RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit

RBG (2018), USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Dokumentation
Kinostart Deutschland: - Verleih: Koch Media

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RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Ruth Bader Ginsburg hat die Welt für amerikanische Frauen verändert. Die heute 85-jährige Richterin stellte ihr Lebenswerk in den Dienst der Gleichberechtigung und derjenigen, die bereit sind, dafür zu kämpfen. 1993 wurde sie als zweite Frau an den Supreme Court der USA berufen und hält dort eisern die Stellung. Die beiden Regisseurinnen Betsy West und Julie Cohen zeigen in RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit den außergewöhnlichen Aufstieg der stillen, aber unnachgiebigen Kämpferin. Ihre Laufbahn begann sie als eine von nur neun Studentinnen an der Harvard Law School und als eine der ersten Jura-Professorinnen der USA. In den 70er Jahren erkämpfte Ruth Bader Ginsburg gegen alle Widerstände bahnbrechende Gerichtsurteile zur Gleichstellung der Geschlechter, die sie zu einer Heldin der Frauenrechtsbewegung und zu einer weltbekannten Ikone machten. Inzwischen berühmt und berüchtigt als Notorious RBG entschied sich die Demokratin nach der Wahl Donald Trumps gegen Rückzug und Ruhestand. Bis heute sorgt sie mit ihrer engagierten Agenda für Schlagzeilen und macht dem umstrittenen Präsidenten mitunter das Leben schwer. Mit brillantem Verstand und Leidenschaft bleibt Ruth Bader Ginsburg gerade jetzt eine unverzichtbare Inspiration für die politische Kultur der USA und der Welt.

Ruth Bader Ginsberg, Nina Totenberg und Bill Clinton | mehr Cast & Crew


RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit - Trailer




Filmkritik RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit

Filmwertung: | 8/10


Der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, hat schon so manch große Persönlichkeit herausgebracht. Man erinnere sich an Thurgood Marshall, der als allererster afroamerikanischer Richter am Obersten Gerichtshof Geschichte schrieb. Sein Leben und Wirken wurde mit dem Film "Marshall" gewürdigt, der 2017 in die Kinos kam. Die Hauptrolle übernahm "Black Panther"-Star Chadwick Boseman. 2018 ist aber das Jahr der wohl berühmtesten Supreme Court Richterin, nämlich Ruth Bader Ginsburg. Gleich zwei Filme thematisieren das Leben der 85 Jahre alten Dame. "Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit" ist ein kommendes Drama, in dem Felicity Jones die Richterin verkörpert. "RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit" ist hingegen ein Dokumentarfilm über das Leben von Ruth Bader Ginsburg. Der Film zeigt nicht nur ihren Werdegang, sondern auch den positiven Einfluss, den sie auf die Nation hatte. Eine unglaublich starke Doku über eine bewundernswerte Frau, die absolut sehenswert ist. Ich habe lange nicht mehr so einen inspirierenden Film gesehen, bei dem ich so viel dazu gelernt habe.

Ruth Bader Ginsburg und Jimmy Carter
Ruth Bader Ginsburg und Jimmy Carter © Koch Media / Neue Visionen
Wer sich für die Gleichberechtigungsbewegung oder starke Frauen interessiert, der ist hier genau richtig, denn "RBG" ist ein Erfolg auf ganzer Linie. Der Film ist von Julie Cohen und Betsy West kompetent inszeniert. Die Struktur von "RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit" ist recht simpel gehalten und folgt einem bewährten Muster. Zuallererst wird das Leben von Ruth Bader Ginsburg näher dargestellt. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf, ihre Eltern haben sie streng erzogen, ihr Motto war: "Fleiß zahlt sich aus." Nichts im Leben wurde Ginsburg geschenkt, sie hat sich alles hart erarbeitet, und dieser Aspekt des Films ist besonders inspirierend. Zu ihrer Zeit wurden nur sehr wenige Frauen von Harvard akzeptiert, sie war eine davon. Während ihrem Studium war sie schon verheiratet und sie hatte ein Kind daheim. Sie wurde ständig mit Sexismus konfrontiert (Der Film beginnt mit Beleidigungen gegen Ginsburg von politischen Kommentatoren, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Ginsburg bei jeder Gelegenheit zu kritisieren), sowohl von ihren männlichen Kommilitonen als auch vom Dekan, und trotzdem gelang es ihr, zu den 25 besten Studenten zu gehören und damit einen Platz in der Harvard Law Review einzunehmen.

Ruth Bader Ginsburg in RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit
Ruth Bader Ginsburg in RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit © Koch Media / Neue Visionen
Die Art und Weise, wie der Film Ginsburg's Aufstieg zur Richterin am Obersten Gerichtshof darstellt und dabei gleichzeitig eine kleine Geschichtsstunde über die Diskriminierung der Frauen in den Vereinigten Staaten ist, ist ziemlich clever, extrem lehrreich, und doch knapp gehalten. Dabei ist das visuell auch recht schön gestaltet. Es gibt keinen langweiligen Moment. Ginsburg hat einen großen Anteil daran, dass Frauen in den USA in der heutigen Gesellschaft mehr Rechte haben. In ihrer Karriere hat sie stets Fälle übernommen, in denen Frauen benachteiligt wurden. Mädchen wurden nicht in eine All Boys Militärakademie angenommen, sie haben geklagt und Ginsburg hat sie verteidigt vor dem Supreme Court. Sie hat gewonnen. Dabei hat sie auch oft Fälle übernommen, in denen Männer diskriminiert wurden, um allen zu zeigen, dass auch sie oft benachteiligt werden. Man merkt, dass die beiden Regisseurinnen Cohen und West extrem viel Wert darauf legen, diesen Aspekt von Ginsburg's Leben zu erleuchten, denn die Zeit als Anwältin, in der sie fünf von sechs Fällen vor dem Supreme Court gewann, haben ihr Leben geprägt. Sehr nett war auch ein Cameo von Bill Clinton, der Ruth Bader Ginsburg für den Supreme Court nominiert, trotz ihres hohen Alters. Er hat sie getroffen und war sofort von ihr begeistert.

Ruth Bader Ginsburg in RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit
Ruth Bader Ginsburg in RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit © Koch Media / Neue Visionen
Doch es sind die Einblicke in ihr Privatleben, die einen besonders emotional berühren. Obwohl ich vor der Sichtung dieser Dokumentation wusste, wer Ruth Bader Ginsburg ist, so hatte ich keine Ahnung, was für eine wundervolle Beziehung sie mit ihrem jetzt verstorbenen Mann hatte. Die beiden konnten nicht unterschiedlicher sein, aber sie ergänzten sich großartig. Dieser Abschnitt der Doku verleiht dem Film einen persönlichen Touch. Natürlich ist es informativ, wenn die Zuschauer erfahren, welche bedeutenden Diskriminierungsfälle Ginsburg gewonnen hat. Doch wer ist Ginsburg außerhalb des Gerichtssaals? Was bewegt sie, wie tickt sie? All diese Fragen werden durch diese intimen Einblicke in ihre Beziehungen beantwortet. Die Momente mit ihrer Enkeltochter, die ebenfalls in Harvard studiert, sind toll, ebenso wie ihre etwas komische Freundschaft mit dem jetzt verstorbenen Supreme Court Richter Antonin Scalia (Scalia war ein ultrakonservativer Richter, das komplette Gegenteil von Ginsburg). Es ist ebenfalls schön, dass Ginsburg noch am Leben ist und aktiv an dieser Dokumentation teilgenommen hat. Immer wieder stellen die Regisseurinnen Ginsburg Fragen und sie beantwortet sie, und man lernt dann was neues über sie. "RBG" stellt Ginsburg als eine Art Heldin dar, nicht nur als Richterin, sondern in allen Belangen des Lebens. Und das sehen viele Menschen in den USA so, vor allem die jüngere Generation. Die Millennials haben Ginsburg den Spitznamen "Notorious RBG" verpasst, angelehnt an den Rapper "Notorious BIG". Sie besuchen jede Veranstaltung, in der sie als Gast eingeladen ist, und lassen sich von ihr inspirieren. Und so wird es den Zuschauern gehen, die sich diesen Film anschauen werden.


Fazit:
RBG ist ein faszinierendes Porträt einer Frau, die Amerika verändert hat. Sie ist 85 Jahre alt, und noch lange nicht am Ende. Handwerklich einwandfrei inszeniert, überzeugt die Dokumentation fast auf gesamter Strecke, doch leider geht dem Film am Ende etwas die Luft aus. Aber alles in allem gehört RBG zu den besten Dokumentationen des Jahres und es würde mich nicht wundern, wenn sie für einen Oscar nominiert wird.
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Bilder © Koch Media