Rambo: Last Blood

Rambo: Last Blood (2019), USA
Laufzeit: - FSK: 18 - Genre: Action / Thriller / Abenteuer
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universum Film

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Inhalt

John Rambo (Sylvester Stallone) hat viele große Schlachten in seinem Leben geschlagen – nun soll endlich Schluss sein. Zurückgezogen lebt der Kriegsveteran inzwischen auf einer abgelegenen Farm in Arizona. Doch der einstige Elitekämpfer kommt nicht zur Ruhe. Als die Tochter seiner Haushälterin Maria (Adriana Barraza) verschleppt wird, begibt sich Rambo auf eine Rettungsmission jenseits der amerikanischen Grenze nach Mexiko. Schon bald sieht er sich dort einem der mächtigsten und skrupellosesten Drogenkartelle gegenüber. Die vielen Jahre im Kampf mögen Rambo gezeichnet haben, aber sie haben ihn nicht weniger gefährlich gemacht.

Sylvester Stallone, Paz Vega und Sergio Peris-Mencheta | mehr Cast & Crew


Rambo: Last Blood - Trailer




Filmkritik Rambo: Last Blood

Filmwertung: | 5/10


Eigentlich schien John Rambos Reise nach vier Filmen und hunderten geopferten Menschenleben 2008 endgültig zu Ende zu sein. Die durch den Vietnamkrieg traumatisierte Tötungsmaschine kehrte am Ende seines ultrabrutalen vierten Abenteuers auf die Farm seines Vaters zurück und schien endlich in den verdienten Ruhestand zu gehen. Doch Sylvester Stallone, der überaus erfolgreich seine ikonischste Figur Rocky Balboa erst dieses Jahr zum bereits achten Mal in „Creed II“ auftreten ließ, kann die alten Zeiten einfach nicht ruhen lassen. Auch wenn es ihm gelungen ist, diese so inspirierende Figur Rocky immer konsequent weiterzuentwickeln und ihm mit den letzten Alterswerken eine große Würde zu verleihen, schlägt der Versuch mit Rambo fehl. „Rambo: Last Blood“ fängt einigermaßen vielversprechend an, entwickelt sich aber in eine dermaßen groteske und nahezu geistesgestörte Schlachtplatte, das man am Verstand von Stallone zweifeln muss. Dieser nun bereits fünfte Teil erweist sich als überflüssiges Machwerk, bei dem durch übertriebenen Exzess eine Katharsis oder gar ein elegischer Abschluss für die Figur ausbleibt und man als Zuschauer einfach nur stumpf zurückbleibt.

 Trifft noch immer jedes Ziel: John Rambo (Sylvester Stallone)
Trifft noch immer jedes Ziel: John Rambo (Sylvester Stallone) © Universum Film
Wir finden John Rambo dort, wo er vor zehn Jahren zurückblieb: Auf der idyllischen Farm seines Vaters in Arizona. Rambo lebt das zurückgezogene All-American-Cowboyleben und erfreut sich an der Gesellschaft seiner mexikanischen Haushälterin Maria (Adriana Barrazza) und deren 17-jährige Nichte Gabrielle (Yvette Monreal), die ihm eine so wichtige Ersatzfamilie bieten. Als Gabrielle den Wunsch äußert, ihren Vater, der sie einst verstieß, in Mexiko ausfindig zu machen, rät ihr John entschieden von ihrem Vorhaben ab. Der völlig desillusionierte Kriegsveteran wird immer noch von Traumata und Schuldgefühlen geplagt, auch wenn er in scheinbarer Zufriedenheit vor sich hin lebt. Sein Weltbild ist zutiefst verbittert, er weiß, „wie schwarz das Herz eines Mannes sein kann“ und wie bösartig diese Welt ist. Ein Mann, der so Verachtenswertes wie Gabrielles Vater getan hat, wird sich laut Rambo niemals bessern, im Gegenteil, er würde nur schlimmer. Gabrielle scheint dem Ratschlag ihres erfahrenen Ersatzvaters zunächst folgen zu wollen, doch schließlich übermannt sie doch die Neugier und sie fährt kurzerhand alleine nach Mexiko. Doch es kommt, wie es kommen muss: Gabrielle wird von einem Menschenhändlerkartell entführt und zwangsprostituiert. Doch die Mexikaner haben nicht geahnt, dass sie sich hiermit einen großen Feind gemacht haben…

„Rambo: Last Blood“ beginnt gut und interessant: Wie auch schon Rocky gibt Stallone John Rambo eine greifbare Seele, man sieht ihm all seine Erfahrungen und Lebensüberdrüssigkeit, seinen tiefsitzenden Schmerz und die Last, die auf seinen Schultern sitzt in jeder Sekunde an. Stallones tiefe, knurrende Stimme, sein ledernes Gesicht und die traurigen, tief hängenden Augen sprechen eine eindeutige Sprache, die man nur durch das Altern erreichen kann. Sicher, es grenzt fast schon an Selbstparodie, wenn Rambo Maria ganz plakativ von seinen Jahrzehnte anhaltenden Traumata berichtet und ständig Psychopharmaka-Pillen wie Tic Tacs einwirft, um das Leben besser zu ertragen. Doch dieses tief sitzende Pathos macht diesen grimmigen und ironiefreien Film und letztlich auch die Figur und Ikone Sylvester Stallone aus. „Rambo: Last Blood“ ist jedenfalls weit entfernt vom glattgebügelten und augenzwinkernden Mainstreamkino der Gegenwart, dieser Film erinnert in seiner geradlinigen Herangehensweise an alte Zeiten.

 Gabrielle (Yvette Monreal) gerät in Gefahr.
Gabrielle (Yvette Monreal) gerät in Gefahr. © Universum Film
Dazu gehören leider auch die grotesk überzeichneten mexikanischen Bösewichter, die als regelrecht dämonisiertes Feindbild herhalten müssen. Sicher, es ist bekannt, dass die mexikanischen Kartelle sicher nicht zu den menschenfreundlichsten Organisationen gehören, weswegen man dieses klar gezeichnete Gut-gegen-Böse-Bild schon verschmerzen kann. Komplexität sollte man in einem Film wie diesem auch nicht erwarten. „Rambo: Last Blood“ ist nämlich hemmungslos konsequentes Genrekino, das niedere Instinkte bedienen will und nicht an Grauzonen interessiert ist. Hier geht es um wütende Rache, die von Rambo derart furios ausgeübt wird, das die Leinwand zu bersten droht. Der ganze Schmerz, der in Rambo sitzt, kanalisiert sich in blinde, alles zerstörende Wut und vernichtend brachiale Urgewalt, sodass Töten einfach nicht mehr ausreicht.

Bis zu einem gewissen Punkt funktioniert diese altbewährte Racheformel auch sehr gut. Adrian Grünberg, der zuvor den soliden Mel Gibson-Actioner „Get the Gringo“ inszeniert hat, überzeugt weitestgehend mit kraftvoll-schnörkelloser und handgemachter Inszenierung in klarer Bildsprache, die nur gelegentlich billig daherkommt (etwa bei den grauenhaft aussehenden Green Screen-Autofahrten). Der anfängliche melancholisch-wehmütige Ton funktioniert auch sehr gut und hätte ein entsprechendes Ende verdient gehabt. Doch dazu kommt es frustrierenderweise nicht.

 Bereit für die Rettungsmission: John Rambo (Sylvester Stallone).
Bereit für die Rettungsmission: John Rambo (Sylvester Stallone). © Universum Film
Zunächst platziert Grünberg heftige und regelrecht schmerzhafte Gewaltspitzen noch einigermaßen sparsam: Mal wird etwa einem Mann das Schlüsselbein mit einem Messerschaft eingeschlagen und anschließend zwecks Folter der Knochen herausgepuhlt und mit bloßer Hand gebrochen. Der fast schon nihilistische Grundton, den die ganze Mexiko-Episode anschlägt, ist dann sogar schon regelrecht mutig in seiner Konsequenz. Rambo muss hier durch seine bisher größte Hölle schreiten und lässt die Wut und den Schmerz bis ins Unendliche potenzieren. Das resultiert in der mitunter brachialsten Gewalt, die das Hollywoodkino wohl jemals hervorgebracht hat.

Fungiert Rambo zunächst als nahezu bestialisch agierende menschliche Dampfwalze, folgt schließlich das Finale, das so etwas wie „Rambo allein Zuhaus“ darstellt: Hier verliert der Film jede Bodenhaftung und entwickelt sich in eine groteske Splatter-Schlachtplatte, die Grenzen überschreitet. Der Film wirkt schließlich fast wie das Resultat eines Gewinnspiels, bei dem es darum ging, den brutalsten Mainstream-Film aller Zeiten zu erschaffen. Hier nimmt „Rambo: Last Blood“ schon „Riki-Oh“-Dimensionen an, nimmt sich dabei jedoch weiterhin fürchterlich ernst. Töten ist nicht mehr genug, scheinbar versuchen sich Grunberg und Stallone in kreativen Methoden, den menschlichen Körper zu zerstören, gegenseitig zu übertreffen.

 John Rambo (Sylvester Stallone) zieht Scharfe Geschütze auf.
John Rambo (Sylvester Stallone) zieht Scharfe Geschütze auf. © Universum Film
Die hartgesottensten Action-Fans werden sich mit bis zum Boden hängenden offenen Mündern wohl High Fives geben, doch abgesehen von der Dummheit des ganzen Szenarios enttäuscht der Film am Ende leider völlig als der geplant elegische Abgesang dieser Figur. Man verliert regelrecht den Kontakt zu Rambo, eine emotionale Katharsis bleibt angesichts des geisteskrank sadistischen und menschenverachtenden Verhaltens aus. Am Ende hat diese Figur nichts gewonnen, ihr Seelenfrieden bleibt aus, man bleibt ernüchtert zurück. Man fragt sich, warum dieser Film mit diesem Abschluss noch nötig war. Stallone sprach einst davon, dass der fünfte Teil emotional und kraftvoll sein sollte. Vorbilder wie „Erbarmungslos“, „No Country for Old Men“ oder „Logan“ wurden genannt. Sicher, der Film wird von einem persönlicheren Motiv als üblich angetrieben, was über weite Strecken auch tatsächlich funktioniert und dem Film eine willkommen wehmütige und melancholische Note verleiht. Doch am Ende bleibt der ernüchternde und ins Nichts verlaufende Exzess, wodurch „Last Blood“ einfach nur leer und abgestumpft zurücklässt.


Fazit:
Das Potential eines wehmütigen und melancholischen Abschlusses war da, am Ende steht ein teils gelungener, aber letztlich unglaublich brutaler, exzessiver, stumpfer und eindimensionaler Film zurück, der an der Zurechnungsfähigkeit von Stallone zweifeln lässt. Eine emotionale Katharsis, die man sich spürbar gewünscht hat, bleibt angesichts des menschenverachtenden und reaktionären Finales leider aus.
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Bilder © Universum Film