Porträt einer jungen Frau in Flammen

Portrait de la jeune fille en feu (2019), Frankreich
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Historienfilm / Romanze
Kinostart Deutschland: - Verleih: Alamode / Wild Bunch

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Porträt einer jungen Frau in Flammen Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Ein ungewöhnlicher Auftrag führt die Pariser Malerin Marianne (Noémie Marchant) im Jahr 1770 auf eine einsame Insel an der Küste der Bretagne: Sie soll heimlich ein Gemälde von Héloïse (Adèle Haenel) anfertigen, die gerade eine Klosterschule für junge adelige Frauen verlassen hat und bald verheiratet werden soll. Denn Héloïse weigert sich, Modell zu sitzen, um gegen die von ihrer Mutter (Valeria Golino) arrangierte Ehe zu protestieren. So beobachtet Marianne Héloïse während ihrer Spaziergänge an die Küste und malt abends aus dem Gedächtnis heraus ihr Portrait. Langsam wächst zwischen den eindringlichen Blicken eine unwiderstehliche Anziehungskraft …

Noémie Merlant, Adele Haenel und Luana Bajrami | mehr Cast & Crew


Porträt einer jungen Frau in Flammen - Trailer




Filmkritik Porträt einer jungen Frau in Flammen

Filmwertung: | 10/10


Es gibt sie noch, diese unbeschreiblichen und gänzlich unerwarteten Kinowunder, die scheinbar aus dem Nichts kommen und nie mehr weggedacht werden können. Der vierte Film der Französin Céline Sciamma ist so ein kleines Wunder. Ein Film, der so zart und fragil wirkt, dass man meint, er könnte jeden Moment in sich zusammenfallen. Ein Traum, der jäh zu Ende ist, obwohl man sich tief in ihm verloren hat. Selten gibt es Filme zu sehen, die man nahezu als körperliche Erfahrung wahrnimmt, die so sinnlich, betörend, geheimnisvoll sind. So still und doch so voller erschütternder Wucht.

Adèle Haenel und Noémie Merlant in Porträt einer jungen Frau in Flammen
Adèle Haenel und Noémie Merlant in Porträt einer jungen Frau in Flammen © Alamode Film
Doch was hat es mit diesem „Portrait einer jungen Frau in Flammen“ auf sich? Der Film beginnt mit zarten Kohlestiftstrichen auf Leinwand. Man sieht Großaufnahmen junger Frauen, die gerade konzentriert dabei sind, ihre Lehrerin zu zeichnen. Diese sitzt still Modell und gibt ruhig Anweisungen. Ihr Name ist Marianne (Noémie Merlant). Ihre innere Ruhe wird aus der Balance gebracht, als sie ein Gemälde hinter ihren Schülerinnen erblickt: Es wurde aus dem Lager entnommen, ohne dass die Schülerin bedacht hat, dass das Kunstwerk eine tiefgreifende Bedeutung für Marianne hat. Es handelt sich um das titelgebende Portrait einer jungen Frau in Flammen.

In den nächsten knapp zwei Stunden erzählt Siamma in ganz stillen Tönen, welche Geschichte hinter diesem Gemälde steht. Nur ganz bedächtig entfaltet sich der Film und gibt nur zögerlich Details preis. Wir befinden uns irgendwann zu Ende des 18. Jahrhunderts. Schauplatz des Films ist eine schwer erreichbare Insel in der Bretagne, zu der Marianne reist. Dort ist die junge Malerin von einer italienischen Gräfin (Valeria Golino) beauftragt, ein Gemälde ihrer Tochter Héloise (Adèle Haenel) zu erstellen. Dieses Porträt soll die Zwangsvermählung von Héloise mit einem Mailänder Adeligen besiegeln. Das entspricht jedoch ganz und gar nicht dem Willen der jungen Frau, die zuvor beauftragte Maler in die Flucht geschlagen hat. Aus diesem Grund soll sich Marianne als Gesellschafterin ausgeben und nach und nach aus dem Gedächtnis heraus das Porträt von Héloise malen. Tatsächlich gelingt es Marianne, eine Verbindung zu der geheimnisvollen und zurückgezogenen Héloise aufzubauen, die jedoch tiefer geht, als beide zunächst erwarten konnten…

Héloïse (Adèle Haenel ) am Strand in Porträt einer jungen Frau in Flammen
Héloïse (Adèle Haenel ) am Strand in Porträt einer jungen Frau in Flammen © Alamode Film
„Porträt einer jungen Frau“ ist pures Kino, das sich in malerisch mit Natur- und Kerzenlicht ausgeleuchtete Bilder erzählt. Sciamma verschwendet gerade zu Beginn nur wenige Worte und lässt sich lange Zeit, bis sie Héloise überhaupt offenbart. Sie baut eine dichte und überaus authentische Atmosphäre dieser kargen Umgebung auf, durch die eine nahezu gespenstische und geheimnisvolle Luft weht. Es entwickelt sich ein Kino der Blicke, die immer wieder Löcher in die Leinwand zu brennen drohen. Es ist ein Kino der kleinen Gesten, die so viel kraftvoller als jede Worte sind.

Führt Sciamma ihre beiden umwerfenden Darstellerinnen schließlich zusammen, scheint die Zeit still zu stehen. In betörenden und naturalistischen Bildern zelebriert sie die außergewöhnliche Schönheit von Merlant und Haenel. Der Film verliert sich in der Flüchtigkeit der Momente, verliert sich in den Augen, den Mündern, den Haaren und der Haut seiner Darsteller. Haenel ist eine derart magnetische und komplexe Präsenz, dass sie glaubwürdig die Unmöglichkeit darstellt, sie in einem Portrait gebührend einzufangen. Der Film handelt primär von der elektrisierenden Verbindung und Anziehungskraft zweier Frauen, von lange unausgesprochener und schließlich unerträglicher Sehnsucht, von tiefem Begehren, einer kurzen Zeit intensiver Leidenschaft, die ein Leben lang nachwirkt und schlichtweg dem allgemeinen Schmerz einer unmöglichen Liebe. Darüber hinaus handelt er aber auch von dem künstlerischen Prozess, der Herausforderung über die reine Abbildung hinauszukommen und sich auf tiefgründige Weise künstlerisch vom gängigen Regelwerk zu emanzipieren.

Adèle Haenel als Héloïsein Porträt einer jungen Frau in Flammen
Adèle Haenel als Héloïsein Porträt einer jungen Frau in Flammen © Alamode Film
Doch im Vordergrund dieses unbegreiflich schönen Films steht die packende Sinnlichkeit, ergreifende Intimität und subtile erotische Spannung, die ihn zu einer so außergewöhnlichen Erfahrung machen. In Merlant und Haenel hat Sciamma ein Darstellerduo für die Ewigkeit gefunden: Beide Frauen verfügen über eine einzigartige Ausstrahlung, die völlig in den Bann zieht. Sciamma beweist sich als begnadete Meisterin des filmischen Blicks, der es gelingt das Historiendrama scheinbar mühelos aus den Konventionen des Genres zu befreien. „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ mag ein stiller Film sein, doch gelingen Sciamma auch überwältigend große Momente: So ist die nächtliche Szene zu nennen, die die Entstehung des titelgebenden Bildes zu den Choralklängen singender Frauen bebildert. Aber auch der massiv kathartische Schluss zu Vivaldis "Vier Jahreszeiten" darf jetzt schon als magischer und atemberaubender Moment für die Ewigkeit gezählt werden, der einen nahezu perfekten Film auf bestmögliche Weise zu einem großen Ende führt.


Fazit:
„Porträt einer jungen Frau in Flammen“ ist ein sinnliches, betörendes, stilles und dennoch hypnotisches Meisterwerk in malerisch-naturalistischen Bildern. Regisseurin Céline Sciamma ist hier ein nahezu perfekter Film gelungen, der sich tief einbrennt und lange nachhallt.
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Bilder © Alamode / Wild Bunch