Possessor

Possessor (2020), Kanada / Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 18 - Genre: Horror / Mysterie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Kinostar

Possessor Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Eine Firmenagentin namens Vos dringt mithilfe von Hirnimplantaten in die Körper anderer Menschen ein und bringt diese dazu, Morde zum Wohle der Firma zu begehen. Als bei einem Routineauftrag etwas schief geht, findet sich Vos im Körper eines Mannes gefangen, dessen Identität ihre eigene auszulöschen droht.

Andrea Riseborough, Christopher Abbott und Rossif Sutherland | mehr Cast & Crew


Filmkritik Possessor

Filmwertung: | 8/10


Wenn man an „Body Horror“ denkt, dann fällt einem direkt dieser Name ein: David Cronenberg. Mit Filmen wie „Die Fliege“ oder „Naked Lunch“ hat er das Subgenre geprägt und zu seiner Popularität beigetragen. In den 80ern kam daraufhin eine riesige Welle an „Body Horror“-Filmen heraus, das Subgenre war auf seinem Höhepunkt. Zwar ist der „Body Horror“ selber noch lange nicht verstümmelt oder deformiert, trotzdem kann man leichte Abnutzungserscheinungen ansehen, denn auf seinem großen Peak ist dieser nicht mehr. Nun erscheint mit „Possessor“ aber ein neuer Beitrag, der den „Biological Horror“ mit einer düsteren Zukunftsvision mischt und dem Subgenre ein neues Gewand verleiht.

Possessor: Andrea Riseborough
Possessor: Andrea Riseborough © Kinostar
Die Handlung startet direkt in medias res und wirft den Zuschauer ohne Eingewöhnungszeit in die dystopische Welt. Die Auftragsmörderin Tasya Vos (Andrea Riseborough) tötet ihr Ziel und bringt sich daraufhin um. Der Clou an der Sache ist jedoch, dass die Geheimorganisation, für welche Tasya arbeitet, Gehirnimplantate nutzt, um die Kontrolle von Menschen zu übernehmen. Tasya mordet also aus dem Körper einer fremden Person und zwingt diese schließlich, sich auch noch selber zu töten. Vorher wird die Auftragsmörderin noch aus dem Körper geholt. Für ihre Familie ist die Zeit nicht leicht. Ihr Mann (Rossif Sutherland) und Sohn wissen rein gar nichts von ihrer Arbeit, leiden aber unter den vielen „Geschäftsreisen“. Das alles geht nicht spurlos an ihr vorbei. Als Tasya nämlich einen neuen Auftrag zugewiesen bekommt, verliert sie immer wieder die Kontrolle über den Wirt.

Possessor: Christopher Abbott
Possessor: Christopher Abbott © Kinostar
„Possessor“ will „Body Horror“ wieder in Mode bringen und kaum ein anderer Regisseur wäre besser dafür als Brandon Cronenberg. Der Sohn von Kultregisseur David Cronenberg bewies mit „Antiviral“ ein Händchen für atmosphärischen Sci-Fi Horror und genau dieser wird mit „Possessor“ fortgesetzt. Die Dystopie ist dabei in ihren Grundzügen von unserer Welt abgeleitet. Den ersten Schritt für Entfremdung, fehlende menschliche Interaktionen und immer anonymere Mordwaffen finden wir in unserer Welt - nicht erst seit der Pandemie. Schauspielerisch erkennt man in den Nebenrollen Sean Bean („Der Herr der Ringe“), Jennifer Jason Leigh („The Hateful 8“) oder den Indie-Star Christopher Abbott („It Comes at Night“) wieder, am überzeugendsten ist aber Hauptdarstellerin Andrea Riseborough, welche schon in „Birdman" oder „Mandy“ famose Rollen gespielt hat. In „Possessor“ überträgt sie ihre innere Zerrissenheit auf den Zuschauer, am Ende fehlt dann dennoch etwas die Tiefe. Dieses Manko betrifft aber nicht das Schauspiel, es betrifft das Drehbuch. Die Figuren bleiben mehr Hüllen und wenig ausgearbeitet; angeschnittene Konflikte fühlen sich erzwungen an durch die zu kurze Laufzeit. Mit einer Laufzeit von 104 Minuten ist das Erlebnis zwar kurzweilig, trotzdem spürt man „Possessor“ an, dass Nährboden für noch mehr da gewesen wäre.

Possessor: Sean Bean
Possessor: Sean Bean © Kinostar
Dafür wurde die Kameraarbeit von Karim Hussain, den Genrefans durch seine Beteiligung an „Hobo with a Shotgun“ oder „We Are Still Here“ kennen könnten, perfekt ausgereizt und mutiert zum Star des Filmes. „Possessor“ dreht und windet sich in langen hypnotischen Kameraführungen, die einen wahnsinnigen Sog-Effekt erzielen. Auch die starke Brutalität ist grandios eingefangen. Erst wenn man genau auf diese achtet, fällt nämlich auf, dass die meisten Gewaltakte in unserem Kopf stattfinden und eben nicht gezeigt werden. Hussain kann dies jedoch kaschieren und kreiert somit richtig eklige Bilder. Die Masken und Make-Up Abteilung muss im gleichen Atemzug gelobt werden. Dabei sind die praktischen Effekte nicht sonderlich gruselig, dafür aber abstoßend, eklig und verstörend. Untermalt wird dies von einem brachialen Sound, der in dieser Form nur im Kino funktionieren kann und genau dafür erschaffen wurde.

Fazit:
Selbst wenn „Possessor“ etwas die Tiefe fehlt und ausgearbeitetere Figuren dem Film sicherlich gut getan hätten, ist die Schreckensvision von Brandon Cronenberg einen Besuch wert. Das Grundszenario ist extrem spannend, „Body Horror“-Fans werden auf ihre Kosten kommen, außerdem fühlt sich der Sci-Fi Horror sehr kurzweilig an. Cronenberg Junior untermauert seine inszenatorische Finesse, nur am Drehbuch hadert es im Mittelteil etwas. Als Fan vom Genre wird man aber sicherlich nicht enttäuscht.
by Lukas Weinandy

Bilder © Kinostar


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