Passengers

Passengers (2016), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Science-Fiction / Abenteuer
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Inhalt

Während einer Routinereise durch das All zu einem neuen Heimatplaneten, erwachen zwei Passagiere aufgrund einer Fehlfunktion ihres Raumschiffs 90 Jahre zu früh aus dem Kälteschlaf, in den sie versetzt worden sind. Jim (CHRIS PRATT) und Aurora (JENNIFER LAWRENCE) steht nun bevor, ihr gesamtes restliches Leben an Bord dieses Raumschiffs verbringen zu müssen. Umgeben von jedem nur denkbaren Luxus, fühlen sie sich stark zueinander hingezogen und verlieben sich ineinander. Doch plötzlich entdecken sie, dass sich ihr Raumschiff in großer Gefahr befindet. Das Leben von 5000 schlafenden Passagieren steht auf dem Spiel -- und nur Jim und Aurora können sie retten.

Jennifer Lawrence, Chris Pratt und Michael Sheen | mehr Cast & Crew


Passengers - Trailer





Filmkritik Passengers

Filmwertung: | 7/10


In den letzten Jahren wurde das Kino-Publikum regelmäßig zur kalten Jahreszeit mit hervorragenden aufwändig produzierten Science-Fiction- bzw. Weltraumfilmen beglückt, die auch im Oscar-Rennen entscheidende Rollen gespielt haben. Passengers SzenenbildDieses Jahr war es nicht anders, denn Denis Villeneuves meisterhafter „Arrival“ hat sich seinen Platz unter den besten Filmen des Jahres gesichert. Nun erscheint in Form von „Passengers“ ein weiterer vor und hinter der Kamera hochkarätig besetzter und erwartungsreicher Genre-Vertreter, der gerne noch ein Wörtchen bei der Vergabe der begehrten Statuen mitreden würde. Doch das wird sicher höchstens in technischen Kategorien passieren, denn der Film des Oscar-nominierten Norwegers Morten Tyldum („Headhunters“, „The Imitation Game“) erweist sich nur in seinen ersten zwei Dritteln als guter und oftmals sehr interessanter Film, der interessante Fragen aufwirft, um sich dann leider in seinem letzten Akt auf fast schon verblüffend banale Weise selbst torpediert.

„Passengers“ bietet eine spannende Prämisse, die sehr viel Raum für verschiedenste Möglichkeiten und spannende Was-wäre-wenn-Szenarien lässt, die der Film aber zu großen Teilen schmerzhaft ungenutzt lässt. Hier die Ausgangslage des Films in kurzer Zusammenfassung: In einer zeitlich nicht definierten Zukunft befindet sich das gigantische Raumschiff Avalon auf einer 120-jährigen Reise von der Erde zum erdähnlichen Planeten Homestead II. An Bord befinden sich 5000 Passagiere und hunderte Crewmitglieder, die den unerforschten Planeten kolonisieren sollen. Einer der sich im Hyperschlaf befindlichen Gäste der jahrzehntelangen Odyssee ist Ingenieur Jim Preston (Chris Pratt), der durch eine völlig unvorhergesehene und eigentlich für unmöglich gehaltene Fehlfunktion 90 Jahre zu früh geweckt wird. Langsam realisiert Preston, dass er ein gewaltiges Problem hat, denn er ist der einzige bereits erwachte Passagier an Bord. Sich wieder selbst in den Hyperschlaf zu begeben ist ohne autorisiertes Personal unmöglich, ebenso die Kommunikation zur Erde aufzubauen. Dennoch lässt Jim keine Möglichkeit ungenutzt, sein Schicksal zu wenden – leider erfolglos.

Passengers Szenenbild (Es folgen Spoiler) Preston führt eine Robinson Crusoe-ähnliche Existenz (inklusive Zottelbart) an Bord des ausladenden Schiffs und bis auf gelegentliche Basketball-Matches gegen sich selbst, diversen Restaurant-Besuchen, Weltraumspaziergängen und langen Gesprächen an der Bordbar mit dem Androiden Arthur (Michael Sheen) findet sich keine bedeutungsvolle Beschäftigung (Im Grunde könnte sich hier so etwas wie „Kevin – Allein im Raumschiff“ abspielen). Als Preston nach über einem Jahr angesichts seiner sinnlosen Existenz kurz vor dem Selbstmord steht, entdeckt er mit Aurora Lane (Jennifer Lawrence) eine Passagierin im Hyperschlafpod, die es ihm schwer antut. In ihren persönlichen Akten erfährt Jim, dass Aurora eine Autorin und Journalistin ist. Er verschlingt ihre Bücher und fühlt eine plötzliche Seelenverwandtschaft, was ihn schließlich vor ein gewaltiges ethisches Dilemma stellt: Soll er Aurora auch wecken, um damit seine Einsamkeit zu bekämpfen, wodurch er aber das Schicksal eines anderen Menschen selbst bestimmt?

Die Antwort auf diese Frage ist zumindest für den Zuschauer nicht schwer, denn natürlich weckt er die schöne junge Frau auf. Der moralische Konflikt, den der Film anbietet, ist spannend, die Entscheidung, die Jim trifft, macht aus ihm automatisch eine potentiell problematische und moralisch fragwürdige Figur, die aus Egoismus und verständlicher Verzweiflung und drohendem Wahnsinn etwas Unentschuldbares tut. Die dramatischen und philosophischen Möglichkeiten, die sich hier eröffnen, sind schier unbegrenzt, doch „Passengers“ wählt die naheliegende und wenig düstere Variante: Es kommt zur obligatorischen Romanze und zu leicht vorhersehbaren Konflikten.

Passengers Szenenbild Nochmal zurück zum Anfang: „Passengers“ ist unmittelbar ein überaus packender Film, da er die Realität, quasi alleine an Bord eines gigantischen Raumschiffes zu sein, sehr glaubwürdig verkauft. Das von Guy Hendrix Dias („Inception“, „Superman Returns“, „Steve Jobs“) entworfene Szenenbild ist wunderschön realisiert und von Rodrigo Prietos fließenden Kamerabewegungen und klarer Bildsprache großartig eingefangen. Erstklassig ergänzt wird diese sich sehr real anfühlende Umgebung von völlig glaubwürdigen und unsichtbaren visuellen Effekten, wodurch der erste Akt von „Passengers“ eine überaus immersive, nachfühlbare und fast schon meditative Erfahrung ist. Man ist quasi auf dem Schiff, spürt die Größe und seine Materialien, was in diesem Fall auch durch die gelungenen stereoskopischen Bilder begünstigt wird, die eine echte Bereicherung darstellen. Auch wenn die kühle und klare Gestaltung insgesamt immer auch eine Spur vertraut wirkt und die allgemeine Ästhetik wie jeder zweite Film, der auf einem Raumschiff spielt, deutlich von Kubricks „2001“ inspiriert scheint, funktioniert „Passengers“ auf visueller und filmischer Ebene über weite Strecken hervorragend. Doch auch hier bleiben Möglichkeiten eindeutig auf frustrierende Weise ungenutzt.

Aber auch nicht nur als stimmungs-, sondern auch als charakterbezogener Film hat „Passengers“ seine deutlichen Stärken. Chris Pratt trägt den Film im ersten Drittel erwartungsgemäß auf seinen überaus charismatischen Schultern. Er ist damit eine hervorragende Projektionsfläche für den Zuschauer, denn seine starke Präsenz ist nicht wie üblich spielerisch-komischer Natur, er schlägt hier auch verletzlichere und sehr glaubhafte Töne an. Passengers SzenenbildDarüber hinaus bietet der Film gerade in seinem ersten Drittel einige überraschend gelungene komische Momente. Mit Jennifer Lawrence erhält der Film dann ein ganz neues Element, was der effektiv aufgebauten Spannung noch eins draufsetzt: Durch die spürbare Chemie der beiden Darsteller ist „Passengers“ auch in seinem Mittelteil ein sehr lebendiger, faszinierender und intimer Film, der dann aber zunehmend auch seinem leider fürchterlich banalen Ende entgegensteuern muss. Hier spürt man plötzlich wie die durchschaubaren Plotmechanismen zu rattern beginnen und schließlich seine hervorragende Charakter- und Atmosphäre-Basis ebenso wie Sinn und Verstand leider auf einfallsloseste und uninspirierteste Art über Bord wirft.

In seinem letzten arg konstruierten Drittel ist „Passengers“ rein plotgesteuert und wirkt plötzlich fürchterlich mechanisch und fast schon aggressiv dümmlich und vereinfacht. Das ist besonders traurig, denn das Potential von Jon Spaihts („Prometheus“, „Doctor Strange“) Black List-Drehbuch war enorm, jedoch bleiben viele Möglichkeiten, die weit interessanter sind als die gebotenen Lösungen, auf schmerzhafte Weise ungenutzt. Immer mehr werden auch diverse Genre-Versatzstücke sowohl aus Science-Fiction- als auch Liebesfilmen transparent, man fühlt sich nicht nur an „2001“, „The Shining“ (die Bordbar inklusive Lloyd-ähnlichem Barkeeper), „Mission to Mars“, „Gravity“ oder „Sunshine“ erinnert, die Anspielungen an eine der (hier nicht benannten) ganz großen Kinoromanzen sind auch nicht von der Hand zu weisen. Spätestens am Ende wird deutlich, dass „Passengers“ ein letztlich sehr problembehafteter Film ist, dessen Logik bei näherer Betrachtung in vielen Bereichen völlig auseinander fällt. Passengers SzenenbildViele Fragen kommen im Laufe des Films auf, die man einfach nicht so recht schlüssig beantworten kann. Ganz ungeachtet davon steht natürlich auch eine moralisch und ethisch fragwürdige Prämisse im Raum, die vielen Zuschauern sicher bitter aufstoßen lässt, auch weil sie nur unbefriedigend und ohne echte Tiefe zu Ende gedacht ist. So bleibt letztlich ein im Kern guter Film mit enorm viel ungenutztem Potential, der einfach längst nicht fertig gedacht scheint und damit einen leider sehr bitteren Nachgeschmack hinterlässt.


Fazit:
„Passengers“ bietet eine spannende und potentiell kontroverse Prämisse, zwei starke Darsteller auf der Höhe ihres Schaffens, eine exzellente visuelle Umsetzung und eine greifbare Atmosphäre. Für zwei Drittel funktioniert der Film sehr gut und weiß den Zuschauer zu packen, dann torpediert der hemmungslos banale und konstruierte Schluss all die gute Arbeit, die zuvor ging. Hier wurde leider großes Potential verschwendet.
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Bilder © Sony Pictures