Personal Shopper

Personal Shopper (2016), Frankreich
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Weltecho

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Personal Shopper Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Die Amerikanerin Maureen arbeitet in Paris als persönliche Einkäuferin für Stars und Sternchen. Doch eigentlich begreift sie sich als Medium, das mit Toten in Kontakt treten kann. Seit Wochen wartet sie auf ein Zeichen ihres verstorbenen Zwillingsbruders Lewis. Plötzlich bekommt sie geheimnisvolle SMS von einer unbekannten Nummer. Ist es ihr Bruder, der aus dem Jenseits Kontakt zu ihr aufnimmt? Oder nur der sehr lebendige Geliebte ihrer Chefin, der es auf sie abgesehen hat?

Kristen Stewart, Lars Eidinger und Sigrid Bouaziz | mehr Cast & Crew


Personal Shopper - Trailer




DVD und Blu-ray | Personal Shopper

Blu-ray
Personal Shopper Personal Shopper
Blu-ray Start:
23.06.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 105 min.
DVD
Personal Shopper Personal Shopper
DVD Start:
23.06.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 100 min.

Filmkritik Personal Shopper

Filmwertung: | 5/10


Es mag nicht unbedingt abwertend klingen, den französischen Regisseur Olivier Assayas (*1955) als einen Filmschaffenden der B-Klasse zu klassifizieren. Eine große eigenständige stilistische Autorenschaft ist ihm jedenfalls nicht zuzuschreiben, auch wenn er mancherorts durchaus als genuiner auteur gehandelt wird. Personal Shopper SzenenbildDafür zeichnen sich seine Filme indes als zu eklektisch und ohne typischen kinematografischen Wiedererkennungswert, ja man ist versucht zu sagen, auch ohne allzu große Originalität aus. Nichtsdestotrotz ist Assayas ein regelrechtes Cannes-Enfant: Auf den 69. Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2016 wartete er bereits zum fünften Mal mit einem Werk in der Offiziellen Selektion auf und wurde nun zum ersten Mal ausgezeichnet – mit dem Preis für die beste Regie, allerdings ex aequo mit Cristian Mungiu für dessen Film Bacalaureat (2016). Personal Shopper heißt sein neuestes Opus mit Superstar Kristen Stewart und nur zwei Jahre haben die beiden sich seit ihrem gemeinsamen Vorgängerwerk Die Wolken von Sils Maria (2014) Zeit dafür genommen. Ein Drehturnus, der für Assayas typisch ist, den man beinahe all seinen Filmen, wie auch dem aktuellen, aber leider durchaus anmerkt.

Bereits die Handlung von Personal Shopper liest sich mehr als Situationsschilderung denn als eine richtige Geschichte. Maureen (Kristen Stewart) hat gerade ihren nur mittezwanzigjährigen Bruder Lewis an einem Herzinfarkt verloren und befindet sich noch in einer tiefen Trauerphase. Für die Modedesignerin Kyra (Nora von Waldstätten) tingelt sie als sog. Personal Shopper rastlos durch die Welt, um jeweils vor Ort die neuesten und exquisitesten Textilien zu ergattern. Gleichzeitig ist Maureen Medium und kann Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen. Auf einer ihrer Dienstreisen lernt sie den mysteriösen Ingo (Lars Eidinger) kennen, kurz bevor sie über den längsten Zeitraum des Films hinweg per SMS gestalkt wird. Ist dies ihr verstorbener Bruder Lewis, der sie heimsucht oder ebenjene neue Bekanntschaft, die ihr auflauert und nach dem Leben trachtet?

Personal Shopper Szenenbild Die Grundidee von Personal Shopper ist durchaus beachtenswert und der Film mag auch gut gemeint sein. So bildet er im Zentrum eine Charakterstudie einer jungen Frau ab, die heimatlich entwurzelt ständig auf Reisen ist und die, obwohl sie gar paranormale kommunikative Fähigkeiten besitzt, die meiste Zeit sich nur fernmündlich und distanziert und ohne dabei den Menschen um sich herum wirklich unter die Haut zu kommen, verständigen kann. Dabei verhandelt Assayas ähnlich versiert wie sein Kollege und Landsmann François Ozon das Thema Kommunikation adäquat intermedial und -textuell, indem im Medium Film wiederum die Medien Film, Video, Malerei, Mode, Kunst und Musik verarbeitet werden. Doch ist dies auch schon einmal origineller und komprimierter geschafft worden. Insgesamt inszeniert der Regisseur durchaus konsequent subtil, indem er auf größere Schockmomente verzichtet und eher elliptisch und mit Anspielungen arbeitet. Negativ ins Gewicht fällt dabei allerdings die aufgezwungen und inkohärent wirkende einzige Animation einer Geistererscheinung zu Beginn des Films, um den Zuschauer sozusagen paternalistisch an die Hand zu nehmen und ihn auf den Grundton des Werks einzustimmen. Ein deutliches Zeichen und symptomatisch für die Stilunsicherheit des Regisseurs grosso modo.

Zugutezuhalten ist Assayas allerdings, dass er nicht allzu viel mehr schöpfen kann, als ihm an filmischen Ressourcen zur Verfügung gestellt wird. So stellen sich namentlich Drehbuch mitsamt und insbesondere der Dialoge – was allerdings wiederum aus der Feder des Regisseurs selbst stammt – und Cast als die großen Schwachstellen des Films heraus. Die Geschichte, wenn von einer solchen denn die Rede sein kann, ergeht sich in einem permanent explikativen Ton, ohne sich aus sich selbst heraus zu entwickeln. Jeder neue Handlungsschritt der Story und jede Motivation der Figuren wird von diesen zunächst angepriesen und narrativ eingebettet. Als Zuschauer fühlt man sich dabei schnell nicht mehr sehr ernst genommen. Wie ein einziger Voice-over-Kommentar schweben die Dialoge der Figuren über dem Film.

Personal Shopper Szenenbild Jene selbst werden von nur sehr mäßig talentierten Schauspielern verkörpert. Restlos alle Nebendarsteller bieten eine nur sehr schwache und nichtssagende Leistung. Dies gilt vor allem auch für den deutschen Part Lars Eidinger, dessen kurzer Auftritt im Film dramaturgisch besonders deplatziert und leistungstechnisch beinahe wie eine Karikatur seiner selbst wirkt. Entgegen den Aussagegehalten so vieler Kritiken weltweit überzeugt auch Kristen Stewart in ihrer Rolle nicht. Als einzig anzuführendes Exempel sei ihr von wahrhaftiger Peinlichkeit gezeichnetes, vor allem auch mimisches Spiel während des Verhörs auf der Polizeiwache genannt. Man kann erahnen, dass sie nicht gerade aufgrund exorbitanter schauspielerischer Leistungen zu dem Weltruhm gelangte, der sie nun umgibt.

Was möchte Personal Shopper am Ende denn nun eigentlich sein? Trotz aller inhaltlichen und thematischen Ambition um die Themen familiärer Verlust, Geisterbeschwörung, moderne Kommunikation oder Materialismus ist der Film genrespezifisch als Thriller einzuordnen. Auch als solcher überzeugt er aber aufgrund der genannten Schwächen leider kaum bis gar nicht. Als der zentrale Spannungsmoment mag die Stalking-Hetzjagd von Frankreich nach England ausgestaltet sein, der Maureen im Laufe der Handlung ausgesetzt wird, als sie eine ihrer Dienstreisen unternimmt. Dieser ist aber mehr als nur ein Moment, denn über zwanzig Minuten lang darf der Zuschauer hier immer wieder auf das Display ihres Mobiltelefons starren und ach so bedrohliche SMS mitlesen, welche die reale und paranormale Ebene des Films zu vermischen versuchen. Kein Zuschauer mag jedoch ernsthaft daran glauben, dass hier Maureens verstorbener Bruder Lewis Kontakt zu ihr aufnehmen möchte. Personal Shopper SzenenbildNicht zuletzt aufgrund der monströsen Überlänge dieses dramaturgischen Stilmittels scheitert der angestrebte Versuch somit und wirkt ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch enervierend. Eine Ironisierung, wie sie Wes Craven in seinem Horrorklassiker Scream (1996) glänzend pointiert hat und woran dieses Intermezzo im Übrigen auch sehr stark erinnert, ist als möglicher Rettungsversuch des deutlichen Versagens des Films an dieser Stelle von diesem weder gewollt noch sonst konstruierbar. Weitere Versuche, paranormal-gruselige Effekte herzustellen – zu denken wäre nur an das Zerscheppern von Glas – scheitern ebenso an ihrer mangelnden Originalität.


Fazit:
Personal Shopper verbleibt somit ein Film, der mangels Einfallsreichtums und wirklicher Spannung, aufgrund der zu spröden und explikativen Dialoge und der akzeptablen bis schlechten schauspielerischen Leistungen nicht mehr als solides, wenn auch streckenweise gekonntes Regiehandwerk darstellt. Zum Zwecke mäßiger Unterhaltung annehmbar.
by

Bilder © Weltecho