jahr 1990: Detective Bruce Kenner (Ethan Hawke) ermittelt im Fall der jungen Angela Gray (Emma Watson), die ihren Vater John (David Dencik) des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Als sich dieser unerwartet und ohne sich überhaupt an die Tat erinnern zu können, schuldig bekennt, wird der renommierte Psychologe Kenneth Raines (David Thewlis) hinzugezogen, um Johns verdrängte Erinnerungen mit Hilfe einer Regressionstherapie wieder hervorzuholen. Dabei tritt allmählich ein Geheimnis von ungeahntem Ausmaß zutage. Angela scheint nicht nur das Opfer ihres eigenen Vaters, sondern auch einer satanischen Sekte geworden zu sein. Kenners Ermittlungen in diese Richtung bringen den Polizisten bald um den Verstand. Er wird von Wahnvorstellungen und Alpträumen heimgesucht. Wer treibt hier sein böses Spiel?

Emma Watson, Ethan Hawke und David Thewlis | mehr Cast & Crew


Regression - Trailer


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DVD und Blu-ray | Regression

Blu-ray
Regression Regression
Blu-ray Start:
26.02.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 107 min.

zur Blu-ray Kritik
Regression (limited Steelbook) Regression (limited Steelbook)
Blu-ray Start:
26.02.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 107 min.
DVD
Regression Regression
DVD Start:
26.02.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 103 min.

Filmkritik Regression

Filmwertung: | 7/10


Besonders mit den psychologisch komplexen und wendungsreichen Mystery-Thrillern „Tesis“, „Öffne die Augen“ und „The Others“ hat sich Alejandro Amenábar als einer der interessantesten Filmemacher Spaniens etabliert. Mit seinem nun sechsten Film „Regression“ besinnt sich der 43-jährige nach seinem Oscar-prämierten Drama „Das Meer in mir“ und dem vielfach missverstandenen Historienfilm „Agora“ auf seine Thriller-Wurzeln zurück. Wie schon in seinem Spukhaus-Grusler „The Others“ vertraut Amenábar auf eine klassische und altmodische Inszenierung im besten Sinne, die weniger auf Effekte, Jumpscares und billige Thrills baut, sondern mehr an elegant-düsterer Atmosphäre und raffinierter Doppelbödigkeit interessiert ist. „Regression“ ist inspiriert von Fällen rituellen satanischen Missbrauchs in Nordamerika in den 80er Jahren, die damals für viel mediale Aufruhr und Massenpanik sorgten.

Der Titel „Regression“ bezieht sich auf einen kontroversen Begriff der Psychotherapie, bei der ein Patient mittels Hypnose in einen früheren (oft traumatischen) Erinnerungszustand zurückversetzt wird, der zuvor ausgeblendet wurde. In dieser Situation befindet sich David Gray (David Dencik), der sich des sexuellen Missbrauchs an seiner Tochter Angela (Emma Watson) schuldig erklärt, ohne sich an die Tat selbst erinnern zu können. Detective Bruce Kenner (Ethan Hawke) wird mit diesem mysteriösen Fall betraut, jedoch verlaufen alle Ermittlungen zunächst ins Leere. Durch besagte Regressions-Therapie des renommierten Psychologen Kenneth Raines (David Thewlis) wird deutlich, dass es sich bei dem Fall um etwas weit Größeres als reine häusliche Gewalt handelt, denn ein satanischer Kult soll in die Tat involviert gewesen sein. Trotz der Festnahme eines ersten Verdächtigen kommt keine Klarheit in die Ermittlungen. Der rational denkende Agnostiker Kenner arbeitet mit allumfassender obsessiver Verbissenheit an dem Fall, der ihn in einen sich konstant verschlimmernden Zustand der Paranoia und Angst versetzt. Er wird von Albträumen und scheinbaren Wahnvorstellungen verfolgt, wodurch er irgendwann den Verstand zu verlieren droht…

Amenábar gelingt es von den ersten Bildern an eine beklemmende und düstere Atmosphäre aufzubauen, die den Zuschauer unweigerlich aufsaugt. In „Regression“ dominieren dunkle Töne, alles ist in ein unwirtliches Grau und Dunkelblau getaucht, es regnet fast ständig, das Kleinstadt-Minnesota und Mittelklasse-Amerika der frühen 90er Jahre wirkt schmutzig und heruntergekommen. Vieles bleibt in der Dunkelheit, Amenábar spielt mit Schatten und lehnt den Film visuell an das Horrorkino der 70er Jahre à la „Der Exorzist“ und „Rosemary’s Baby“ an. Erzählerisch ist der Beginn bewusst langsam gehalten, die Figuren werden sehr behutsam eingeführt und der Zuschauer kann sich nur nach und nach ein Bild von der Situation machen. So erlebt man den Film fast völlig aus der Perspektive des geradlinigen Detectives Kenner und wird Teil seiner investigativen Herangehensweise, versucht aus vielen Andeutungen schlau zu werden und zu verstehen, was sich hinter diesem mysteriösen Fall versteckt. So funktioniert der Film zu Beginn wie ein Thriller über ein polizeiliches Verfahren, doch durch die unheilschwangere Atmosphäre, die klassischen nervösen Streicher auf der Tonspur und die Einführung des Satanismus-Hintergrundes wird „Regression“ zunehmend unheimlich. Im Stile eines Meisters zieht Amenábar minutenweise die Suspense-Schrauben kontinuierlich an und überlässt viel Schrecken der Fantasie der Zuschauer, deutet Dinge an, ohne sie zu zeigen. Besonders unter die Haut gehend ist etwa eine Szene, in der Kenner durch das ländliche Anwesen der Grays schreitet und Angelas Aussage über eine dort stattgefundene schwarze Messe auf seinen Kopfhörern hört. Er versetzt sich in die Situation hinein, sieht die vermummten Gestalten mit ihren weiß geschminkten Gesichtern, wird unweigerlich Zeuge von menschlichen Opfergaben und kommt in einen Zustand echter Angst, die sich auch auf den Zuschauer überträgt. Amenábar gelingt es sehr gut mit klassischen visuellen Mitteln Kenners zunehmende Paranoia zu inszenieren, er arbeitet so etwa häufig mit Unschärfen, digitale Effekte bleiben aus, wodurch sich „Regression“ angenehm handgemacht anfühlt. Billige Schockeffekte bleiben bis auf ein oder zwei Jumpscares aus, die jedoch im Nachhinein betrachtet durchaus Sinn in der übergreifenden Erzählung machen.

„Regression“ ist mit großer Ensthaftigkeit erzählt und fast frei von jeder Ironie oder Humor. Amenábars Film wirkt durch und durch klassisch, auch wenn er weitestgehend zurückhaltend inszeniert und seine Geschichte in die Realität einbettet, bleiben Klischees des traditionellen Angstkinos nicht aus. Seine Hauptfigur Bruce Kenner ist auch in gewisser Weise eine klassische Figur dieser Art von Film, der grüblerische, obsessive Einzelgängercop, geschieden und einzig und allein mit seinem Fall verheiratet, der ihn völlig vereinnahmt. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass er ein grundlegender Skeptiker ist, ein mit rationalem Denken ausgestatteter Agnostiker, der Religion ablehnt. So ist es wenig überraschend, dass er mit steigender Angst seine Skepsis widerwillig ablegt, christliche Artefakte wie einen Rosenkranz zu seinem Schutz annimmt. Hawke spielt seine Rolle mit Glaubwürdigkeit und Intensität, wodurch es dem Zuschauer nicht schwer fallen sollte, sich mit ihm zu identifizieren. Doch Amenábar spielt mit diesen Klischees, der Film ist so als subjektive Erfahrung aus Kenners Perspektive konzipiert, wodurch sich auch der Zuschauer selbst ständig hinterfragen muss, in einem Zustand ständiger Verunsicherung bleibt. Mann kann sich so nie wirklich sicher sein, ob sich Kenner in diese Situation nur hinein steigert oder ob hier wirklich satanische Kults ihr Unwesen treiben. Man darf hier natürlich nicht zu viel sagen, doch „Regression“ erweist sich als weit cleverer und raffinierter als der typische Durchschnitts-Thriller dieser Bauart. Amenábar ist als hintergründiger Filmemacher bekannt, so kommt es nicht als Überraschung, dass auch sein neuestes Werk unter der Oberfläche mehr an menschlicher Psychologie interessiert ist als an reinem B-Movie-Horror. So funktioniert „Regression“ als filmische Auseinandersetzung mit menschlichen Urängsten und der oft irrationalen Funktionsweise des menschlichen Verstandes. Trotz dieser hintergründigen und intellektuellen Herangehensweise weiß der Spanier aber dennoch, wie man filmisch mit großer Effektivität Angst erzeugen kann. So kann man mit „Regression“ einen klassisch subtilen Mystery-Thriller erwarten, der mit sich langsam steigernder Suspense Gänsehaut erregt und über seine gesamte Laufzeit den Zuschauer packt.


Fazit:
Mit „Regression“ bietet Alejandro Amenábar einen altmodisch inszenierten psychologischen Horror-Thriller über Vorfälle satanischer ritueller Gewalt im Amerika der frühen 90er Jahre, der weit doppelbödiger ist als zunächst vermutet.
by

Bilder © Tobis Film