Licorice Pizza

Licorice Pizza (2021), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie / Romanze / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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Licorice Pizza Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Im kalifornischen San Fernando Valley des Jahres 1973 entwickelt sich zwischen Mittzwanzigerin Alana Kane (Alana Haim) und Teenager Gary Valentine (Cooper Hoffman) eine ungewöhnliche Freundschaft. Doch inmitten des alltäglichen Trubels aus Gelegenheitsjobs und Schauspielkarriere, Freunden und Politik, Vinyl und Super 8 entstehen mit der Zeit auch intensivere Gefühle ...

Alana Haim, Cooper Hoffman und Sean Penn | mehr Cast & Crew


Licorice Pizza - Trailer




Filmkritik Licorice Pizza

Filmwertung: | 8/10


Paul Thomas Anderson gehört zu den faszinierendsten Filmemachern, die unsere Zeit zu bieten hat. Mit Filmen wie „Boogie Nights" oder dem Oscar-prämierten „There Will Be Blood“ hat sich der Regisseur unsterblich gemacht, weshalb die Nachfrage nach seinem neuen Film sehr hoch ist. Vier Jahre nach „Der seidene Faden“ kehrt Paul Thomas Anderson nun endlich zurück und schafft es selbst nach über 30 Jahren Karriere, den Zuschauer immer noch zu überraschen, denn „Licorice Pizza“ wirkt wie ein intimer Abgesang auf die eigene Jugend.

Die Handlung von „Licorice Pizza“ beginnt im Jahr 1973, als sich der 15-jährige Jugend-Schauspieler Gary Valentine (Cooper Hoffman) in die zehn Jahre ältere Fotoassistentin Alana Kane (Alana Haim) verliebt. Diese will jedoch aufgrund des Altersunterschiedes keine Beziehung mit ihm führen. Dennoch baut sich bald schon eine einzigartige Freundschaft auf, die einige ungewöhnliche Abzweigungen nimmt.

Licorice Pizza: Alana Kane (Alana Haim) und Gary Valentine (Cooper Hoffman)
Licorice Pizza: Alana Kane (Alana Haim) und Gary Valentine (Cooper Hoffman) © Universal Pictures
„Licorice Pizza“ ist kein Film, der einer stringenten Handlung folgt, sondern viel mehr will er mehrere wichtige Abschnitte im Leben seiner Protagonisten zeigen, um diese auf ihrem Weg des Erwachsenwerdens zu begleiten. Vieles läuft dabei fast episodisch ab. Mal eröffnen Gary und Alana ein Wasserbettgeschäft, mal begegnen sie dem exzentrischen Filmproduzenten Jon Peters. Wie schon bei Quentin Tarantinos Meisterwerk „Once Upon a Time in… Hollywood“ muss man sich dafür auf das Gefühl einlassen, das die Meisterregisseure kreieren wollen. Wir sollen verstehen, warum diese Zeit für sie so besonders war und was sie zudem so besonders gemacht hat. Dafür hat Paul Thomas Anderson an einem ganz besonderen Ort gedreht, den Fans von „Boogie Nights“ oder „Magnolia“ wiedererkennen sollten.

Der Film ist angesetzt im San Fernando Valley, welches immer wieder in den Werken von Paul Thomas Anderson auftaucht. Er hat eine ganz besonderen Bindung zu diesem Ort, denn Anderson ist im Süden des Talbeckens geboren und verbrachte auch seine Kindheit dort. Deswegen wirken die langen Einstellungen der Gegenden und Straßen so persönlich und intim. Insgesamt ist die Inszenierung des Filmes, wie immer in den Werken des Ausnahmeregisseurs, beeindruckend. Dabei sticht vor allem eine Fahrt mit einem LKW rückwärts von den Hollywoods Hills hervor. Die langen Kamerafahrten besitzen etwas Hypnotisches, außerdem ist „Licorice Pizza“ auf 35mm gedreht worden. Der Filmkorn gibt dem Coming-of-Age-Film einen weiteren nostalgischen Eindruck. Sehr persönlich ist ebenfalls der Cast ausgewählt.

Licorice Pizza: Alana  und Gary
Licorice Pizza: Alana und Gary © Universal Pictures
In den frühen Filmen gehörte Philip Seymour Hoffman („The Big Lebowski“) zu den Stammschauspielern von Paul Thomas Anderson, bevor er 2014 an einer Überdosis tragisch verstarb. Anderson besetzte Hoffman zuvor insgesamt fünf Mal und in „Licorice Pizza“ gibt nun der Sohn Philip Seymour Hoffmans, Cooper Hoffman, sein Filmdebüt. Vor Kurzem wurde er mit dem National Bord of Review Award in der Kategorie Bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Diese ganze Geschichte soll selbstverständlich nicht über dem Film stehen, aber das macht die hervorragende Schauspielleistung von Cooper Hoffman nur noch schöner. An seiner Seite überzeugt ebenso die Grammy-nominierte Musikerin Alana Haim. Beide Hauptdarsteller haben zuvor noch nie in einem Langfilm mitgespielt und trotzdem spürt man von dieser wenigen Erfahrung gar nichts.

Dennoch wäre es kein Paul Thomas Anderson-Film, wenn keine großen Namen in das Projekt involviert wären. Dieses Mal stehen mit Sean Penn („Mystic River“), Tom Waits („The Dead Don´t Die“), Bradley Cooper („A Star is Born“), John C. Reilly („Boogie Nights“) oder Benny Safdie (als Regisseur „Der schwarze Diamant“) auch wieder große Namen vor der Kamera, welche jedoch nur in Nebenrollen vorkommen. Dafür sind diese Nebenrollen aber wirklich verdammt lustig und erinnerungswürdig. Gerade Bradley Cooper als Filmproduzent Jon Peters ist durch sein exzentrisches und aggressives Auftreten ein riesiges Highlight im Film, dessen Szenen man sich immer und immer wieder ansehen möchte. Insgesamt sind es diese Momente, die „Licorice Pizza“ in der Filmografie von Paul Thomas Anderson ganz besonders machen. Ein „There Will Be Blood“ oder „Der seidene Faden“ sind vielleicht durchdachter und ausgeklügelter, doch dafür wirkt „Licorice Pizza“ so lebendig und locker wie kein anderer seiner Filme.

Fazit:
Licorice Pizza wirkt wie eine Erinnerung an die eigene Jugend und genau dadurch fühlt sich der gesamte Film so authentisch und persönlich an. Dies ist auch auf die Casting-Entscheidung von Cooper Hoffman zurückzuführen, der mit Alana Haim ein wunderbares Duo verkörpert. Andersons Licorice Pizza gehört zu den erfrischendsten Coming-of-Age-Filmen seit Jahren. Diese Lakritz-Pizza sollte man probieren.
by Lukas Weinandy

Bilder © Universal Pictures Intl.