Oh Boy

Oh Boy (2012), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: X Verleih

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Oh Boy Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Niko ist Ende zwanzig und hat vor einiger Zeit seinem Studium ade gesagt. Seitdem lebt er in den Tag hinein, driftet schlaflos durch die Straßen seiner Stadt und wundert sich über die Menschen seiner Umgebung. Niko ist ein Flaneur und Zuhörer, dem die Menschen ihre Geschichten erzählen. Mit stiller Neugier beobachtet er sie bei der Bewältigung des täglichen Lebens. Bis zu diesem turbulenten Tag: Seine Freundin zieht einen Schlussstrich, sein Vater dreht ihm den Geldhahn zu und ein Psychologe attestiert ihm "emotionale Unausgeglichenheit". Eine sonderbare Schönheit namens Julika konfrontiert ihn mit den Wunden der gemeinsamen Vergangenheit, sein neuer Nachbar schüttet ihm bei Schnaps und Buletten sein Herz aus und in der ganzen Stadt scheint es keinen "normalen" Kaffee mehr zu geben.

Tom Schilling, Friederike Kempter und Katharina Schüttler | mehr Cast & Crew


Oh Boy - Trailer




DVD und Blu-ray | Oh Boy

Blu-ray
Oh Boy Oh Boy
Blu-ray Start:
24.05.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 100 min.
DVD
Oh Boy Oh Boy
DVD Start:
24.05.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 83 min.

Filmkritik Oh Boy

Filmwertung: | 8/10


In der Filmgeschichte existieren einige Filme, die das Lebensgefühl einer ganzen Generation wiederspiegeln, wie beispielsweise „Breakfast Club“ (US, 1985) oder „La Boum – Die Fete“ (FR, 1980). „Oh Boy“ (Deutschland, 2012) könnte ebenfalls als solcher in die Filmgeschichte eingehen.

Niko Fischer (Tom Schilling) hat bereits vor längerer Zeit sein Studium abgebrochen und ist vor kurzem bei seiner Freundin ausgezogen. Der Film zeigt einen exemplarischen Tag in Nikos Leben, welcher geprägt ist durch viele episodenhafte Begegnungen mit Menschen. Während seiner Reise durch die Stadt Berlin, auf der er teilweise von seinem Freund Matze (Marc Hosemann) begleitet wird, trifft er immer wieder auf Personen, die mit ihm in Kontakt treten oder sich sogar ihm anvertrauen. Zu diesen Begegnungen gehört auch das Zusammentreffen mit einem Psychologen, um seinen Führerschein wiederzubekommen, und mit seiner ehemaligen Schulkameradin Julika (Friederike Kempter), die noch ihre Vergangenheit bewältigen muss. Zudem sucht Niko auch noch das Gespräch mit seinem Vater (Ulrich Noethen) und muss sich mit Fragen über seine Zukunft auseinandersetzen.

Der Debütfilm von Jan Ole Gerster ist in vielerlei Hinsicht sehenswert. Der Hauptprotagonist Niko Fischer als der Suchende und über sein Leben Nachdenkende steht exemplarisch für viele der jetzigen Endzwanziger-Generation, die sich durch die zahlreichen sich darbietenden Möglichkeiten nicht für einen Weg entscheiden können. Der Film schafft es perfekt, diese suchende Stimmung einzufangen und ein Gefühl für die Schwierigkeiten eines selbst zu bestimmenden Lebens zu vermitteln. Die einzelnen Gespräche sind von Tragik und Komik durchzogen und besitzen eine Palette an Themen, die Einblicke in das Wesen der Menschen und ihre Empfindungen geben. Ob es sich nun um die Aufarbeitung der schwierigen Teenagerzeit handelt um die Kindheit in der NS-Zeit oder um Potenzprobleme. Der Regisseur schafft es spielend, diese Episoden zu verbinden und eine einheitliche, poetische Stimmung zu erzeugen. Als ein Stadtportrait ist der Film ebenfalls gelungen und erinnert dabei in manchen Momenten an Filmgrößen wie Woody Allen. „Oh Boy“ zeigt die Großstadt in allen Facetten und wie unterschiedlich die Menschen sind, die darin leben.
Der Hauptdarsteller Tom Schilling, der diese Rolle auch unbedingt spielen wollte, verkörpert den suchenden, beobachtenden Niko Fischer perfekt und ohne ihn wäre der Film wohl nicht so gut geworden. Aber auch die Nebendarsteller geben den einzelnen Episoden viel Kraft und Authentizität und tragen so viel zum stimmigen Bild des Filmes bei.
„Oh Boy“ kann auch mit seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Berlin überzeugen und vor allem mit seinem großartigen Soundtrack. Die Stadt wird durch selbstkomponierten, fröhlichen Jazz von der Band „The Major Minors“ charakterisiert und die restliche Musik von Cherilyn McNeil unterstützt sehr gut die Stimmung und Gefühle Nikos.

Fazit: Jan Ole Gerster ist mit „Oh Boy“ ein schönes und sensibles Portrait einer Generation gelungen, der zwar alle Wege offen stehen, der aber die nötige Entscheidungskraft dafür fehlt. Der Film schafft es außerdem, die tragischen wie die komischen Aspekte der Geschichte gleich stark einzufangen und vermittelt so ein lebendiges Gefühl für die Menschen und für die Stadt Berlin.

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Bilder © X Verleih