Logan - The Wolverine

Logan (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Action / Science-Fiction
Kinostart Deutschland: - Verleih: 20th Century Fox

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Logan - The Wolverine Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

In naher Zukunft schützt ein abgekämpfter Logan einen gebrochenen Professor X in einem Versteck nahe der mexikanischen Grenze. Doch Logans Versuche, sich vor der Welt und seinem Vermächtnis zu verstecken, misslingen, als ein junger Mutant, von dunklen Kräften verfolgt, bei ihnen Zuflucht sucht.

Hugh Jackman, Patrick Stewart und Elizabeth Rodriguez | mehr Cast & Crew


Logan - The Wolverine - Trailer




DVD und Blu-ray | Logan - The Wolverine

Blu-ray
Logan - The Wolverine Logan - The Wolverine
Blu-ray Start:
13.07.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 137 min.
Logan - The Wolverine (Steelbook) Logan - The Wolverine (Steelbook)
Blu-ray Start:
13.07.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 137 min.
Logan - The Wolverine (4K Ultra HD) Logan - The Wolverine (4K Ultra HD)
Blu-ray Start:
13.07.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 137 min.
DVD
Logan - The Wolverine Logan - The Wolverine
DVD Start:
13.07.2017
FSK: 11 - Laufzeit: 132 min.

Filmkritik Logan - The Wolverine

Filmwertung: | 9/10


Depression, Schmerz, Alter, Vergänglichkeit, Trauer, Leid, unheilbare seelische und körperliche Wunden – das sind thematische Konzepte, die man sicher nicht unbedingt in einer amerikanischen Mainstream-Comicverfilmung erwarten würde. Doch genau hiermit wird man mit Hugh Jackmans zehntem und letztem Auftritt in seiner ikonischen Rolle als Wolverine/Logan konfrontiert. Logan - The Wolverine Szenenbild„Logan“ ist nicht nur die kompromissloseste und mutigste Comicverfilmung seit vielen Jahren (als sehr lose Basis diente Mark Millars „Old Man Logan“), sie gehört zweifelsohne zu den Meilensteinen des Genres. Doch wie schon bei Christopher Nolans Batman-Trilogie sprengt „Logan“ die herkömmliche Definition des Begriffs Comicverfilmung, denn vor allem ist hier etwas zu bewundern, das als eigenständiger, von seriellem Franchise-Denken losgelöster Film funktioniert. Hier schlägt ein großes emotionales Herz, hier werden erwachsene Themen behandelt und definitiv keine Kompromisse in Sachen konsequenter und knüppelharter Gewaltdarstellung gemacht. Regisseur und Co-Drehbuchautor James Mangold zeigt sich deutlich inspiriert von ikonischem amerikanischem Männerkino alter Schule, etwa von dem überdeutlich referenzierten Western-Klassiker „Mein großer Freund Shane“, aber auch von elegischen Eastwood-Western-Abgesängen wie „Erbarmungslos“ oder „Der Texaner“. „Logan“ ist sowohl inhaltlich als auch ästhetisch überaus konsequent inszeniert und trotz gelegentlicher Anflüge von trockenem Humor ist hier eine schmerzhafte und in tiefe Depression getauchte Odyssee des Leids zu erfahren, bei der Finalität über allem schwebt.

„Logan“ präsentiert ein gebrochenes und hoffnungslos wirkendes Amerika im Jahr 2029, das sich zu einer wüsten, deprimierenden Dystopie entwickelt hat. Logan (Hugh Jackman) ist ein gebrochener und resignierter Mann, der alles verloren hat, was ihm Bedeutung gegeben hat und sich nun zurückgezogen als Chauffeur im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet verdingt. Der einst unzerstörbare Mutant mit dem Adamantium-Skelett ist ein Schatten seines früheren Selbst, denn er wird langsam von innen vergiftet, seine Wunden heilen nicht mehr so problemlos wie gewohnt, er altert deutlich, sogar seine Sehkraft lässt nach und zwingt ihn zum Tragen einer Lesebrille. Das einzige Relikt, das aus seiner Vergangenheit überlebt hat, ist Charles Xavier (Patrick Stewart), ein mittlerweile über 90 Jahre alter und sehr geschwächter Greis, der selbst von schlimmen Dämonen verfolgt wird und an einer degenerativen Gehirnkrankheit laboriert, die ständig mit illegal akquirierten Medikamenten behandelt werden muss. Logan - The Wolverine SzenenbildEr wird in einem Versteck in der mexikanischen Wüste von Logan und dem bleichen und lichtempfindlichen Mutanten Caliban (Stephan Merchant) versorgt. Logan, der sein großes Vermächtnis in einer mittlerweile nahezu mutantenlosen Welt schon lange hinter sich gelassen hat, da er jedem, der ihm etwas bedeutet hat, mit seiner Macht nur geschadet hat, sucht nur noch Ruhe und Einsamkeit. Doch diese selbstgewählte Isolation wird empfindlich gestört, als die Krankenschwester Gabriela (Elizabeth Rodriguez) mit dem mysteriösen, scheinbar stummen Mädchen Laura (Dafne Keen) auftaucht und um Hilfe bittet. Laura soll von Logan nach North Dakota gebracht werden, denn auf sie haben es zwielichtige militärische Figuren abgesehen. Logan will absolut nichts mit der Sache zu tun haben, doch die Ereignisse überschlagen sich derart, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, ein letztes Mal anderen zu helfen, auch wenn schnell klar wird, dass Laura weit machtvoller und gefährlicher ist, als es zunächst den Anschein macht…

Es dauert nicht lange, bis in „Logan“ die Körperteile in der brutalen Eröffnungssequenz umherfliegen und damit ein grimmiger Ton etabliert wird, der weit entfernt von allen anderen Filmen des „X-Men“-Universums liegt. Die Atmosphäre in „Logan“ ist konsequent bedrückend, verzweifelt und düster, Hoffnung blitzt hier höchstens weit entfernt am Horizont auf. Das Amerika der recht nahen Zukunft inszeniert James Mangold ohne viel Schnickschnack – abgesehen von Logans leicht futuristisch anmutendem Chrysler und selbstfahrenden Trucks auf den Highways wirkt der Film durchweg bodenständig, glaubwürdig und geradlinig, befreit von jedem Ballast. Hier ist alles auf die internen Konflikte der gepeinigten Figuren fokussiert, die in einem tragischen Zustand existieren, bei dem Tod und Vergänglichkeit latent in der Luft liegen. Im Mittelpunkt von „Logan“ steht die berührende fürsorgliche Beziehung zwischen der gebrochenen Titelfigur und seinem väterlichen Mentor Charles Xavier, die von beiden Akteuren mit großer Reife und emotionalem Gewicht verkörpert wird. Sowohl Jackman als auch Stewart sind brillant und so gut wie selten zuvor in ihren überaus eingelebten Parts, wobei sie sich in keiner Weise davor scheuen, all ihre Fragilität zu offenbaren. In ihren liebenswürdigen Zankereien steckt eine ernsthaft empfundene Zuneigung, die ihr Verhältnis, das von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt ist, subtil bewegend macht.

Logan - The Wolverine Szenenbild Im Kern ist „Logan“ also eine trauervolle und zutiefst menschliche Meditation auf Vergänglichkeit und Tod, dennoch ist hier aber auch ein durchweg aufregender, mitreißender und actionreicher Film entstanden. James Mangold orchestriert die Actionsequenzen mit echtem Punch und starkem Gefühl für harte Realität. Überzogen wirkt in dieser handgemachten und von echten Stunts geprägten Welt nichts, immer wieder inszeniert Mangold zunehmend eskalierende Sequenzen, die zwar spektakulär, aber nie unglaubwürdig sind und oft dafür sorgen, dass einem tatsächlich der Atem stockt. Hier wird Gewalt inszeniert, die wirklich wehtut, bei der man jeden Schlag, jeden Schnitt, jede Penetration von menschlichen Körpern durch lange Klingen spürt. „Logan“ hält hier nichts zurück, ist teilweise schockierend kompromisslos in seiner Gewaltdarstellung, Schmerz wird körperlich und seelisch greifbar. Es sind extrem körperliche Kampfszenen zu bewundern, die so wuchtig, intensiv, grausam und wild sind, wie man sie in amerikanischen Mainstream-Filmen selten zu Gesicht kriegt. Jedoch gerät die Gewalt nie zum Selbstzweck, egal wie hemmungslos sie inszeniert ist. Sie fügt sich in dieses grimmige und nüchterne Weltbild ein und erscheint tatsächlich oft schockierend, gerade wenn einem klar wird, dass Menschen hier wirklich sterben und ganz sicher nicht wie in anderen Comicverfilmungen plötzlich auf magische Weise wieder zum Leben erweckt werden.

Eine faszinierende und sicher schon baldige Kultfigur ist Laura, eine junge Mutantin, die einige Momente hat, wie man sie im Kino selten gesehen hat. Hier wird ein interessanter Kontrast zwischen kindlich-unschuldigem Verhalten und extremer, unbändiger, hochaggressiver Gewalt dargestellt, bei dem einem schlicht oft die Kinnlade auf den Boden fällt. Manch einer wird hier sicher ähnlich wie bei Hit-Girl in den „Kick-Ass“-Filmen den moralischen Zeigefinger erheben, doch in „Logan“ ist dankbarerweise kaum eine Spur von augenzwinkernder Ironie oder provokanter Zurschaustellung von einem gewaltausübenden Kind zu erkennen. Die zwölfjährige Newcomerin Dafne Keen erweist sich als bemerkenswerte Präsenz, deren geheimnisvolle Ausstrahlung und wild-explosive Art für viel Aufsehen sorgt.

Logan - The Wolverine Szenenbild Die Erzählung von „Logan“ ist also durchweg charakterorientiert und angenehm erwachsen, viel mehr funktioniert der Film eben als Neo-Western, statt sich den üblichen Gangarten und Konventionen des Comic-Universums unterzuordnen. Die Motive und Hintergründe der Organisation, die auf Laura und Logan Jagd macht, ist da tatsächlich fast schon nebensächlich und einer der konventionelleren Aspekte des Films. Boyd Holbrook, der Donald Pierce, den Sicherheitschef der antagonistischen Organisation Transigen spielt, hat sichtlich Spaß mit seinem Bösewicht-Part. Er weiß mit spielerischem Charisma und Coolness zu gefallen, jedoch hat seine Figur letztlich keine für die Erzählung wirklich integrale Rolle. Der eigentliche und viel wichtigere Antagonist des Films sind letztlich die Logans eigene Dämonen, sein Schmerz, der ihn nicht loslässt. Hier geht es nicht darum, dass zum x-ten Mal Bösewichter in zunehmend übertriebener Manier bekämpft werden, viel mehr ist „Logan“ eine Reise, die Erlösung zum Ziel hat. Spätestens mit dem Erreichen besagten Ziels ist „Logan“ dann schließlich eine nachwirkend emotionale Erfahrung, die den perfekten filmischen Schwanengesang für diese Figur bildet, die schon seit 17 Jahren ein wesentlicher Teil der Popkultur ist und von Hugh Jackman weit größer gemacht wurde, als man es jemals erwartet hätte.


Fazit:
„Logan“ ist der perfekte Schwanengesang für eine der ikonischsten Popkultur-Figuren dieses Jahrhunderts – erwachsen, facettenreich, emotional, brutal, mutig und kompromisslos. Hier wird eine emotional aufrichtige und überraschend schwermütige Geschichte in muskulösen Bildern erzählt, die weit mehr im amerikanischen Männerkino als in Konventionen des gegenwärtigen Comicverfilmungskinos verwurzelt ist.
by

Bilder © 20th Century Fox