Ready Player One

Ready Player One (2018), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Action / Abenteuer / Science-Fiction
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

Ready Player One Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Im Jahr 2045 ist die reale Welt nur schwer zu ertragen. Wirklich lebendig fühlt sich Wade Watts (Tye Sheridan) nur, wenn er in das gigantische virtuelle Universum OASIS entfliehen kann, in dem die Grenzen der Geografie, der Gesetze und auch der Identität aufgehoben sind – solange man nur seiner Fantasie freien Lauf lässt. Dort verbringen die meisten Menschen ihre Tage. Entwickelt wurde OASIS vom genialen, exzentrischen James Halliday (Mark Rylance), der sein ungeheures Vermögen und die totale Kontrolle über OASIS der ersten Person hinterlässt, die siegreich aus einem dreiteiligen Wettbewerb hervorgeht: Dadurch will Halliday sicherstellen, dass ein würdiger Erbe sein Nachfolger wird. Als Wade die erste Aufgabe der realitätsverändernden Schatzsuche löst, geraten er und seine Freundesclique, die als High Five bekannt ist, in eine fantastische Welt voller Entdeckungen und Gefahren und bemühen sich, OASIS zu retten.

Tye Sheridan, Olivia Cooke und Ben Mendelsohn | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Ready Player One

Blu-ray
Ready Player One Ready Player One
Blu-ray Start:
06.09.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 140 min.
Ready Player One (3D Blu-ray) Ready Player One (3D Blu-ray)
Blu-ray Start:
06.09.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 140 min.
Ready Player One (4K Ultra HD) Ready Player One (4K Ultra HD)
Blu-ray Start:
06.09.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 140 min.
DVD
Ready Player One Ready Player One
DVD Start:
06.09.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 134 min.

Filmkritik Ready Player One

Filmwertung: | 9/10


Nach einigen inszenatorisch eher zurückhaltenden Werken wie „Lincoln“ oder gerade erst vor wenigen Wochen „Die Verlegerin“ kommt Regie-Maestro Steven Spielberg mit einem gigantischen und überwältigenden Spektakel zurück, bei dem er so sehr aus allen Zylindern feuert wie schon seit Jahren nicht: Der heiß erwartete Nerd-Traum „Ready Player One“. Schon in den ersten Sekunden, als hier Van Halens „Jump“ ertönt und Spielberg eine enorm weitreichende und detaillierte Zukunfts-Dystopie eines bis in alle Ecken überbevölkerten Columbus, Ohio etabliert, transportiert der Meister in eine andere Welt, die einen für die gesamte Laufzeit voll einnimmt. Eins schon mal vorweg: Hier lohnen die dreidimensionalen Bilder, denn gerade angesichts der Virtual Reality-Thematik bietet sich ein stereoskopisches Bild stark an. Spielberg spielt meisterhaft mit bildlicher Tiefe und zahlreichen Elementen, die den filmischen Raum mit bemerkenswerter Dynamik und Dimensionalität ausfüllen. Der nun auch schon 71-jährige Spielberg hat spürbar den Spaß eines Teenagers und begegnet dieser Welt mit seinem gewohnt staunenden Blick, wodurch die Leinwand vor purer Freude am Bewegtbild immer wieder zu bersten droht. „Ready Player One“ ist pures, ungefiltertes Kino – doch Spielberg wäre nicht Spielberg, wenn er auch diesen Film nicht in seinem Kern mit einem kräftig pochenden Herzen und einer ernst gemeinten Message ausstatten würde.

Tye Sheridan in Ready Player One
Tye Sheridan in Ready Player One © Warner Bros. Pictures Germany
2011 sorgte Ernest Cline mit seiner Zukunftsvision „Ready Player One“ für Furore und einen neuen Genreklassiker. Der Bestseller zeichnet ein düsteres Bild der Zukunft des Jahres 2045, in der eine globale Energie- und Wirtschaftskrise dafür gesorgt hat, dass der Großteil der Bevölkerung verarmt und hungernd in Slums lebt. Im starken Kontrast zu dieser tristen Dystopie existiert das weltumgreifende Netzwerk „OASIS“, das den Menschen eine perfekte und schier grenzenlose Virtual Reality-Simulation bietet, in der sie alles verkörpern und tun können, was sie wollen. Wer der realen Welt entfliehen will (und das wollen die meisten), der findet hier alle Möglichkeiten, kann die Bedeutung erreichen, die ihm sonst nicht vergönnt ist. Bezüge zur Realitätsflucht in Form von Film, Videospiele, VR, Literatur und sonstigen eskapistischen Möglichkeiten der Gegenwart liegen hier natürlich nahe. In diesem gigantischen Rollenspiel, bei dem die Spieler mit einer realen Währung handeln und damit ihren Status kontinuierlich upgraden können, wurden drei Schlüssel von dem verstorbenen Schöpfer James Halliday (Mark Rylance) versteckt. Der Spieler, der alle finden kann, erreicht am Ende ein sagenumwobenes Easter Egg, das dem Gewinner nicht nur die alleinige Kontrolle über OASIS verschafft, sondern auch das Erbe von Hallidays gesamtem Vermögen über mehrere Trillionen Dollar beinhaltet.

Im Zentrum der Geschichte steht der 19-jährige Wade Watts (Tye Sheridan), der in Columbus, der am schnellsten wachsenden Metropole der Welt, in einem aufgetürmten Trailerpark-Slum seine Träume wie so viele andere nur in OASIS ausleben kann (im Buch ist es Oklahoma City). In der VR-Simulation agiert Watts unter dem Pseudonym Parzival und auch er ist wie die halbe Welt hinter dem heiligen Gral, Hallidays Easter Egg, her. Noch ist es keinem gelungen, auch nur einen der rätselhaften Schlüssel zu finden – auch nicht dem gigantischen Konzern IOI, dessen skrupelloser Chef Nestor Sorrento (Ben Mendelsohn) nach mehreren erfolglosen feindlichen Übernahmeversuchen von Hallidays Unternehmen GSS OASIS endlich für sich alleine gewinnen will. Hierfür nutzt er eine ganze Armee von gleich aussehenden VR-Soldaten, die von einem Nerd-Kompetenzteam im IOI-Hauptquartier unterstützt wird.

Olivia Cooke in Ready Player One
Olivia Cooke in Ready Player One © Warner Bros. Pictures Germany
Spielberg erzählt auf Basis von Zak Penns und Ernest Clines Adaption mit gewohnter Leichtigkeit, wodurch schon nach wenigen Minuten dieses gigantische Universum mit seinen Hintergründen, der Ausgangslage und den Schlüsselfiguren genau etabliert ist. „Ready Player One“ ist von Beginn an atemloses Eskapismus-Kino, das packt und mitreißt. Die reale und durchaus düstere Welt ist Spielberg-typisch in gigantischen und sehr haptischen Sets voller präziser Details in Janusz Kaminskis texturierten 35mm-Bilder gehalten, wodurch ein großes Gefühl von Glaubwürdigkeit entsteht. Man möchte diese greifbar wirkende Welt genauso erforschen wie eben auch die OASIS, die vor visuellem Einfallsreichtum förmlich aus allen Nähten zu platzen droht. Hier kontrastiert Spielberg mit einer digitalen und oft sehr bunten Hochglanz-Ästhetik, die nicht von ungefähr an High-End-Videospiele erinnert. Ganz kurz wirken die Avatare, die im Motion Capture-Verfahren von den Darstellern selbst verkörpert werden, leicht befremdlich, dieser Eindruck legt sich aber schnell.

Die OASIS ist – und das ist natürlich einer der großen Aufhänger von „Ready Player One“ – an jeder Ecke gesäumt von Popkultur-Artefakten der 80er-, 90er- und 2000er-Jahre. Auch wenn im Promo-Material hier schon einiges gezeigt wurde, steckt der Film erwartungsgemäß noch voller Überraschungen, die hier nicht gespoilert werden sollen. Erstaunlicherweise fungieren diese Referenzen in dieser so von endloser Nostalgie geprägten Zeit nicht als Irritation und plumpe Winks an ein gieriges Nerd-Publikum. Viel mehr sind diese zahlreichen Easter Eggs so liebevoll und oft beiläufig in die Peripherie eingebaut, dass sie gar nicht wie eine irritierende Ablenkung wirken. Viel mehr baut Spielberg diese meist ganz nüchtern und unkommentiert ein – abgesehen von der wohl verblüffendsten Sequenz des Films, die das Setting eines besonders ikonischen Films inklusive Musik perfekt rekreiert. Besagter Film soll hier nicht gespoilert werden, jedoch darf gesagt werden, dass Spielbergs leicht augenzwinkernde Film-im-Film-Hommage für viele Fans für ganz große, freudvolle Augen sorgen wird. Die eigentliche Erzählung steht hier immer im Mittelpunkt, die Referenzen aus vielen Filmen und Videospielen sorgen nur immer wieder wirklich für echte Entdeckerfreude beim kennenden Publikum, zu dem man hier auf Augenhöhe spricht. „Ready Player One“ ist so sicher der ultimative Nerd-Film, denn auch seine Figuren bauen immer wieder amüsante Winks in Form von Trivia ein, bei denen man gerne mitreden möchte.

Szene aus Ready Player One
Szene aus Ready Player One © Warner Bros. Pictures Germany
Überhaupt begeistert der Film durch seine scheinbar mühelose Leichtigkeit. Die Figuren sind nachvollziehbar und liebenswert gezeichnet, sie sind aus verschiedenen Gründen missverstandene Außenseiter, die sich in OASIS ausleben können. Die Dialoge sind spritzig, immer wieder geistreich und oft humorvoll gestaltet. Aech, Wades bester Freund in der Simulation, steht ebenso im Mittelpunkt wie Art3mis (Olivia Cooke), in die sich Wade schließlich verliebt – ohne ihr reales Ebenbild zu kennen. Sie bilden das Herz des Films, jedoch überrascht auch immer wieder der für Spielbergs „Bridge of Spies“ mit einem Oscar gekürte Mark Rylance in der ungewohnten Rolle des ultimativen Nerds Halliday. Rylance begeistert, amüsiert und berührt mit seiner unbeholfenen Wuschelkopf-Figur, die an Profit eigentlich nie interessiert war und mehr als ewiges Kind à la Peter Pan als der Besitzer des größten Konzerns der Welt erscheint. Seine Hintergründe werden nach und nach von Wade über die gigantische virtuelle Bibliothek „Halliday Journals“ erforscht, denn so kommt er nicht nur zu wichtigen Hinweisen zum Versteck der Schlüssel, sondern auch der übergreifenden Botschaft des Films selbst. Die Themen Identität und Realitätsflucht behandelt der Film jedenfalls weit differenzierter, als man zunächst vielleicht erwarten würde.

Doch sicher darf an dieser Stelle das selten in diesem überwältigenden Umfang gesehene gigantisch-viszerale Spektakel nicht vernachlässigt werden, das „Ready Player One“ immer wieder bietet. Gerade ein sagenhaftes Autorennen recht zu Beginn des Films, bei dem Wade mit einem DeLorean zwischen umherwütenden T-Rex und King Kong umherrast, sorgt für weit aufgerissene Augen und Münder und gehört zum Besten, was man in diesem Bereich wohl jemals gesehen hat. Das Finale grenzt dann wieder leicht an Overkill, führt dann aber schließlich zu einer zufriedenstellenden Katharsis. Insgesamt begeistert Spielberg hier letztlich mit einer Vitalität und einem grenzenlosen Einfallsreichtum, der sogar für seine Verhältnisse noch zu überraschen weiß.


Fazit:
„Ready Player One“ erweist sich nicht nur aufgrund seiner liebevollen Popkultur-Referenzen als absoluter Nerd-Traum, er spricht auch die gleiche Sprache wie seine Kern-Zielgruppe. In Steven Spielbergs Händen geht der Film weit über reine nostalgische Verklärung hinaus und erschafft ein rauschartiges, virtuoses und atemloses Actionabenteuer, in dessen Kern ein großes Herz pocht und eine wichtige Botschaft steckt. Doch vor allem macht „Ready Player One“ eins: Einen Heidenspaß.
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Bilder © Warner Bros.