Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

Still Life (2013), Großbritannien / Italien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Piffl Medien

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

John May ist korrekt vom Scheitel bis zur Sohle. Für seinen Beamten-Job braucht er einige detektivische Fähigkeiten: Ist jemand gestorben, muss May die Hinterbliebenen ausfindig machen. Da diese aber - wenn sie überhaupt existieren - oft keinen Finger rühren wollen, kümmert sich May selbst um alles: Er organisiert einen Pfarrer, schreibt die Abdankungsrede und sorgt für die passende Musik, um seinen «Klienten» einen würdigen Abschied zu erweisen.
Als May seine Stelle aufgrund von Spar-Massnahmen verliert, bietet sich ihm eine letzte Gelegenheit, sein Können zu beweisen. Auf den Spuren eines verstorbenen Nachbarn macht er sich auf eine Reise, die ihn von London quer durch England führt...


Eddie Marsan, Joanne Froggatt und Karen Drury | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

DVD
Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit
DVD Start:
13.02.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 87 min.

Filmkritik Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

Filmwertung: | 8/10


Inspiriert von einem Interview mit einem "Funereal Officer" kreirte Umberto Pasolini einen stillen, auf sich selbst wirkenden Film, der es in sich hat. Bereits 2013 erschien der mehrfach ausgezeichnete Film in Großbritanien. Nun kommt er auch nach Deutschland. Und dieses zarte Stück Filmgeschichte ist verständlicherweise nicht Jedermanns Sache. "Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit", ein Film über Nächstenliebe und Vergänglichkeit.

Trist gekleidet - mit seinem schwarz-grauen Anzug und alter Ledertasche - und melancholischem und dennoch neugierigem Blick kommt er daher. Mr. John May, der Protagonist aus dem Film mit tragikomischen Zügen "Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit", ist kein normaler Beamter. Auch kein Leichenbestatter. Er ist eine Mischung aus Beidem. Den Menschen, die auf ihrer Beerdigung keinen Gast haben und erst recht niemanden, der sich überhaupt um eine Beerdigung kümmern würde, huldigt John sein Leben. Er studiert diese Menschen so sehr, dass er sogar eine persönliche Trauerrede schreiben kann. Kurz vor seiner Entlassung von dem nicht sehr wirtschaftlichen Job spricht ein Fall den herzensguten Mann besonders an: In der Wohnung des verstorbenen William Stoker findet John ein Album mit Fotos der vermeintlichen Tochter. Fest entschlossen macht er sich auf die Suche nach Ihr und findet eine handvoll mehr Angehöriger. Nun gilt es diese zur Trauerfeier zu überzeugen. Auch wenn das nicht mehr zu seinen Aufgaben gehört.

Der Film besteht absichtlich nur aus Gegensätzen. Schon im Hinblick auf die Hintergrundidee fällt das auf. Sie ist so ergreifend-schön und trotzdem unfassbar düster. Auch die Charakterisierung des Hauptdarstellers stellt genau das dar: John May hat nicht wirklich einen Draht zu Menschen, scheint weder Freunde noch Familie zu haben. Selbst wenn er in Kontakt mit Leuten gerät, wirkt es so als wäre May alleine auf der Leinwand. Er ist eine Person, mit der sich nicht viele identifizieren können und trotzdem bringt er einen dazu, kein Mitleid sondern dank seines großen Herzens Respekt zu empfinden, da er sich um andere kümmert. Den Gesichtsausdruck mit einem Spagat zwischen Depression und dem krassen Gegenteil, Hoffnung, hat nur einer so drauf. Eddie Marsan, bekannt aus "Happy-Go-Lucky" und "Sherlock Holmes", vereint durch den soziopathisch veranlagten Mr. May Rührung, Trauer und Zufriedenheit. Diese Darbietung ist Kunst und eine Herausforderung, denn er spielt am Anfang beinahe nur mit sich selbst. Erst als John Angehörige und vor Allem die Tochter von William, Kelly Stoker (Joanne Froggatt), kennen lernt, blüht der Mann auf. Die Wandlung spielt Marsan so authentisch, dass es einem das Herz erwärmt, und bei jeder unerwartenden Wendung wieder zerreißen könnte.

Unterstrichen wird die zarte Stimmung durch sehr wenig vorhandene Pianomusik. Der Film ist sehr leise, oft hört man kein Geräusch, sieht nur Bilder. Auch Gespräche und Dialoge finden auffällig selten statt. Der Bild wirkt genau dadurch zum Einen bedrückend aber irgendwie zum Anderen auch seicht. Ein Paradoxon eben, das genau so gewollt ist und genauso mitten in die Seele schießt. Die im Film vorhandene Stimmung wird auch in dem Zuschauer erstellt.

"Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit" soll den Menschen Gefühle nahe bringen. Die zu sich selber und die zu Anderen. Man soll sich mit Fragen, an die niemand denkt, bis es soweit ist, auseinandersetzen. Man soll an andere denken, nicht nur an sich, gerade in dieser von Egoisten duchfluteten Welt. Natürlich ist all das alles andere als frohlockend, sondern anstrengend, abgründig und wichtig. Aber es ist schön, dass es jemanden gibt, der zwischendurch darauf aufmerksam macht neben all den Blockbusterexplosionen. Natürlich verrate ich hier keinem das Ende. Aber ich muss auf jeden Fall anmerken, dass auch hier der Zuschauer zwischen zwei grundverschiedenen Gefühlseingebungen gezogen wird. Ich selber verlasse den Streifen mit Tränen in den Augen und einem Lächeln im Gesicht. Gegensatz eben.

Phänomenal gemachter Film. Natürlich nichts für den Alltag und nichts für die große Masse. Ein brilliant gespieltes Juwel. 8 Punkte.
by Jennifer Mazzero

Bilder © Piffl Medien