Mustang

Mustang (2015), Frankreich / Deutschland / Türkei
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

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Mustang Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Sommer in einem türkischen Dorf. Lale und ihre vier Schwestern wachsen nach dem Tod der Eltern bei ihrem Onkel auf. Als sie nach der Schule beim unschuldigen Herumtollen mit ein paar Jungs im Meer beobachtet werden, lösen sie einen Skandal aus. Ihr als schamlos wahrgenom-menes Verhalten hat dramatische Folgen: Das Haus der Familie wird zum Gefängnis, Benimm-unterricht ersetzt die Schule und Ehen werden arrangiert. Doch die fünf Schwestern – allesamt von großem Freiheitsdrang erfüllt – beginnen, sich gegen die ihnen auferlegten Grenzen aufzu-lehnen.

Günes Sensoy, Doga Zeynep Doguslu und Elit Iscan | mehr Cast & Crew


Mustang - Trailer




DVD und Blu-ray | Mustang

Blu-ray
Mustang Mustang
Blu-ray Start:
16.09.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 97 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Mustang Mustang
DVD Start:
16.09.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 93 min.

Filmkritik Mustang

Filmwertung: | 8/10


Fremdsprachige Filme erreichen leider selten hohe Besucherzahlen. Während in den USA eine chronische Abneigung gegen Untertitel die Zuschauer vom Kinobesuch abhält, so sind es entweder einheimische oder amerikanische Produktionen, welche die deutschen Bürger in die Kinos locken. Dabei entgehen den meisten jedoch wahre Filmperlen. Sei es nun der letztjährige Golden Globe-Gewinner Leviathan, der Oscar-Gewinner Ida oder das dänische Meisterwerk Die Jagd mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle. Mustang SzenenbildViel Beachtung wird diesen Filmen lediglich von Cineasten geschenkt. Ein Oscar-Anwärter in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ erscheint am 25.02. in den deutschen Kinos. Die deutsch-türkisch-französische Co-Produktion mit dem Filmtitel Mustang hat sich diese Nominierung redlich verdient, denn das gesellschaftskritische Drama über fünf junge Mädchen in der Türkei ist ein kleines, aber bedeutsames und ehrliches Stück Kino geworden.

In Mustang erzählt die Regisseurin Deniz Gamze Ergüven die Geschichte von Selma, Sonay, Nur, Ece und Lale. Die fünf jungen Mädchen sind alle Geschwister. Ihre Eltern sind seit einigen Jahren verstorben. Seither leben sie bei ihrer Oma und ihrem Onkel in einem kleinen türkischen Dorf auf dem Land. Eines Tages beschließen die Fünf nach der Schule nicht den Bus zu nehmen sondern stattdessen am Strand entlang nach Hause zu laufen. Dabei spielen sie mit mehreren Jungs im Meer. Was eigentlich eine spaßige und unbedeutsame Freizeitgestaltung ist, wird für die fünf Mädchen jedoch weitreichende Folgen haben. Denn für ihre Oma und dem besonders strengen Onkel Erol ist dies ein unangebrachtes und unehrenhaftes Verhalten und muss dementsprechend bestraft werden. Zu diesem Zeitpunkt ist den Mädchen noch nicht bewusst, inwieweit sich ihr bisheriges sorgloses Leben verändern wird. Doch nach und nach müssen sie feststellen, dass sie mehr und mehr ihrer Unabhängigkeit und Freiheit beraubt werden. Wie dies im Film genau dargestellt ist, wird an dieser Stelle nicht verraten.

Ergüven – in Ankara geboren und in Frankreich aufgewachsen – ist ein wirklich starkes Langfilm-Debüt geglückt, das sehr viele Stärken hat. Mustang SzenenbildZum einen ist die Besetzung zu erwähnen. Die 5 Mädchen spielen ihre Rollen außerordentlich gut. Durch die sehr natürlichen und glaubhaften Performances wirkt die ganze Szenerie für den Zuschauer von der ersten Sekunde an extrem authentisch. Die Mädchen versprühen eine unglaubliche Lebensfreude und ihr Zusammenhalt ist äußerst bemerkenswert. Die Beziehungen zwischen den Schwestern wirken sehr lebendig und dynamisch und dies ist den wirklich tollen jungen Darstellern zu verdanken, die hier wirklich eine außerordentliche gute Leistung liefern. Die Glaubwürdigkeit in der Inszenierung ist ebenfalls beeindruckend. Das liegt natürlich zum einen daran, dass die Darsteller für das deutsche Publikum unbekannt sind, zum anderen ist dieser Film sehr zurückhaltend und bodenständig gestaltet. Der Film beschränkt sich im Kern lediglich auf den Wandel des Alltags der Geschwister und wie sich dieser Wandel vor allem im Haushalt niederschlägt. Dabei ist die Kamera meist sehr dicht an den Darstellern und es gibt wenige statische Aufnahmen. Man bekommt das Gefühl, als ob man selber ein Beobachter in diesem Haus ist. Für den Zuschauer wirkt alles sehr echt und greifbar. Trotz fremder Kultur kann man sich sehr gut in die Problematik hinein versetzen.

Die Thematik ist an Brisanz kaum zu überbieten. Gerade in der heutigen Zeit, in welcher der türkische Präsident Erdogan einen äußerst konservativen politischen Kurs fährt, ist die Problematik in Mustang äußerst heikel. Mit einer gewissen Direktheit zeigt Ergüven dem Zuschauer sehr konsequent wie Onkel Erol und die Oma die 5 Mädchen immer stärker von der säkularen Welt außerhalb der vier Wände isolieren und wie sie ihnen eine traditionelle, jedoch nicht mehr zeitgemäße, Weltanschauung aufzwingen wollen. Die Mädchen werden immer stärker ihrer Freiheit beraubt. Mustang SzenenbildDas Haus entwickelt sich für sie wie eine Art Gefängnis, aus dem man nur entkommt, wenn man mit einem „guten Jungen“ vermählt wird. Dass sich damit die Mädchen nicht abfinden wollen, begreift der Zuschauer sehr schnell. Mit verschiedenen Aktionen versuchen die Mädchen ihre Unabhängigkeit wieder zu erlangen, doch laufen dabei immer Gefahr erwischt zu werden.

Ergüven zeigt dem Zuschauer oft sehr viele Nahaufnahmen von den Mädchen, wenn sie leicht bekleidet sind. Das Bild gleitet über die Beine und Arme, die nicht verhüllt sind. Es wird versucht den großen Kontrast zwischen der konservativen islamischen Sicht der Oma – die meist mit einem Kopftuch bekleidet ist – und der moderaten weltlichen Gesellschaft, in der die Mädchen sich wohl fühlen, aufzuzeigen. Es ist der berüchtigte „Clash of Cultures“, der hier eine wesentliche Rolle einnimmt. Dabei ist der Film atmosphärisch nicht sonderlich bedrückend inszeniert. Dem Zuschauer werden ein paar wirklich lustige Momente geboten und es gibt an der einen oder anderen Stelle viel zu schmunzeln und zu lachen. Doch von der Grundthematik weicht der Film nicht ab. Mustang erzählt von 5 lebensfrohen und wilden „Mustangs“, die in einem Käfig eingesperrt sind und ihrem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben entzogen sind und nach Freiheit streben. Dabei wird nicht übertrieben. Auf die Tränendrüse wird nirgends gedrückt. Der Film bildet letzten Endes ein Stück bitteren Alltag ab und kritisiert die sehr konservative und reaktionäre Weltanschauung. Dieser Film konnte letzten Endes nur von einer Frau inszeniert werden und es ist umso wichtiger, dass dieses Werk erschaffen wurde.

Ganz ohne Makel kommt der Film jedoch nicht aus. Mustang SzenenbildZum einen ist die Figur des strengen Onkel Erol äußerst stereotypisch und klischeehaft. Jeder hat dieses Bild des älteren äußerst impulsiven südländischen Mannes mit dem dunklen Schnurrbart im Kopf und exakt diese Figur wird dem Zuschauer geboten. Dabei setzt man sich mit dem Charakter kaum auseinander. Fragen, warum ausgerechnet er die 5 Kinder mit der Oma großzieht oder allgemein zu seinem privaten Leben, werden nicht beantwortet. So ist die Figur doch leider sehr oberflächlich gezeichnet und eine wirkliche Charakterentwicklung gibt es nicht. Man hätte sich allgemein an diversen Stellen auch eine differenziertere Darstellung der Geschehnisse gewünscht. So ist der Film mit einem bekannten Problem etwas herkömmlich und einseitig erzählt.


Fazit:
Ein gesellschaftskritischer und wichtiger Film, der mit seiner ehrlichen Inszenierung und seinen tollen Jungdarstellerinnen zu überzeugen weiß. Trotz teilweiser nicht innovativer Erzählweise, ist Mustang ein äußerst interessanter, kurzweiliger und sehr glaubwürdiger Film geworden.
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Bilder © Weltkino Filmverleih GmbH