Lovely Louise

Lovely Louise (2013), Schweiz / Deutschland
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Drama / Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Camino Film

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Lovely Louise Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Der Mittfünfziger André (Stefan Kurt) wohnt noch bei seiner achtzigjährigen Mutter Louise (Annemarie Düringer). Er führt ein unspektakuläres Dasein als Taxi-Fahrer und Tüftler, der sich kaum traut, die schöne Wurstverkäuferin vom Modellflugplatz anzusprechen. Eines Tages steht ein Fremder aus Amerika vor der Tür: der schillernde Bill, der bald schon die beschauliche Zweisamkeit von Louise und André auf den Kopf stellt. André muss zum ersten Mal im Leben aus seiner Lethargie erwachen und ein paar Tatsachen ins Auge blicken. Es ist nie zu spät, mit dem Leben und der Liebe zu beginnen...

Stefan Kurt, Annemarie Düringer und Stanley Townsend | mehr Cast & Crew


Lovely Louise - Trailer


Lovely Louise Trailer deutsch


DVD und Blu-ray | Lovely Louise

DVD
Lovely Louise Lovely Louise
DVD Start:
25.07.2014
FSK: 0 - Laufzeit: 91 min.

Filmkritik Lovely Louise

Filmwertung: | 6/10


Da unsere Gesellschaft immer älter wird, geht es heutzutage nicht nur in Filmen in vielen Geschichten genau um dieses Thema und man hat den Eindruck, dass eine positive, aufmüpfige oder muntere Senioren darstellende Betrachtungsweise überwiegt. Dabei ist das Alter oft gar nicht so sonnig, sondern eher mühsam und das Leben macht Menschen mitunter auch bitter und böse. Entgegen diesem Trend präsentiert die Schweizer Regisseurin Bettina Oberli ihre titelgebende alte Dame in ihrem neuen Film "Lovely Louise", die nicht auf-, sondern verblüht, keine Kraft mehr zur Veränderung hat und eben alles andere als lovely ist.

Das Gravitationszentrum in Oberlis Story ist jedoch der etwas bemitleidenswerte Antiheld André Dubois (Stefan Kurt), der mit Mitte 50 noch bei seiner Mutter, der besagten 80-jährigen Louise (Annemarie Düringer) wohnt und dessen Hausschuhe fein säuberlich in Reih und Glied neben Mamas stehen. Beruflich ist André als Taxifahrer unterwegs und widmet sich ansonsten privat seinem Hobby, den Modellflugzeugen. Nicht verwunderlich unter den Vorzeichen, dass er auch in der Liebe noch nicht die Formel gefunden hat, wobei es ihm die hübsche Wurstverkäuferin Steffi (Nina Proll) schon angetan hat. Das plötzliche Auftauchen des Amerikaners Bill (Stanley Townsend) stellt André auf eine harte Probe und wirbelt sein eingefahrenes Verhältnis zu seiner Mutter kräftig auf, wodurch für ihn die große Chance entsteht, aus seiner Lethargie zu erwachen und sein eigenes Leben zu gestalten.

Die 1972 im schweizerischen Interlaken geborene Regisseurin Bettina Oberli inszenierte 2006 die Tragikomödie "Die Herbstzeitlosen", dem erfolgreichsten Schweizer Film seit 1975, bevor sie 2009 in Deutschland Regie in dem Film "Tannöd" mit Julia Jentsch und Monica Bleibtreu führte, der weltweit in den Kinos gezeigt wurde, auf Festivals lief und einige Auszeichnungen gewann. Für "Lovely Louise" holte sie nun wieder die Grande Dame des Schweizer Theaters Annemarie Düringer an Bord, mit der sie schon in "Die Herbstzeitlosen" zusammenarbeitete, und stellte ihr Stefan Kurt zur Seite, der seinerseits schon in "Der Verdingbub" oder "4 Minuten" mitwirkte. Die österreichische Schauspielerin Nina Proll weiß in der Rolle der Wurstverkäuferin Steffi als fleischgewordene Chance zum Ausbruch Andrés aus seiner biederen Welt zu gefallen und außerdem ist in einer kleinen Rolle als junge Louise die mittlerweile durch "Feuchtgebiete" allseits bekannte Carla Juri zu sehen. Hinter der Kamera stand für die schweizerisch-deutsche Ko-Poduktion mit Stéphane Kuthy nicht zum ersten Mal bei einem ihrer Filme der Lebenspartner der Regisseurin.

Die switzerdütsche Dramödie schildert die komplexe Beziehung zwischen Eltern und Kindern, gegenseitige Abhängigkeiten sowie still im Raum stehende Schuldgefühle und Vorwürfe, wobei ein überbordendes Bedürfnis nach Zugehörigkeit einer viel zu schwach ausgeprägten Sehnsucht Andrés nach Ausbruch aus dieser übermächtigen Mutterliebe gegenübergestellt wird. Das eigentlich dramatisch anmutende Thema wird mit leisem Humor angegangen und die präzise Inszenierung Oberlis lässt kleine Gesten und Blicke der Protagonisten zum Tragen kommen. Als André sich seiner Liebe Steffi nähert, ist der Umstand, noch bei Mama zu leben kein Stein, sondern ein Fels im Weg. Dabei ist er kein schlechter Typ, der sogar Schnittchen mit Gesichtern drauf zubereiten oder ganz toll Modellflugzeuge steuern kann, dies jedoch allesamt Dinge, die auf dieser Welt nicht von Bedeutung sind. Für Oberli ist der Film auch eine Parabel auf Befreiung und deshalb war ihr auch Andrés Hobby mit den Modellflugzeugen wichtig. Mit einem lakonisch-skurrilen Grundton zeigt sie das stille Leiden eines Sohnes, der sich nicht von seiner Mutter, einer vermeintlichen Schauspielerin vergangener Zeiten, die ihr ganzes Leben auf Schein gebaut hat und ihn zur Aufrechterhaltung dessen brauchte, lösen kann. Vor der bürgerlichen Kulisse Zürichs erlebt der Zuschauer einen von der Schweizer Mentalität leicht entschleunigten Film, der die Biederkeit eines Milieus in teils grotesken Alltagsriten zeigt, durch das Erscheinen des Amerikaners Bill manchmal leicht an der Klamaukgrenze kratzt, letztlich aber in einer wunderbaren Schlussszene mit Andrés Befreiungsschlag überzeugt.

Bettina Oberlis "Lovely Louise" zeigt uns die Absurditäten einer Mutter-Sohn-Beziehung und vollführt dabei einen Eiertanz auf dem Minenfeld der Psychologie. So universell das Thema ist, so deutlich wird die schweizerische Prägung und für die Sprachbarrieren gibt es Untertitel.
by André Scheede

Bilder © Camino Film


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