Point Break

Point Break (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Action / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

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Point Break Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der junge FBI-Agent Johnny Utah (Luke Bracey) infiltriert ein Team von Extremsportlern unter der Führung von Bodhi (Édgar Ramírez), das unter Verdacht steht, eine Reihe von beispiellosen und sehr ausgeklügelten Angriffen auf Unternehmen begangen zu haben. Auf seiner gefährlichen Undercover-Mission kämpft Utah nicht nur um sein Leben, sondern versucht auch, das Extremsportler-Team als die Architekten der wahnwitzigen Verbrechen zu überführen, die das Bestehen der weltweiten Finanzmärkte bedrohen.

Edgar Ramirez, Teresa Palmer und Ray Winstone | mehr Cast & Crew


Point Break - Trailer


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DVD und Blu-ray | Point Break

Blu-ray
Point Break Point Break
Blu-ray Start:
28.07.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 114 min.
Point Break (3D Blu-ray) Point Break (3D Blu-ray)
Blu-ray Start:
28.07.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 114 min.
DVD
Point Break Point Break
DVD Start:
28.07.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 110 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik Point Break

Filmwertung: | 8/10


Kathryn Bigelows Surfer/Bankräuber-Actionthriller „Gefährliche Brandung“ mit Keanu Reeves und Patrick Swayze zählt zu den großen Genre-Kultklassikern der letzten 25 Jahre. Dementsprechend groß war der Aufschrei und die Empörung der Fans, als ein Remake des Streifens angekündigt wurde (eine Fortsetzung war lange im Gespräch). Sakrileg! Point Break SzenenbildBesonders angesichts der Tatsache, dass die Prämisse des FBI-Agenten, der undercover eine Gruppe Surfer infiltriert, die unter dem Verdacht stehen, einige groß angelegte Bankraube durchgeführt zu haben, und am Ende nicht mehr weiß auf welcher Seite er stehen soll, in abgewandelter Form mittlerweile schon zigfach zu sehen war („The Fast and the Furious“ war quasi schon eine Art Remake in anderem Milieu). Auch die atemberaubenden und real gefilmten Stunts in Bigelows Film können sich immer noch richtig sehen lassen und die Bromance-artige Chemie zwischen Reeves und Swayze gab dem Film echte Wirkung und Magie auch neben den perfekt orchestrierten Action-Szenen. Warum also ein Remake des Klassikers, wenn die Vorlage so ikonisch ist und immer noch funktioniert? Die Frage können Regisseur und Kameramann Ericson Core („Invincible“) und Autor Kurt Wimmer nur bedingt beantworten, doch der Film ist durchaus sehr bemüht, eine eigene Identität zu finden. Geblieben ist eigentlich nur die grobe Prämisse und die Namen der Hauptfiguren, ansonsten gelingt es hier überraschend gut, einen eigenständigen Film zu schaffen, der genauso gut einfach einen anderen Titel tragen könnte. Das wäre vielleicht ein Vorteil, denn dann könnte man ohne die Abneigung der Fans leben, die hier einen tatsächlich atemberaubend spektakulären Actionknaller bewundern könnten, ohne ständig Vergleiche zum Original anstellen zu müssen.

Cores „Point Break“ wartet mit einigen der wahnwitzigsten Action- und Stuntmomenten auf, die das Kino jemals geboten hat. Hier wird eine große Bandbreite an irrsinnigen Extremsportarten aufgefahren, die an das Limit des menschlich Machbaren gehen und dankbarerweise real und meist ohne spürbare CGI-Hilfe durchgeführt wurden. Core inszeniert die Action mit gigantischer Wucht, fühlbarer Realität und Gespür für echte Gefahr. Auf unnötige Wackelkamera wird verzichtet, Core dreht seine Actionsequenzen mit großer Ruhe, Klarheit und Übersicht, lässt das Spektakel in all seiner Größe und Anmut wirken. Visuell ist der Film extrem abwechslungsreich geraten und setzt sich deutlich von Bigelows Film ab, denn hier geht es nicht nur primär um Surfen (und Skydiving). Der Film beginnt mit einer adrenalinpumpenden, herzschlagerhöhenden und todesmutigen Motocross-Sequenz (inklusive „Cliffhanger“-Moment), die schon früh deutlich macht, dass hier ein ganz anderer Film gezeigt wird als das Original. Point Break SzenenbildIm weiteren Verlauf gibt es eine nie dagewesene Sequenz, bei der vier Männer mit Wingsuits wie Kampfjets durch die Alpen zischen, es folgen unfassbare Snowboardabfahrten auf potentiell tödlichem und extrem steilem Terrain, wo jederzeit ein tausende Meter tiefer Abgrund droht. Natürlich wird auch mehrfach gesurft, doch nicht in Küstennähe, sondern mitten auf dem pazifischen Ozean, wo die wahnwitzigen Surfer durch die Tunnel gigantischer, schmetternder und respekteinflößender Riesenwellen reiten. Der Film endet auf der extrem steilen und mit fast 1.000 m höchste Wasserfall der Welt, wo es zu einer völlig ungesicherten Free-Climbing-Sequenz kommt. Cores „Point Break“ ist pures Überwältigungskino voller grandioser Schauwerte, gedreht wurde mit einer gigantischen Crew auf der ganzen Welt verteilt, nämlich in Deutschland, Österreich, Italien, der Schweiz, Frankreich, Mexiko, Venezuela, Französisch-Polynesien und Indien. Für die irren Stunts wurde zudem eine illustre Garde an Extremsportlern eingesetzt. In Sachen Action brilliert der Film, sorgt für echtes Staunen und weit aufgerissene Augen, ständig muss man sich fragen: Wie wurde das nur gemacht? So real fühlt sich der Film an. Die Zweifler und Nörgler können sich somit beruhigen, denn „Point Break“ ist guter, aufrichtiger, altmodischer und in seinen besten Momenten elektrisierender Action-Spaß, der auf CGI fast vollständig verzichtet.

Für Keanu Reeves Rolle des jungen FBI-Agenten Johnny Utah wurde der australische Newcomer Luke Bracey („The Best of Me“) besetzt, der aussieht wie ein Heath Ledger-Klon, der mit Chris Hemsworth gekreuzt wurde, das Charisma der beiden Genannten aber nur stellenweise erreicht. Diesmal ist Utah kein Extremsport-Greenhorn, sondern war vor seiner Karriere bereits eine gewisse Größe in dem Milieu. Der mysteriöse Anführer der Extremsportler-Truppe Bodhi wird hier von Édgar Ramirez („Carlos“, „Erlöse uns von dem Bösen“) verkörpert. Anders als in Bigelows Streifen handelt es sich diesmal nicht um reine Bankräuber, sondern um moderne Robin Hoods, die ausgefallene Verbrechen begehen, um scheinbar die weltweiten Finanzmärkte aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dafür schmuggeln sie sich u.a. in einen Flieger, der mit zwei großen Ladungen US-Zahlungsmitteln beladen ist, um diese im Flug abzuwerfen und in einem irrsinnigen Skydiving-Manöver über armen mexikanischen Dörfern rieseln zu lassen. Utah ist noch völlig unerfahren, wegen seinem Background kann er aber seinen Chef (Delroy Lindo) mit einer gewagten und potentiell absurden Theorie überzeugen, dass es sich bei den Gangstern um Extremsportler handelt, die die sogenannte „Ozaki Acht“ bestehen wollen. Dabei handelt es sich um acht potentiell tödliche Prüfungen, bei denen die Natur gewürdigt werden sollen. Entgegen aller Zweifel wird Utah auf Undercover-Mission geschickt und findet die Crew wie die Nadel im Heuhaufen mitten auf dem Pazifik, wo sie gerade eine der acht Prüfungen auf einer mythischen und seltenen Riesenwelle absolvieren. Point Break SzenenbildUtah wirft sich ohne zu zögern ins Getümmel, muss dort aber von Bodhi vorm Ertrinken gerettet werden. Der junge FBI-Mann versucht sich Bodhis Truppe anzuschließen und ihr Vertrauen zu erarbeiten, muss dafür jedoch erst lernen „Respekt“ vor der Natur zu haben und sich ihr nicht ohne jede Angst zu stellen. Bodhis Truppe betreibt in gewisser Weise Öko-Terrorismus, für sie geht es darum, im absoluten Einklang mit der Natur zu leben, eins mit ihr zu werden, seine eigenen Limits auszutesten, auch wenn man bei dem Versuch stirbt. Wie nicht anders zu erwarten ist Utah magisch von dieser Lebensweise angezogen und bewegt sich auf Augenhöhe mit Bodhis Truppe. Zwischendurch verliebt er sich in Samsara (eine unterforderte Teresa Palmer), die Frau in der Crew, die aber seltsam wenig zu tun hat. Utahs Betreuer Angelo Pappas (Ray Winstone, im Original der wunderbar übergeschnappte Gary Busey) spricht irgendwann auch die obligatorische Warnung aus: „It's time to choose which side you are on!“. Neben ständigem Erproben dieser Limits über Extremsportarten, bei denen sie das Leben maximal auszukosten versuchen, führen sie eben auch Verbrechen aus, wegen denen Utah zunehmend seine Pflichten als FBI-Mann wieder ernster nehmen muss.

Ganz klar, „Point Break“ ist hochklassig, wenn er seine phänomenalen Actionsequenzen präsentieren kann, was sehr häufig vorkommt. Dazwischen badet der Film natürlich in Klischees, der Plot ist eigentlich völlig absurd und steckt voller fast schon obligatorischer, kratergroßer Logiklöcher. Bracey macht eine durchaus ansehnliche Figur und ist nicht ohne Ausstrahlung, Ramirez macht seine Sache ebenfalls recht gut, kommt aber an Swayzes ikonische philosophisch angehauchte guruartige Figur nicht ran. Auch die Chemie zwischen den Beiden Seelenverwandten/Kontrahenten erreicht nicht die gleichen Höhen wie bei Reeves und Swayze, trägt den Film aber dennoch ausreichend. Die pseudophilosophische Agenda der Truppe hin zur Erleuchtung ist weniger durchschaubar und logisch präsentiert wie im Original, wo Bodhis Leute als eine Art Anti-Establishement-Geste Banken ausraubten, um ihren wilden Lifestyle zu finanzieren. Auch sind die bärtigen, brütenden und ironiefreien Männer in Bodhis Crew (darunter auch der Deutsche Clemens Schick) optisch und charakterlich nur recht schwer auseinanderzuhalten. Cores „Point Break“ nimmt sich insgesamt vielleicht etwas zu ernst, doch diese offen vorgetragene Pro-Natur-Agenda wirkt schon wieder so aufrichtig und pathetisch, dass es teilweise fast schon seltsam bewegt. An großem Drama und Konflikten ist der Film natürlich nicht interessiert. Point Break SzenenbildDer ein oder andere unfreiwillige Schmunzler ist selbstverständlich auch nicht zu vermeiden, was aber auch Teil des Spaßes ausmacht. Winks zum Original werden fast vermieden, doch Wimmer und Core fühlen sich leider verpflichtet, den legendären Moment nachzustellen (der in „Hot Fuzz“ wunderbar persifliert wurde), in dem Keanu Reeves nach einer Verfolgungsjagd mit Brodhi als Zeichen seines inneren Zwiespalts seine Waffe in die Luft reißt und schreiend mehrfach abfeuert. Auch der grandios von Reeves vorgetragene Satz „I am an F-B-I- AGENT!“ wird hier gewissermaßen auf ironische Art in anderer Situation aufgegriffen, als Brody zu Beginn seiner Mission sich selbst angesichts der Verführung von Samsara versucht bewusst zu werden und sich einredet „You are an FBI agent“. Abgesehen davon ist „Point Break“ 2015 weitestgehend sein eigenes Ding, das vor allem eins sein will: Ein Stück puren, viszeralen Action-Kinos unglaublicher Schauwerte, das rein auf emotionaler und ganz sicher nicht intellektueller Ebene funktionieren will. Für alle Adrenalin-Junkies und Action-Fans wird hier etwas ganz Großes geboten, das man unbedingt auf der größtmöglichen Leinwand mit dem bestmöglichen Sound (und gerne auch in der sehr gut umgesetzten 3D-Konversion) genießen sollte.


Fazit:
„Gefährliche Brandung“ Fans können aufatmen: Das Remake verfügt über eine eigene Identität und begeistert durch nie dagewesene und unfassbare, real durchgeführte Stunts und perfekt und mit gigantischer Wucht inszenierte, sehr abwechslungsreiche Actionsequenzen, die für phänomenale Schauwerte sorgen. „Point Break“ spielt in einer überhöhten Realität, sorgt für weit aufgerissene Augen, auch wenn der Plot erwartungsgemäß nicht allzu viel Neues bietet. Dennoch: Das ist herrlich altmodisches und eskapistisches Actionkino für Fans, die sich hier an einem großartigen Spektakel ergötzen dürfen.
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Bilder © Concorde Filmverleih GmbH