Quartett

Quartet (2012), Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Komödie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: DCM

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Quartett Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Cecily, Reginald und Wilfred leben in einer Residenz für ehemalige Opernsänger. Am 10. Oktober findet, wie jedes Jahr, ein Konzert zu Ehren Verdis Geburtstag statt. Die Ankunft von Opernstar Jean, die einst mit Reggie verheiratet war, mischt das Trio ordentlich auf. Sie mimt noch immer die große Diva und weigert sich beim geplanten Auftritt als QUARTETT, dabei zu sein. Trotz allem kommt das sehnsüchtig erwartete, einmalige Konzert immer näher und ohne sie können Cecil, Wilf und Reggie nicht auftreten.

Maggie Smith, Tom Courtenay und Billy Connolly | mehr Cast & Crew


Quartett - Trailer




DVD und Blu-ray | Quartett

Blu-ray
Quartett Quartett
Blu-ray Start:
13.11.2015
FSK: 0 - Laufzeit: 102 min.
DVD
Quartett Quartett
DVD Start:
13.11.2015
FSK: 0 - Laufzeit: 98 min.

Filmkritik Quartett

Filmwertung: | 9/10


Während in die Jahre gekommene Actionstars wie Bruce Willis oder Sylvester Stallone krampfhaft versuchen zu beweisen, dass sie niemals zu alt für ihren Job sein werden, entscheidet sich Schauspieler Dustin Hoffman lieber dafür, es mit etwas völlig Neuem zu versuchen. So nimmt er mit 75 Jahren zum ersten Mal auf dem Regiestuhl Platz und beglückt uns mit einer erfrischend warmherzigen Komödie über die Probleme des Älterwerdens anhand des Schicksals vier ehemaliger Opernstars.

Als die einstige Operndiva Jean Horton (Maggie Smith) in das Altersheim „Beecham House“ einzieht, das sich speziell auf die Bedürfnisse gealterter Profimusiker eingerichtet hat, bricht für ihren Exmann Reginald“Reg“Paget (Tom Courtenay) eine Welt zusammen. Jahrelang konnte er in Ruhe sein Leben weiterführen, ohne an seine Vergangenheit denken zu müssen, die ihn nun in Gestalt von Jean einzuholen scheint. Doch das ist nicht das einzige Problem, das im Beecham House herrscht: Neben der stark ausgeprägten Libido von Regs bestem Freund Wilfred“Wilf“Bond (Billy Connolly) und den Demenzproblemen der liebenswerten Rentnerin Cecily“Cissy“Robson (Pauline Collins) rückt eine Gala zu Ehren von Verdis Geburtstag, deren Erlös für den Erhalt des Altenheims von entscheidender Bedeutung ist, immer näher. Ohne die werbeträchtige Zugkraft von Jean ist eine Rettung des Heims kaum möglich, deshalb ist es an Reg sie zu überreden, wieder auf die Bühne zu steigen und mit dem „Quartett“ vergangener Tage zu musizieren. Allerdings muss Jean dafür erst einmal über ihren eigenen Schatten springen, was sich als keine leichte Aufgabe erweist...

Mit sehr viel Liebe zum Detail etabliert Hoffman in den ersten Minuten die Hauptcharaktere des Films, die allesamt mit mehr oder weniger ausgeprägten, schrulligen Eigenarten ausgestattet sind und somit eine sehr komische Atmosphäre erzeugen. Allerdings ist der Humor des Films sehr leiser Natur, da nie der Holzhammer geschwungen wird, um dem Zuschauer ein Lachen zu entlocken. Die Komik entwickelt sich unglaublich subtil und wirkt daher niemals aufgesetzt oder unnatürlich. Ein Beispiel für eine dieser gelungenen Szenen des Films ist eine lustige Diskussion zwischen Reg und einem Jugendlichen, da hier Hip/Hop und Opernmusik gegenübergestellt werden, ohne dass ein konservatives Urteil zu befürchten wäre. Hoffman ist schlau genug, eine weitaus sinnvollere Position zu wählen und verpackt in die Komik der Szene auch eine dezente Kritik am Desinteresse einer ganzen Generation an der klassischen Musik. Doch der Film beinhaltet neben all der zum Schmunzeln anregenden Momente auch eine tragische Komponente, da dem Älterwerden mit genügend Ernsthaftigkeit begegnet wird. So sind die Demenzhandlungen der Rentner zwar auf der einen Seite furchtbar komisch, doch gleichzeitig auch ungeheuer traurig, da immer wieder melancholische Zwischentöne ihren Weg in die Dialoge finden.
Das Altstarensemble wird von Maggie Smith angeführt und überzeugt auf ganzer Linie. Während Smith und Courtenay durch ihr intelligentes Schauspiel eher für die ernsten Momente des Filmes sorgen, versprühen Connolly und Collins eine ganze Menge Optimismus und Komik. Charmanter als Billy Connolly hätte wohl niemand die Figur des Wilf darstellen können, es ist kaum zu glauben, mit welcher Leichtigkeit er mit seinen 70 Jahren alle weiblichen Geschöpfe in seiner Reichweite beflirtet und zu betören versucht. So werden ihm auch die witzigsten Momente des Films zuteil, wenn er beispielsweise versucht, sein Pflegerin zu verführen oder mit verschmitzter Miene Selbige beim verbotenen Rauchen beobachtet. Die Figur der „Cissy“ ist so etwas wie der Running Gag des Films und zaubert auch nach mehrmaligem Wiederholen ihrer Demenzmarotten noch ein Lächeln auf das Gesicht des Zuschauers. Maggie Smith und Tom Courtenay beeindrucken allerdings am meisten, da ihnen durch ihre uneindeutige Beziehung das größte schauspielerische Können abverlangt wird. Smith formt den Charakter der Jean Horton durch ihr dezentes Spiel ganz gemächlich und zeigt erst am Ende des Films ihr wahres Gesicht. Courtenay fungiert hierbei als schauspielerischer Gegenpol und verfährt mit seiner Darstellung des melancholisch sympathischen Reg ebenso subtil wie Smith, was zu einer wunderbar funktionierenden Leinwandbeziehung führt, die im Finale ein sehr emotionales Ende findet.

Fazit: Dustin Hoffman beweist mit „Quartett“ eindrucksvoll, dass noch weitaus mehr als ein guter Schauspieler in ihm steckt und beschert uns den bislang schönsten Film des Jahres. Eine gehörige Portion Charme, wunderbare Musik und eine hübsche Kulisse erzeugen ein tolles Gesamtwerk, das auf weitere Filme von Hoffman hoffen lässt. Gelungen!
by Jonas Hoppe

Bilder © DCM