London Has Fallen

London Has Fallen (2016), Großbritannien / USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Action / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universum Film

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London Has Fallen Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Staatstrauer in England: Nach dem plötzlichen, rätselhaften Tod des Premierministers ist seine Beerdigung ein Pflichttermin für die Staatsoberhäupter der westlichen Welt. Selbstverständlich nimmt auch US-Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart) teil, begleitet von seinem Leibwächter Mike Banning (Gerard Butler). Doch was als die bestgeschützte Veranstaltung auf dem Planeten beginnt, entwickelt sich schnell zu einem tödlichen Spießrutenlauf: In einer gigantischen Verschwörung werden die mächtigsten Führer der Erde einer nach dem anderen Opfer brutaler Anschläge. Nur mit knapper Not kann Mike Banning das Leben des US-Präsidenten schützen und mit ihm in den Untergrund fliehen. Doch die Terroristen verlangen seine Auslieferung und überziehen die britische Hauptstadt mit einer Welle der Zerstörung. Während Vizepräsident Trumbull (Morgan Freeman) versucht, das gnadenlose Ultimatum hinauszuzögern, nimmt Banning den Kampf auf...

Gerard Butler, Aaron Eckhart und Morgan Freeman | mehr Cast & Crew


London Has Fallen - Trailer




DVD und Blu-ray | London Has Fallen

Blu-ray
London Has Fallen London Has Fallen
Blu-ray Start:
29.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 99 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
London Has Fallen London Has Fallen
DVD Start:
29.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 95 min.

Filmkritik London Has Fallen

Filmwertung: | 2/10


„Olympus Has Fallen“ war ein Überraschungserfolg des Kinojahres 2013, der im Rennen der beiden „Stirb langsam im Weißen Haus“-Streifen gegen Roland Emmerichs weit höher budgetierten „White House Down“ zumindest proportional gesehen erfolgreicher an den Kinokassen abschnitt. Natürlich war eine Fortsetzung hier leider obligatorisch, doch schon Antoine Fuquas Verzicht erneut auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen, ließ die Alarmglocken schrillen. „Olympus Has Fallen“ war schon ein eher mäßiger Retro-Holzhammer-Actioner, „London Has Fallen“ ist nun eine echte Katastrophe, bei der es oft wehtut, zuzusehen. London Has Fallen SzenenbildSchon nach wenigen Sekunden hat man angesichts unfassbar hölzerner Schauspieler und Dialoge den Eindruck, eine Parodie typischer 90er-Jahre Actionstreifen zu sehen, ein Gefühl, das sich durchaus bewahrheitet. „London Has Fallen“ macht zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, überhaupt ein Kinofilm zu sehen, viel mehr wirkt der Film wie eine halbgare Direct-to-Video-Produktion für abgestumpfte Hardcore-Fans, bei der sich keiner mehr große Mühe gibt. Der Film sieht einfach nur billig aus, er ist voller offensichtlich nachgebauter Sets, die größtenteils in Bulgarien entstanden sind. Den Eindruck, dass sich der Film tatsächlich in London abspielt, hat man letztlich nur selten. Und das trotz angeblichem 100 Millionen Dollar Budget.

Zu kaum überzeugenden, schon zu Beginn seltsam leer wirkenden Szenen in der britischen Metropole, sind auch die häufig eingesetzten visuellen Effekte arg schwach geraten. In seinen schlimmsten Momenten, etwa als mehrere Militär-Helikopter sich zwischen Hochhäusern durchmanövrieren und Raketen ausweichen, erscheinen wie Zwischensequenzen in einem 90er Jahre-Videospiel. Großartig auch, wie der Film völlig schamlos und ohne ersichtlichen Aufwand das kleine Flugfeld Dunsfold Aerodrome als internationalen Flughafen London Stansted verkaufen will. Überhaupt wirkt der gebürtige Iraner Babak Najafi beim Inszenieren des gesamten Films und auch einiger Actionsequenzen völlig überfordert. Hin und wieder baut sich etwas Rasanz auf und es gibt die eine oder andere Überraschung, eine längere Plansequenz etwa wirkt nicht uninteressant, erscheint aber letzten Endes eher angeberisch als beeindruckend und ist vor allem eher sinnlos choreografiert. Die Action ist aber tatsächlich noch zweifelsohne der solideste Aspekt des Films. Manch ein übertriebener Gewaltmoment, gerade bei der anfänglichen Attacke, die von Butler regelmäßig mit den obligatorischen One-Linern garniert, laden zum Schmunzeln ein und sind durchaus auf ihre sich selbst nicht ernstzunehmende Weise effektiv.

London Has Fallen Szenenbild Aber nochmal kurz zum sogenannten Plot. Der Film setzt drei Jahre nach den Ereignissen des ersten Films ein. Secret Service Agent Mike Banning (Gerard Butler) verbindet nicht nur seine professionelle Beziehung als Leibwächter zu Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart), die Beiden sind auch gute Freunde. Banning steht jedoch kurz vor der Einreichung seiner Kündigung, denn seine Frau Leah (Radha Mitchell) ist hochschwanger und die Zeit der Action sollte damit vorüber sein. Doch bevor es zum Rückzug aus dem Personenschutz-Geschäft kommen kann, erreicht die Welt die überraschende Meldung vom Tod des britischen Premierministers. Trotz nur kurzer Vorbereitung beschließt Asher, dass er seinem Kollegen seine letzte Ehre erweisen sollte, weshalb man, wie auch die halbe Politikwelt, die Reise in die britische Hauptstadt antritt. Doch dort haben Terroristen um den weltweit gesuchten Waffenhändler Aamir Barkawi (Alon Moni Aboutboul) einen groß angelegten Anschlag geplant, denn vor einigen Jahren detonierte eine US-Drohne in der Hochzeitsgesellschaft seiner Tochter. Barkawi sinnt auf blutige Rache, wofür er die schwer gesicherte Stadt mit seinem Sohn Kamron (Waleed F. Zuaiter) infiltriert und mit Heerscharen von Terroristen (die u.a. als Polizisten verkleidet sind) in seine Gewalt bringt. Es gibt zahlreiche Tote bei dem Überraschungsangriff und ein Wahrzeichen nach dem anderen wird zerstört. Schnell sind Banning und Asher auf sich alleine gestellt und müssen mit allen Mitteln versuchen sich in Sicherheit zu bringen.

Natürlich ist mit Ein-Mann-Armee Mike Banning nicht gut Kirschen essen und er wütet sich schießend, stechend und knochenbrechend durch Heerscharen von Terroristen zu Fuß, in Autos und auf Motorrädern. Einen Großteil der Anziehungskraft dieses Films soll wohl wie schon beim Vorgänger darin bestehen, den sprücheklopfenden Machoheld und John McClane für Arme Gerard Butler in seiner testosterontriefenden Rolle zu bewundern. Und sicher, Butler hat unzweifelhaft Ausstrahlung und genießt seinen Status als alles um sich zerstörende One-Liner-Maschine sichtlich. Doch wohl auch den größten Fans sollte dieser Streifen dann letztlich zu doof und stumpf geraten sein. Wie anfangs erwähnt, scheinen die Macher ihren Film entweder überhaupt nicht oder zu ernst zu nehmen, denn das Ganze wirkt wie eine einzige Klischee-Parade, die vollgepackt mit dämlichen Sprüchen und unglaublich schlechtem Schauspiel ist. Das ist zugleich erstaunlich und traurig, denn hier läuft immerhin ein Cast mit Morgan Freeman (der sich auch wie viele andere illustre Kollegen mittlerweile für nichts mehr zu schade ist) als Vizepräsident Trumbull und anderen seriösen Akteuren wie Melissa Leo, Angela Bassett oder Jackie Earle Haley auf. London Has Fallen SzenenbildAlle Darsteller wirken hier nicht nur unterfordert, sie wirken so, als würden sie ohne jede Regieanweisung auftreten. Eine Oscar-Gewinnerin wie Melissa Leo ist letzten Endes einfach nur da und trägt überhaupt nichts zum Film bei.

Immer wieder schneidet Najafi plump auf schockierte Gesichter, ohne Unterlass hagelt es haarsträubende Dialogfetzen, die immer wieder zu vermutlich unfreiwilligen Lachern einladen. Ein Beispiel für Najafis oft völlig inkompetente Regie: London wird minutenlang regelrecht in digitale Schutt und Asche gelegt, ein Bauwerk nach dem anderen wird auf unglaubwürdige Weise zerstört, diverse klischeehaft dargestellte Staatsoberhäupter werden genussvoll niedergemäht. Schnitt in die Kommandozentrale des MI6, auf zig Bildschirmen ist die Zerstörung zu bewundern. Schockierter Kommentar einer MI6-Dame: „Oh Jesus. There’s been a massive attack on St. Paul’s cathedral!“ Die allgegenwärtige Zerstörung biblischen Ausmaßes lässt die Figuren in diesem Film scheinbar eher kalt. Die unfassbar idiotischen Dialoge setzen sich in rapider Folge fort, wunderbar auch der überhaupt nicht naheliegende Kommentar von Secret Service-Chefin Lynne Jacobs (Bassett), nachdem sie mit Banning und Asher der ultimativen Zerstörung gerade noch mit einem Helikopter entfliehen konnten: „It was a trap.“ Als Zuschauer fühlt man sich auch schon lange in einer Falle, der man gerne entfliehen möchte. Man könnte hier immer weiter verbale Entgleisungen auflisten und man wird das Gefühl nicht los, als ob viele der grenzdebilen Dialoge durchaus mit einem Augenzwinkern bedacht sind. London Has Fallen SzenenbildAb einem gewissen Punkt ist der Film einfach zum Schreien komisch, das ungläubige Lachen wechselt sich aber auch immer wieder mit Fassungslosigkeit angesichts unfassbarer Dummheit ab.

Das Beste, was man über „London Has Fallen“ sagen kann, ist wohl, dass er so schlecht ist, dass er wieder gut wird. Natürlich ist der Film auch extrem gewalttätig, in seiner oft grafischen Darstellung zeigt sich auch ein krank machender, unreflektierter Zynismus und natürlich der obligatorische Hurra-Amerika-über-alles-Patriotismus. Manche, wenn auch sehr wenige Actionsequenzen sitzen auch, was allerdings größtenteils der Verdienst von Gerard Butler ist, dem man nicht absprechen kann, dass er zumindest engagiert ist. Insgesamt ist „London Has Fallen“ aber ein trauriges und hässliches Spektakel, das seine Zuschauer nicht ansatzweise respektiert oder ernst nimmt.


Fazit:
„London Has Fallen“ ist eine der überflüssigsten Fortsetzungen der letzten Zeit. Der Film strotzt vor hölzernen und dämlichen Dialogen, ist inkompetent inszeniert, billig aussehend, unfreiwillig komisch, grauenhaft gespielt und letztlich einfach nur doof.
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Bilder © Universum Film