Pioneer

Pioneer (2013), Norwegen / Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Farbfilm

Pioneer Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

PIONEER erzählt nach wahren Begebenheiten die Geschichte von Petter (AKSEL HENNIE), einem leidenschaftlichen Taucher, der in den frühen 80er Jahren für die norwegische Regierung arbeitet. Gerade sind auf dem Meeresgrund vor Norwegen riesige Öl- und Gasvorkommen entdeckt worden. Dem Land steht möglicherweise immenser Reichtum bevor. Aber nur, wenn man es schafft, die Bodenschätze abzubauen. Damit Menschen überhaupt in so einer extremen Tiefe überleben können, ist ein neuartiges Gasgemisch notwendig.
Petter und sein Bruder Knut (ANDRÉ ERIKSEN) sind Teil eines kleinen Teams, das dieses neue Gasgemisch testen soll. Doch bei einem Tauch-Test stirbt Knut unter mysteriösen Umständen.
Die offizielle Version zu seinem Tod lautet Unfall, doch Petter kann das nicht glauben. Also beginnt er Fragen, zu stellen und stößt dabei schnell auf zahlreiche Ungereimtheiten. Er begreift noch nicht die wahren Ausmaße der Verstrickungen und erst langsam versteht Petter, dass eben nicht die Tiefen des Meeres die eigentliche Gefahr sind und sein eigenes Leben gerade auf dem Spiel steht ...


Aksel Hennie, Wes Bentley und Stephanie Sigman | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Pioneer

Blu-ray
Pioneer Pioneer
Blu-ray Start:
20.03.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 111 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Pioneer Pioneer
DVD Start:
20.03.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 107 min.

Filmkritik Pioneer

Filmwertung: | 4/10


Das Thema ist interessant. Die Besetzung ist erstklassig. Und dennoch ist Pioneer ein schlechter Film. Das neuste Werk von Erik Skjoldbjaerg (Insomnia) beruht auf wahren Begebenheiten. 1975 sind in der Nordsee gewaltige Öl- und Gasvorkommen entdeckt worden. Diese befinden sich aber in einer Tiefe, in die man damals noch nicht vorgedrungen war. Deshalb war der Bau einer Pipeline äußerst schwierig. Die norwegische Regierung finanziert mit Hilfe der Amerikaner eine Reihe von Forschungs- und Testtauchgängen. Petter (Aksel Hennie) und sein Bruder Knut (André Eriksen) werden den Tests mit einem Gasgemisch bei einer simulierten Tiefe von 500 Metern ausgesetzt. Sie bekommen Halluzinationen, Petter ist stark benommen. Einige Zeit später nehmen die beiden sowie Mike (Wes Bentley) und Trond (Endre Hellestveit) den Tauchgang in der Nordsee in Angriff. Dabei kommt es zu einem schlimmen Zwischenfall, bei dem Knut ums Leben kommt. Petter ist entsetzt. Er will den Fall geklärt haben, denn er glaubt nicht an einen Unfall. Bald merkt er, wie viel hinter seiner Vermutung wirklich steckt.

So spannend wie es sich auf dem Papier anhört, ist der Film leider bei weitem nicht. Das liegt schon daran, dass keine Atmosphäre aufkommt und der Zuschauer nicht in den Film reingezogen wird. Das liegt zum einen an der Musikuntermalung, die bereits zu Beginn übertrieben spannungsgeladen ist, obwohl nur lahme Archivaufnahmen gezeigt werden. Zum anderen an der grottenschlechten Kameraführung. So herrlich weite Bilder wie es das Kinoplakat vermittelt, gibt es im gesamten Film dreimal. Ansonsten ist die Kameraführung entsetzlich unruhig, wackelnd und ruckelnd. Als wäre das noch nicht genug, zoomt Kameramann Jallo Faber in den Nahaufnahmen auch noch viel zu sehr in die Gesichter rein. Es gibt fast keine Sequenz, in der die Einstellungen passend sind. Wie die Verantwortlichen dies übersehen konnten, ist unverständlich. Denn so ist diese Kategorie eine Zumutung und stellenweise unerträglich. Dadurch wirken auch die an sich gut ausgewählten Locations eine Klasse schlechter.

Als wäre das noch nicht genug, ist auch die Geschichte schlecht umgesetzt. Wie wenig Skjoldbjaerg aus dem Thema macht, ist nicht zu verstehen. Denn viel bessere Zutaten für einen guten Thriller kann es gar nicht geben. Eine wahre, noch immer aktuelle und brisante Geschichte, eine Verschwörung großen Ausmaßes und großen Folgen für Norwegen, das durch die Erschließung der Vorkommen das reichste Land der Welt wurde.
Die schwache Umsetzung der Story beginnt schon damit, dass die Zeitsprünge in der Geschichte nicht erklärt werden. Der Zuschauer muss selbst darauf kommen, wie viel Zeit zwischen den einzelnen Szenen liegt, was den Film weiter ausbremst. Des Weiteren konzentriert sich Skjoldbjaerg ausschließlich auf Hauptcharakter Petter. Alle anderen Charaktere – und das sind viele - haben Nebenrollen mit wenig Spielzeit. Diese sind auch noch schlecht geschrieben. So sind die Charaktere in ihren Handlungen oft nicht nachvollziehbar. Es entwickelt sich ein Film mit vielen Merkwürdigkeiten und Dingen, die für den Zuschauer unerschlossen bleiben. Viele Wendungen wirken nicht glaubhaft. Dadurch packt Pioneer nicht, reißt nicht mit, fesselt nicht und ist nicht spannend. Die Zeit vergeht nur schleppend, der Film ist zäh.
Immerhin kann Aksel Hennie (Headhunters) als Petter überzeugen. Dafür bleiben die anderen Schauspieler blass. Selbst Hollywood-Stars wie Wes Bentley (Die Tribute von Panem – The Hunger Games, Die vier Federn, American Beauty) und Stephen Lang (Avatar – Aufbruch nach Pandora, Gods and Generals, Public Enemies) können aus ihren Rollen wenig herausholen, obwohl beide eine solide Leistung zeigen. Der norwegische Cast hat wenige Glanzlichter zu bieten.

Dieser Film ist trotz des interessanten Ansatzes nicht zu empfehlen. 1997 fand Skjoldbjaerg mit Insomnia noch weltweit große Beachtung. Das Remake von Christopher Nolan (Memento, Inception, Batman) wurde mit dem vor kurzem gestorbenen Robin Williams, Al Pacino und Hilary Swank in den Hauptrollen verfilmt und gilt schon jetzt als zeitloser Klassiker.

Aktuell verhandelt George Clooney über ein Remake von Pioneer. Einen Vorteil hat er dabei: es kann eigentlich nur besser werden, als das Original.
by Stefan Bröhl

Bilder © Farbfilm