Phoenix

Phoenix (2014), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Piffl Medien

Phoenix Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Juni 1945. Schwer verletzt, mit zerstörtem Gesicht wird die Auschwitz-Überlebende Nelly (Nina Hoss) von Lene (Nina Kunzendorf), Mitarbeiterin der Jewish Agency und Freundin aus lange vergangenen Vorkriegstagen, in die alte Heimat Berlin gebracht.
Kaum von der Gesichtsoperation genesen, macht sich Nelly, allen Warnungen Lenes zum Trotz, auf die Suche nach Johnny (Ronald Zehrfeld), ihrer großen Liebe, ihrem Mann. Doch Johnny ist fest davon überzeugt, dass seine Frau tot ist. Als Nelly ihn endlich aufspürt, erkennt er nicht mehr als eine beunruhigende Ähnlichkeit. Johnny macht ihr den Vorschlag, seine totgeglaubte Frau zu spielen, um sich das Erbe zu sichern, das die im Holocaust ermordete Familie Ihr hinterlassen hat. Nelly lässt sich darauf ein. Sie wird ihre eigene Doppelgängerin. Sie möchte wissen, ob Johnny sie geliebt hat. Ob er sie verraten hat. Nelly will ihr Leben zurück.


Nina Hoss, Ronald Zehrfeld und Nina Kunzendorf | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Phoenix

Blu-ray
Phoenix Phoenix
Blu-ray Start:
27.03.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 98 min.
DVD
Phoenix (Special Edition Digipak) Phoenix (Special Edition Digipak)
DVD Start:
27.03.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 94 min.

Filmkritik Phoenix

Filmwertung: | 5/10


Das neuste Werk von Christian Petzold (Barbara) ist nur bedingt ein gelungener Film. Das Thema und die Idee sind brisant und interessant. Die Umsetzung ist allerdings misslungen.
Im Juni 1945 kehrt Nelly Lenz (Nina Hoss) schwer gezeichnet und mit völlig zerstörtem Gesicht als Überlebende aus dem Konzentrationslager in Auschwitz nach Berlin zurück. Lene Winter (Nina Kunzendorf), eine gute Freundin aus der Zeit vor dem Krieg und heute eine Mitarbeiterin der Jewish Agency, kümmert sich um Nelly, die ein körperliches und seelisches Wrack ist. Nach einer Gesichtstransplantation hat Nelly nur einen Gedanken: ihren Mann Johnny (Ronald Zehrfeld) wiederzufinden. Dieser hält Nelly allerdings für tot und soll sie laut Lene verraten haben. Als Nelly ihn findet, erkennt er sie nicht wieder. Doch so schnell gibt Nelly nicht auf.

Petzolds letzter Film Barbara wurde mit Preise geradezu überhäuft. Dabei behandelte der Film zwar ein starkes Thema, setzte dieses aber schlecht um und war stellenweise erschreckend langweilig. Der Film war völlig überbewertet. Auch Phoenix ist gelinde gesagt eine Enttäuschung. Wieder ist das Thema gut gewählt, wieder ist es schlecht umgesetzt. Denn der Film ist vor allem eines: unglaubwürdig. Denn dass Johnny seine Frau, die er gerade mal im Zeitraum vom 6.Oktober 1944 bis zum Juni 1945 nicht sah, nicht wiedererkennt, ist schon beim ersten Mal weit hergeholt. Nachdem Nelly anfangs noch die Zeichen der Transplantation mit sich herumträgt, aber dennoch klar zu erkennen ist, sieht sie im Verlauf des Filmes beinahe genauso aus, wie vor dem Krieg. Doch auch da erkennt Johnny sie nicht. Da aber der Kernpunkt der Geschichte ist, dass Johnny seine Frau nicht wiedererkennt bzw. erkennen will, ist die gesamte Storyline nicht nachzuvollziehen. Das mag an den unzureichenden Masken und dem schwachen Make-up liegen. Vielleicht ist es aber auch gewollt, dass Nelly untrüglich als sie selbst zu erkennen ist. Wäre das der Fall, hätte Petzold sich den Film auch schenken können.
Auch die ruckelnde Kameraführung kann nur selten mit guten Bildern überzeugen.
Immerhin ist die Landschaftsauswahl gelungen. Der Zuschauer fühlt sich direkt in die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zurückversetzt. Hierdurch und dank der starken, gefühlvollen und stimmigen Musikuntermalung kann Phoenix viel Atmosphäre generieren.
Des Weiteren können die Schauspieler um Nina Hoss, Ronald Zehrfeld und Nina Kunzendorf allesamt überzeugen. Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass Hoss von Beginn an als sie selbst zu erkennen ist, was der Rolle der Nelly nicht gut zu Gesicht steht.
Der Schnitt hingegen überzeugt nicht. Denn durch die erwähnte Unglaubwürdigkeit der Geschichte entstehen Längen. Der Film wirkt nicht 98 Minuten, sondern zweieinhalb Stunden lang, obwohl es auch gute Szenen gibt. Etwa, wenn Nelly durch das zerstörte Berlin in den Nachtklub Phoenix geht und dort einem Johnny folgt, der sich aber nicht als ihrer, sondern als anderer herausstellt und sie ausraubt. Auch die Szenen von Nelly und Lene sind interessant.

Insgesamt gesehen lässt Phoenix den Zuschauer aber enttäuscht zurück. Man fragt sich, warum so ein Film gedreht wurde. Klar kann man es so interpretieren, dass Johnny sich nicht eingestehen wollte, dass Nelly noch lebt und die Augen vor der Wahrheit verschloss. Aber wenn er Nelly genau betrachtet und sie immer noch nicht erkennt, ihr stattdessen sagt, wie sie sich verhalten soll, damit sie mehr wie Nelly, ist das einfach nicht überzeugend.
by Stefan Bröhl

Bilder © Piffl Medien