Niemals Selten Manchmal Immer

Never Rarely Sometimes Always (2020), Großbritannien / USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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Niemals Selten Manchmal Immer Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Die 17jährige Autumn (Sidney Flanigan) arbeitet im ländlichen Pennsylvania als Supermarkt-Kassiererin, ihr Leben verläuft in wenig überraschenden Bahnen. Als sie bemerkt, dass sie ungewollt schwanger geworden ist, kann Autumn nicht mit der Unterstützung ihrer Eltern rechnen. Gemeinsam mit ihrer Cousine Skyler (Talia Ryder) kratzt sie ein wenig Geld zusammen und die beiden machen sich im Bus auf den Weg nach New York City. Im Gepäck haben sie nur die Adresse einer Klinik – und sonst keinen Plan. Der Beginn einer nervenaufreibenden Reise, getragen von Freundschaft, Mut und Mitgefühl.

Sidney Flanigan, Talia Ryder und Sharon Van Etten | mehr Cast & Crew


Niemals Selten Manchmal Immer - Trailer




Filmkritik Niemals Selten Manchmal Immer

Filmwertung: | 8/10


Nachdem Corona das Kinojahr 2020 fast frühzeitig beendet hat, kommen nun endlich neue Filme in die deutschen Kinos. Neben großen Blockbustern, wie es zum Beispiel „Tenet“ ist, gelangen auch kleine Produktionen in die Kinos, die es verdient haben, gesehen zu werden. So ein Fall ist auch der neue Film von Eliza Hittman („It Felt Like Love“, „Beach Rats“), der schon auf der Berlinale „den großen Preis der Jury“ gewinnen konnte und auch bei dem Sundance Film Festival ausgezeichnet wurde. Auch „Niemals Selten Manchmal Immer“ verkörpert die Kunst des feministischen und emanzipatorischen Filmes.

Im Fokus der Handlung steht die 17-Jährige Autumn (Sidney Flanigan), die ungewollt schwanger wird. Mit der Unterstützung ihrer Eltern kann sie nicht rechnen, da diese selber große Eheprobleme haben. Dafür will ihr aber ihre Cousine Skyler (Talia Ryder) helfen, welche genug Geld beschafft, um für die beiden eine Busfahrt nach New York zu bezahlen, damit Autumn dort das Kind abtreiben lassen kann. Mit kaum Geld in den Taschen und keinem wirklichen Plan fahren die beiden jungen Frauen in die Metropole.

Sidney Flanigan in Niemals Selten Manchmal Immer
Sidney Flanigan in Niemals Selten Manchmal Immer © Focus Features
Die Reise Autumns pointiert die Importanz über das Recht, dass jeder Mensch über seinen Körper selbst zu bestimmen hat. Niemand, vor allem kein 17-Jähriges Mädchen, darf dazu gezwungen werden, ein Kind auszutragen. Dabei gleicht die Reise der jungen Frauen einer Odyssee durch New York, die nicht so verläuft, wie sie geplant war. Schnell verlieren sich unsere Protagonistinnen in einer Perspektivlosigkeit. Schockierend ist dabei der starke Realismus, der sich durch die komplette Laufzeit von 100min trägt. „Niemals Selten Manchmal Immer“ wirkt so real, so intim, dass man denken könnte, man würde wirklich eine Dokumentation sehen. Dabei versucht der Film zu keiner Sekunde künstlich auf die Tränendrüse zu drücken, sodass die Authentizität verloren gehen würde. Es wirkt mehr, als ob Regisseurin und Drehbuchautorin Eliza Hittman eine Allgemeingültigkeit in der Geschichte zeigen möchte, um dem Zuschauer vor Augen zu führen, dass das wirklich passiert. Und dies ist der Punkt, an dem man am Ende des Filmes schluckt und sich denkt, so kann es nicht weitergehen.

Talia Ryder und Sidney Flanigan in Niemals Selten Manchmal Immer
Talia Ryder und Sidney Flanigan in Niemals Selten Manchmal Immer © Focus Features
Überragend ist dabei auch das Schauspiel der Darstellerinnen. Sidney Flanigan und Talia Ryder waren vor dem Film noch unbekannte Newcomer, doch das sollte sich schnell ändern. Beide Frauen wirken einfach natürlich, was auch wieder zu dieser starken Authentizität beiträgt, die in einem packenden und emotionalen One-Shot mündet, indem Flanigans Schauspiel Gänsehaut erzeugt und vor allem wütend macht. Wütend macht auf eine Gesellschaft, in der immer noch zu häufig bei Missbrauch und Vergewaltigung weggesehen wird. Die zum teils durchaus heftigen Szenen werden dabei von der Kamerafrau Hélène Louvart auf 16mm eingefangen, welche häufig die komplette Bildkomposition ihren Darstellern widmet. So entstehen einprägsame und sensible Bilder, die in einem Mitgefühl für das Leid der Protagonistinnen auslösen. Auch nach dem Kinobesuch vergisst man die Geschehnisse nicht, was wohl das wichtigste Merkmal des Filmes ist.

Fazit:
„Niemals Selten Manchmal Immer“ ist ein wichtiger Film, der aktuelle Themen, wie Abtreibung, Missbrauch und das Recht über den eigenen Körper aufgreift. Allein das macht diesen Film für alle Altersgruppen so sehenswert. Selbst nachdem Abspann denkt man über die Geschichte nach und fragt sich, wie vielen Menschen dies leider schon passiert ist, ohne dass die Erlebnisse gut ausgehen. Und deswegen ist der Film von Hittman so berührend, weshalb er jetzt schon zu den besten des Jahres gehört.
by Lukas Weinandy

Bilder © Universal Pictures Intl.


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