Massive Talent

The Unbearable Weight of Massive Talent (2022), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie / Action
Kinostart Deutschland: - Verleih: Leonine

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Massive Talent Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Sein Talent und seine Karriere sind legendär – legendär gescheitert… Einst war Nicolas Cage (gespielt von Nicolas Cage) ein Superstar. Aber dann er hat einfach zu viele schlechte Filme gedreht. Er braucht die richtige Rolle, um seine Karriere endlich wiederzubeleben, doch er hat noch ganz andere Sorgen: Seine Tochter will nichts mehr von ihm wissen und er steht vor dem finanziellen Ruin. Da kommt das verlockende Angebot des Milliardärs Javier Gutierrez (Pedro Pascal) gerade recht: Für eine Million Dollar soll Cage als Star bei seiner Geburtstagsparty auftreten.
Plötzlich ist der ehemalige Hollywood-Star wieder ein gefragter Mann, denn kurz darauf wird er auch von der CIA kontaktiert: Der Milliardär ist ein gefürchteter Verbrecher und Cage soll bei der Party undercover Informationen beschaffen. Als Superfan Javier auch noch Nicolas‘ Ex-Frau und Tochter einfliegen lässt, nehmen die Dinge eine noch brisantere Wendung. Und so muss Cage die Rolle seines Lebens spielen, denn wenn er auffliegt, ist nicht nur er in Gefahr…


Nicolas Cage, Pedro Pascal und Tiffany Haddish | mehr Cast & Crew


Massive Talent - Trailer




Filmkritik Massive Talent

Filmwertung: | 8/10


Nachdem im vergangenen Jahr mit „Pig“ bereits ein Film mit Nicolas Cage in der Hauptrolle erschien und dieser trotz großen Momenten für verhältnismäßig wenig Aufsehen sorgte, soll am 21. April nun der neue Streifen „Massive Talent“ vom Regisseur Tom Gormican die Kinokassen klingeln lassen. Erneut setzt dieser Film den vollen Fokus auf Cage, diesmal aber gleich doppelt. „The Unbearable Weight of Massive Talent“, wie er in den USA betitelt ist, erzählt die Geschichte vom Schauspieler Nicolas Cage selbst.

Dieser hat seinen karrieretechnischen Zenit schon lange hinter sich und befindet sich trotz späterem Alter immer noch in einer Art Selbstfindungsphase. Als er sich dann einem Angebot gegenüberstehen sieht, zu dem er aufgrund seiner Schulden nicht Nein sagen kann, findet er sich plötzlich in der Villa des mexikanischen Milliardärs Javier Gutierrez (Pedro Pascal) wieder. Fortan entsteht eine Freundschaft mit vielen Höhen und Tiefen, während um die beiden herum eine Geschichte von Drogenkartellen, Polizeiermittlungen und einer gehörigen Portion Familiendrama erzählt wird.

Massive Talent war einer dieser Filme, in den ich fast ganz ohne Erwartungen hereingegangen bin. Jetzt sind ein paar Tage vergangen und um ehrlich zu sein, bleibt dieses Gefühl auf gewisse Art und Weise bestehen und ich weiß immer noch nicht genau was das für ein Film ist. Klar, dieser Film ist eine Action-Komödie und in der Tat liefert er auch genau das ab, auf der anderen Seite hat er in seiner Erzählweise aber auch eine dermaßen wirre Struktur, bei der man sich aufgrund der relativ merkwürdigen Stimmung des Ganzen nie sicher ist, ob es gewollt oder ungewollt ist. Der Film ist mal nostalgisch, bekommt dann plötzlich einen Biopic-Charakter, ist dann aber auch wieder Komödie, hat eine Portion Familiendrama, driftet dann kurz in einen Spionage-Film ab, um danach völlig abzudrehen und in einem Action-Auto-Waffen-Feuerwerk zu münden. Den Drogenkartell-Entführungs-Krimi habe ich an dieser Stelle noch nicht einmal erwähnt und so macht sich schnell bemerkbar: Der Film ist voll mit Dingen!

Um sich über diesen Film eine Meinung zu bilden, gilt es also in sich hineinzuhorchen und sich zu fragen, was dieser Film mit einem macht. Hier ist das erste, was mir direkt einfällt, dass er stellenweise wirklich witzig ist. Es ist nicht unüblich, dass eine Komödie auch den ein oder anderen Rohrkrepierer präsentiert, jedoch gab es nicht nur wenige Szenen, die entweder sehr witzig oder zumindest sehr unterhaltsam waren. Der Hauptgrund dafür ist auch gleichzeitig der erste große Punkt, an dem ich mich in dieser Kritik langhangeln werde – die Schauspieler.

Natürlich lässt sich in erster Linie nun behaupten, es wäre einfach sich selbst gut zu spielen. Dem wiederspreche ich zwar so schon komplett, jedoch ist das in diesem Film ohnehin nicht zu hundert Prozent der Fall, denn Nicolas Cage spielt gewissermaßen doch eine Rolle. Er porträtiert hier nicht nur eine Karikatur seiner selbst, er vereint auch alle Eigenschaften und Charakteristiken, die ihm die Öffentlichkeit seit jeher zuschreibt. Man kann an diesem Punkt nichts anderes sagen als das er seinen Job wirklich bemerkenswert gut macht. Dasselbe lässt sich auch über die meisten seiner Darsteller-Kollegen sagen. Neil Patrick Harris überzeugt in seinen wenigen Szenen als Agent von Cage sofort und auch Paco Leon als Lucas, der zwielichtige Cousin von Javi, macht seine Sache mehr als überzeugend. Auffällig gut fiel mir Olivia Henson als Ex-Frau von Cage auf, die im Kontrast zu ihrer mittelmäßig spielenden Filmtochter Addy (Lily Mo Sheen) erst recht scheinen konnte. Erwähnt man jetzt noch die als einzige wirklich schlecht spielende Tiffany Haddish als ermittelnde Polizisten, so hat man bis auf eine Person alle erwähnenswerten Leistungen abgehakt.

Übrig bleibt dann also noch Pedro Pascal als Javi Gutierrez, welcher nicht nur an für sich eine klasse Leistung abliefert, Pascal‘s und Cage’s Chemie in diesem Film ist unerwartet grandios. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine so seltsame aber trotzdem vertraute und vor allem lustige zwischenmenschliche Beziehung auf einer Leinwand sehen durfte, sodass ich mir sicher bin, dass die Chemie dieses Duos für viele Zuschauer der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Films sein wird.

Leider hat der Film auch einige große negative Auffälligkeiten. Der für mich störendste Aspekt an Massive Talent trägt ganz klar den Namen Nicolas Cage. Und nein, ich habe, während dem Film nicht völlig den Verstand verloren, denn Cage und Tom Gormicon kamen (leider) auf die Idee, eine jüngere Version von Cage, die in seinem Verstand herumgeistert, in das Geschehen zu implementieren. Dieser soll die junge und „coole“ Persönlichkeit von früher darstellen, eine Persönlichkeit die voller Feuer und Selbstbewusstsein steckt und auf den aktuellen Nicolas Cage lediglich herabschauen kann. Um hier nicht komplett abzuschweifen: Dieser junge Nicholas Cage ist nicht nur mithilfe von wirklich schlechtem CGI entstanden, er trägt auch so gut wie nichts zur Handlung bei und erscheint auch lediglich drei Mal, um herumzuschreien und für vermeintlich witzige Momente zu sorgen, die schlussendlich aber gar nicht witzig sind. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass er nur so selten vorkommt und sich völlig Fehl am Platz anfühlt, glaube ich, dass Cage und/oder Gormicon diese Idee hatte und ganz bezaubernd fand, aber nicht so richtig wusste was man damit dann im Film tatsächlich anfangen soll und sie deswegen irgendwie in ein paar Szenen eingeschoben hat.

Das zweite große Manko des Films ist die mehr als plumpe Drogenkartell-Handlung, auf die der Film am Ende dann doch komplett hängen bleibt. Man muss nicht viele Filme gesehen haben um original jeden einzelnen Verlauf und angeblichen „Plot-Twist“ vorherzusagen und so hat man hier oft das Gefühl, es wäre besser gewesen diese ganze Nummer, samt extrem langweiligem Antagonisten und seinen hirnlosen Schlägertypen, herauszulassen und sich mehr auf die Freundschaft der beiden Hauptakteure und vielleicht noch die Familiensituation von Cage zu fokussieren. Im Gegensatz zum CGI-Cage kann man hier aber trotzdem sein Hirn auf Stand-By-Modus setzen und sich unterhalten lassen, dafür reicht dieser Handlungsstrang dann doch noch.

Das Bild in Massiv Talent ist mehr als wertig, Action-Szenen und Effekte sind solide, lediglich die bereits erwähnte CGI-Bearbeitung des jungen Nicholas Cage’s ist mangelhaft.

Der Ton ist allen voran gekennzeichnet durch abwechslungsreiche Musik, Musik, die viele von alten Nicolas Cage-Klassikern kennen dürften. Hier soll nicht nur Nostalgie entstehen, es soll natürlich auch die langjährige Karriere von Cage untermahlen. Ob das funktioniert, muss jeder für sich selbst entscheiden - für mich hat es sich oft erzwungen angefühlt.

Fazit:
Insgesamt hat Massive Talent in erster Linie genau das erfüllt, was man von einem Film zu erwarten hat: Er hat unterhalten. Darüber hinaus ist er hierbei auch nie wirklich langweilig geworden und so habe ich zu keinem Zeitpunkt im Kinosaal gesessen und auf die Uhr geschaut. Natürlich punktet ein Film nicht nur über den Unterhaltungsfaktor oder den Humor und auch wenn es diverse Momente gab, in denen nicht nur ich ernsthaft lachen musste, wurde ich doch immer wieder durch den jungen Nicholas Cage oder die teils öde Story rausgeworfen. Ich kann mir vorstellen, dass sich bei diesem Film die Geister sehr scheiden werden. Den einen wird es zu viel sein, für die anderen wird es genau richtig sein. Fakt ist, dass Cage nach nun einigen sehr merkwürdigen Entscheidungen in seiner Karriere wieder mit einem Film auf der Leinwand erscheint, der was kann. Und auch er kann was, denn er und Pedro Pascal tragen speziell durch ihrer sehr gute schauspielerische Leistung maßgeblich zu der Qualität des Filmes bei und so kann man im Endeffekt sagen, dass Massive Talent vor allen Dingen für jene eine gute Unterhaltung ist, die es auch mal quatschig mögen und sich humortechnisch gerne an Zeiten von z. B. „21 Jump Street“ erinnern. Zuschauer, die insgesamt etwas ernster gestrickt sind, sollten sich hingegen wohl besser fernhalten.
by Esteban Belon

Bilder © Leonine


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