Onward: Keine halben Sachen

Onward (2020), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Anime / Abenteuer / Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Walt Disney

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Onward: Keine halben Sachen Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Die Brüder Ian und Barley Lightfood (im Original gesprochen von Tom Holland und Chris Pratt) leben mit ihrer Mutter ein gewöhnliches Teenager-Leben. Doch an Ians 16. Geburtstag führt sie ein Geschenk ihres verstorbenen Vaters auf eine außergewöhnliche Reise, auf der sie herausfinden wollen, ob es nicht doch noch ein wenig echte Magie gibt, die vielleicht sogar ein langersehntes Wiedersehen möglich macht… Und schon stürzen sich die beiden Brüder kopfüber in das turbulenteste Abenteuer ihres Lebens!



Onward: Keine halben Sachen - Trailer




Filmkritik Onward: Keine halben Sachen

Filmwertung: | 8/10


Zum 25-jährigen Jubiläum der 21 Filme umfassenden Pixar-Geschichte gesellt sich nun das spaßige wie warmherzige Fantasyabenteuer „Onward“. Neben dem im Sommer erscheinenden „Soul“ veröffentlicht die kalifornische Animationsschmiede nach zwei Fortsetzungen in Folge nun wieder willkommen originelles Material. Auch ohne den ausgebooteten Firmenvater John Lasseter präsentiert sich Pixar mit ihrem 22. Film in bester Form, die vielleicht nicht die monumentalen Höhen voriger Klassiker erreicht, aber dennoch ein tadellos und rund erzähltes Abenteuer bietet, das wie gewohnt Originalität, Witz, Action und Gefühl zu einem rundum befriedigenden Ganzen verbindet.

Wie schon so oft in Pixars Filmografie liegt auch „Onward“ eine nette wie originelle „Was wäre wenn“-Prämisse zugrunde: In diesem Fall wird von einer fantastischen Welt erzählt, die einst von Fabelwesen bevölkert und von Magie geprägt war. Doch mit der Zeit und unaufhaltsamer Evolution hat sich die mythische Welt abgeschafft und sich das Leben durch Erfindungen und technologischen Fortschritt vereinfacht. In der Gegenwart angekommen, offenbart sich so eine Art Hybridwelt, die unserer sehr ähnlich ist, aber von Mischwesen wie Minotauren, Zyklopen, Zentauren, Feen und fliegenden Einhörnern bevölkert ist. Die mythische Vergangenheit ist regelrecht vergessene Geschichte und man hat sich eine moderne, aber biedere und kommerzialisierte Zivilisation erschaffen.

Szene aus Onward: Keine halben Sachen
Szene aus Onward: Keine halben Sachen © Disney/Pixar
Hier steht nun der junge Ian Lightfoot im Mittelpunkt, der zu Beginn des Films seinen 16. Geburtstag feiert. Ians Vater Wilden ist bereits vor seiner Geburt verstorben, weshalb er alleine mit seiner Mutter Laurel und seinem älteren Bruder Barley zusammenlebt. Auch wenn er ihn nie kennengelernt hat, sehnt sich Ian nach seinem Vater und leidet unter mangelndem Selbstbewusstsein. Doch Wilden hat seinen beiden Söhnen ein Geschenk hinterlassen, dass jetzt mit Ians Erreichen des 16. Lebensjahres geöffnet werden darf: Ein Zauberstab inklusive Anleitung, der es ermöglichen soll, Wilden für einen Tag wieder lebendig zu machen. Doch der Zauber wird nicht vollständig ausgeübt, als der dafür elementare Phoenix-Stern zu Bruch geht und nur Wildens Beine fertiggestellt werden. Doch der im Gegensatz zu Ian magiebegeisterte Barley weiß, wo sich ein weiterer Phoenix-Stein befinden könnte, woraufhin sich die beiden Brüder und ihr halber Vater auf eine abenteuerliche Odyssee begeben…

„Onward“ erzählt mithilfe des Abenteuergenres letztlich eine Coming-of-Age- sowie eine letztlich überraschend ergreifende Brudergeschichte. So folgt der Film dem recht unbeholfenen und introvertierten Ian, wie er trotz vorgefertigter Selbstbewusstseins-Checkliste sich doch erfolglos durch das Schulleben navigiert und dabei immer wieder seinem Vater nachsehnt. Barley hingegen ist das pure nach außen getragene Selbstbewusstsein und eine laute Persönlichkeit in Rockerjeansweste, die Ian eher peinlich ist. Doch als sich offenbart, dass ausgerechnet Ian über magische Fähigkeiten verfügt, die Barley trotz aller Begeisterung eben nicht besitzt, scheinen sich die so ungleichen Brüder doch endlich gegenseitig zu ergänzen.

Szene aus Onward: Keine halben Sachen
Szene aus Onward: Keine halben Sachen © Disney/Pixar
Auf ihrer abenteuerlichen Odyssee findet dann ein ganz subtiler Reifeprozess bei Ian statt, der nicht nur durch die überraschende Mentorenbeziehung in Sachen Zaubersprüche und Fabelwelt seines Bruders begünstigt wird. So gelingt es Regisseur Dan Scanlon („Die Monster-Uni“) mit überraschender Leichtfüßigkeit eine überaus kurzweilige und hochgradig unterhaltsame Geschichte zu erzählen, die nahezu beiläufig seine großen Themen behandelt. Eingebettet ist die auch an Buddyfilm-Konventionen angelehnte Story in zahlreiche rasante Abenteuersequenzen, die tolle und tatsächlich atemberaubend choreografierte Action in bester „Indiana Jones“-Manier beinhaltet, sowie von Pixar gewohnt mit konstant eingestreuten hintersinnigen und geistreichen Details bestückt ist.

Hier ist besonders die erste Station auf Ian und Barleys Reise zu nennen: In einer nach außen hin verfallen und gruselig wirkenden Taverne findet zu aller Überraschung gerade ein Kindergeburtstag statt, während der Laden selbst ein glattgebügeltes und modernes Themen-Etablissement samt Maskottchen, Karaoke und Kinderausmalkarte ist. Der erwartete Antwortgeber ist tatsächlich ein Mantikor (ein Mensch-Löwe-Skorpion-Mischwesen), der jedoch gar nicht furchterregend als gestresste und vom Leben gezähmte Inhaberin Corey daherkommt, die sich eher um unbezahlte Steuern als mythische Abenteuer stresst. Später ist es dann eine Gang von kleinen Feen, die jedoch in ihren Rockerkluften und mit gereizter Gangart gar nicht so süß erscheinen, wie man es aus Märchen gewohnt ist. Dass diese zusätzlich unwahrscheinlicherweise auf Harleys unterwegs sind, da sie das Fliegen verlernt haben, ist ein weiterer von sehr vielen genialen und höchst originellen Einfällen von „Onward“. Auch die mülltonnenleerenden und verlotterten geflügelten Einhörner sind weit von ihrem Status als noble Kreaturen abgefallen und dürfen nicht vergessen werden. Hier bedarf es wahrscheinlich sogar mehrfachen Ansehens, denn diese vollständig und glaubwürdig realisierte Welt hat äußerst viel zu bieten.

Szene aus Onward: Keine halben Sachen
Szene aus Onward: Keine halben Sachen © Disney/Pixar
Es darf also viel herzhaft gelacht und mitgefiebert werden. Pixar wäre jedoch nicht Pixar, wenn sie die emotionale Ebene vernachlässigen würden. Man glaubt lange Zeit zu wissen, wo die Reise hin verlaufen wird, jedoch unterwandern Scanlon und seine Co-Autoren Jason Headley und Keith Bunin die Erwartungshaltung der Zuschauer geschickt: Ja, „Onward“ ist eine Coming-of-Age-Geschichte, bei der Protagonist Ian reift, seine Kräfte annimmt und auch sein lange fehlendes Selbstbewusstsein findet, doch seine emotionale Katharsis verläuft dann doch etwas anders als erwartet. Hier weiß der Film am Ende sehr zu berühren, wobei er sich die Emotionen tatsächlich auch ganz aufrichtig verdient. So bleibt am Ende ein weiterer gelungener Film des ikonischen Animationsstudios voller kreativer Energie, das sich im oberen Mittelfeld ihrer grandiosen Filmografie ansiedelt und für Groß und Klein eine komplett runde und zufriedenstellende Angelegenheit bietet.

Fazit:
Auch mit ihrem 22. Film präsentiert sich Pixar auf weiterhin sehr gutem Niveau, das Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft macht. Auch wenn „Onward“ nicht ganz die Höhen und erzählerische Innovation der besten Pixar-Werke bereithält, offenbart sich hier ein äußerst kurzweiliges, rasantes, mitreißendes, komisches und auch aufrichtig berührendes Werk voller Herz und großer Detailfreude für Groß und Klein.
by Florian Hoffmann

Bilder © Walt Disney