Monsieur Chocolat

Monsieur Chocolat (2016), Frankreich
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: DCM

Monsieur Chocolat Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Frankreich, kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts: Auf der Suche nach neuem Talent entdeckt der Clown George Footit (James Thiérrée) den aus der Sklaverei entflohenen Chocolat (Omar Sy), der mit einem kleinen Wanderzirkus durchs Land reist. Die beiden Außenseiter freunden sich an und entwickeln eine gemeinsame Bühnenshow, die schnell zu einem großen Zuschauermagneten wird. Auftritte in den größten Zirkushäusern von Paris machen Footit und Chocolat schließlich landesweit bekannt. Doch der große Ruhm treibt nicht nur einen Keil in die Freundschaft der beiden, sondern zieht auch die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich. Chocolat muss feststellen, dass er viele Feinde hat, die den Erfolg eines schwarzen Künstlers nicht dulden werden…

Omar Sy, James Thiérrée und Noémie Lvovsky | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Monsieur Chocolat

Blu-ray
Monsieur Chocolat Monsieur Chocolat
Blu-ray Start:
07.10.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 119 min.
DVD
Monsieur Chocolat Monsieur Chocolat
DVD Start:
07.10.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min.

Filmkritik Monsieur Chocolat

Filmwertung: | 7/10


Eines vorweg – in Monsieur Chocolat geht es weder um Schokolade noch handelt der Film von einem Koch. Vielmehr beinhaltet der französische Streifen die tragische und wahre Geschichte über einen geflohenen schwarzen Sklaven Ende des 19. Jahrhunderts, der in Frankreich in einem Zirkus arbeitete. Monsieur Chocolat SzenenbildOb diesem kleinen französischen Film an den Kinokassen viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, darf angesichts der Tatsache, dass der neueste X-Men-Film am selben Tag in den deutschen Kinos startet, stark bezweifelt werden. Doch wer Mitte Mai neben Blockbuster einen eher bodenständigen Film mit dem Thema Rassismus sehen möchte liegt bei Monsieur Chocolat sicherlich nicht falsch.

Der Zirkusclown George Footit (James Thierrée) ist auf der Suche nach einem Partner für eine Bühnenshow auf den dunkelhäutigen Kananga gestoßen, der außerhalb der Stadt bei einem kleinen Wanderzirkus arbeitet. Kananga – gespielt von Omar Sy, den meisten Zuschauer aus seiner Rolle in Ziemlich beste Freunde bekannt – ist für die Zirkusbesucher mehr Tier als Mensch. Als furchteinflößender Kannibale wird er dort vorgestellt und bereitet den Kindern Angst. Der herrschende Rassismus macht Kananga nichts aus, solang er sein Geld verdient und davon leben kann. George unterbreitet ihm das Angebot mit ihm als Clownsduo auf Tour zu gehen. Von nun an war er nicht mehr der Kananga der Kannibale, sondern der tollpatschige schwarze Clown Monsieur Chocolat, der dümmlich und untergeben war und von Footit nach jedem Gag schließlich einen Tritt in den Hintern bekam. Doch beide waren ebenfalls ein unschlagbares Duo, das die Zuschauer begeisterte und zum Lachen brachte. So schafften sie schnell den Sprung in die schöne Hauptstadt nach Paris und begeisterten jeden Abend ein großes Publikum und waren das bekannteste Clownsduo der Nation.

Monsieur Chocolat Szenenbild Monsieur Chocolat ist kein klassisches Rassendrama wie man es aus den USA kennt. Das N-Wort fällt hier kaum und auch sonst ist dieser Film atmosphärisch nicht so dicht und negativ wie beispielsweise „Selma“, „12 Years a Slave“, „Die Jury“ oder „Die Farbe Lila“. Hier überwiegt die für französische Filme typisch lockere Atmosphäre, mit französischer Musik und schönen Bildern von Frankreich im 19. Jahrhundert. Rassismus ist auch nicht primär das Thema des Films. Vielmehr geht es zum einen darum, wie man mit plötzlichem Ruhm umgeht und zum anderen, wie sehr man sich für etwas Ruhm demütigen lassen will. Dabei sind die Entwicklung und das Handeln der Figuren stets nachvollziehbar und glaubwürdig. Der Film nimmt sich Zeit seine Geschichte behutsam aufzubauen, welche in einem zu Tränen rührenden Finale endet. Es geht hier nicht nur um das Duo Footit und Monsieur Chocolat. Vielmehr handelt der Streifen um Monsieur Chocolats Beziehungen mit verschiedenen Frauen, seinen verschwenderischen Umgang mit Geld und den Folgen davon, aber auch um die Tatsache, dass er sich ohne Papiere illegal in Frankreich aufhält. So konzentriert sich der Film auf verschiedene Dinge, ohne dass Wichtiges aus dem Fokus gerät oder vernachlässigt wird. Erzählerisch kommt Monsieur Chocolat fast gänzlich ohne Längen aus. Mit seiner liebevollen Inszenierung, insbesondere was das Szenenbild und der Rekreation der damaligen Epoche angeht, kann der Film auftrumpfen. Schauspielerisch überzeugen beide Darsteller vollends. Sie harmonieren von der ersten Szene, in der sie aufeinander treffen bis zur Schlusssequenz. Dabei überzeugen die beiden sowohl in den humorvollen als auch in den ernsten Szenen. Monsieur Chocolat SzenenbildVor allem Omar Sy kann in der einen oder anderen Szene sein gutes Timing für Witz und Slapstick zeigen. Dies gilt aber nicht für die Clown-Sketche der beiden. Diese sind zwar anfangs nett anzusehen, doch wirken nach einer Stunde irgendwann sehr redundant und zeitweise fragt man sich als Zuschauer, wie das damalige Publikum diese Slapstick-Nummern lustig finden konnte. Darüber hinaus ist der Film zwar mehr als solide gespielt und inszeniert, doch wirkt alles auch etwas nach Schema F und ohne Risiko. So schaut das Ganze rückblickend wie eine Visualisierung einer Biographie aus, bei dem ein Schritt nach dem anderen mit Zeitsprüngen abgearbeitet wurde ohne große clevere Einfälle im Drehbuch.


Fazit:
Monsieur Chocolat macht eigentlich nichts falsch. Sehr gute Darsteller, eine wirklich schöne Geschichte, sehr gutes Erzähltempo und technisch einwandfrei produziert, doch mutig ist der Film in seiner Erzählweise nicht. Wirklich Herausragendes wurde hier nicht geschaffen. Charmantes und feines französisches Kino, das man durchaus als „guten Film“ bezeichnen kann. Mehr aber auch nicht.
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Bilder © DCM