LenaLove

LenaLove (2016), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Alpenrepublik

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LenaLove Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Lena (Emilia Schüle), 16, kreativ und hochsensibel, fühlt sich in der Vorortsiedlung, in der sie lebt, zunehmend ausgegrenzt und unverstanden. Im begabten Künstler Tim (Jannik Schümann) findet sie einen Seelenverwandten. Ein erster Flirt bahnt sich an, der aber jäh endet, als sich Lenas ehemals beste Freundin Nicole (Kyra Sophia Kahre) an Tim heranmacht. Tief enttäuscht schüttet Lena ihrem neuen Chat-Freund Noah ihr Herz aus. Noch ahnt die Schülerin nicht, wer sich tatsächlich hinter diesem Account verbirgt. Ein hinterhältiges Spiel nimmt seinen Lauf, das die makellose Fassade des Vorstadt-Idylls allmählich zum Einsturz bringt. Bei einem nächtlichen Date mit Noah gerät das „Spiel“ außer Kontrolle. Danach wird für Lena und alle Beteiligten nichts mehr so sein, wie es einmal war.
Zwischen Verachtung für ihr Umfeld und dem Wunsch, doch irgendwie dazu zu gehören, gerät ein 16jähriges Mädchen in einen Strudel von Intrigen, falscher Freundschaft und erfundener Identität. Das Handy immer im Anschlag, verschwimmen in dieser Welt der inneren Unsicherheit und des äußeren Perfektionismus die Grenzen zwischen real und virtuell, die auch die hilflosen Erwachsenen nicht bestimmen können.
| mehr Wissenswertes zum Film

Emilia Schüle, Jannik Schümann und Sina Tkotsch | mehr Cast & Crew


LenaLove - Trailer




Filmkritik LenaLove

Filmwertung: | 8/10


Lena ist 16 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrer meistens gestressten Mutter in einer kleinen Vorortsiedlung. In der Schule ist sie mehr oder weniger freiwillig eine Außenseiterin, unverstanden von ihren Lehrern, Klassenkameraden und ihrer ehemals besten Freundin Nicole, die noch immer gegenüber wohnt. LenaLove SzenenbildTrotzdem schafft es Lena, die Aufmerksamkeit des so begabten wie wortkargen Problemschülers Tim zu erregen. Die beiden Einzelgänger kommen sich näher. Doch damit macht sich Lena zum Ziel der intriganten Stella, die Nicole gegen ihre frühere Freundin aufbringt und ein hinterhältiges Spiel beginnt.

Mobbing ist überall ein Problem, wo unterschiedliche Menschen in einem sozialen Mikrokosmos zusammenkommen – ob im Büro, im Verein oder in der Schule. Dabei entwickelt sich schnell eine gefährliche Eigendynamik, der vor allem die Opfer selten gewachsen sind. Da besonders Schulen mit ihren vielen pubertierenden Persönlichkeiten, die meistens so grundverschieden wie unfertig sind, einen perfekten Nährboden für Mobbing darstellen, muss man das Internet und soziale Netzwerke wohl als Wachstumsbeschleuniger bezeichnen. Cybermobbing, so lautet der neudeutsche Begriff für die Häme und die persönlichen Angriffe bis hin zur Gewalt im World Wide Web.

Ein Coming-of-Age-Drama mit dem zentralen Thema Cybermobbing, darum ging es Autor und Regisseur Florian Gaag, der mit „Lenalove“ seinen zweiten Langspielfilm nach dem u.a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Debüt „Wholetrain“ (2006) inszeniert hat. Das gelingt ihm dank einer starken Besetzung und eindrucksvoller Bilder von Kameramann Christian Rein auch auf eindringliche Art und Weise. LenaLove SzenenbildLediglich die Erzählung kommt stellenweise aus dem Gleichgewicht. Der erste Akt widmet sich der umfangreichen Ausarbeitung der diversen Konflikte, die sich nicht nur zwischen Lena und ihrer Umwelt abspielen, sondern vor allem auch in der Welt der Erwachsenen. In den dysfunktionalen Vorstadtfamilien herrschen Erfolgsdruck, Ehebruch und Lüge und sorgen für viel dramaturgischen Zündstoff – nicht zuletzt weil diese Elternprobleme es letztendlich sind, die Lenas spätere Opferposition erst möglich machen. Ein Fake-Account in einem sozialen Netzwerk, über den die Mutter von Nicole ihren Mann ausspionieren möchte, wird zum idealen Angriffspunkt für Stella und Nicole, denn ihrem unbekannten Online-Freund Noah vertraut Lena sich vollkommen an.

Leider führen diese notwendigen, aber auch etwas ausufernden Beziehungskonstrukte der Erwachsenen dazu, dass es gerade anfangs zu ein paar Längen kommt, in denen man als Zuschauer schon mal den Überblick verlieren kann, wer jetzt mit wem was hat und warum wer anders seinen Partner verlässt. Dadurch rutscht auch Hauptfigur Lena hin und wieder aus dem Fokus der Geschichte, was vor allem auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit geschieht. Denn auch wenn Emilia Schüle mit ihrer zurückhaltenden und authentischen Darstellung Lenas Sensibilität und Unsicherheit durchaus greifbar macht, so fragt man sich trotzdem, wieso sie eigentlich Außenseiterin ist. Sie ist bildhübsch, klug, kreativ, talentiert und sogar draufgängerisch, wie der coole Tim bei einer gemeinsamen Spazierfahrt am eigenen Leib erfährt. LenaLove SzenenbildDarüber hinaus besitzt sie die wichtigen Statussymbole Heranwachsender: „stylische“ Klamotten und ein „de luxe“ Online-Profil. Gerade bei den zuletzt genannten Punkten hätte ein wenig mehr Arbeit an den Details geholfen, dem Zuschauer Lenas Unbeliebtheit zu begründen, statt sie nur als gegeben hinzustellen.

Die zweite Hälfte des Films dreht sich dann ganz um seine Hauptfigur. Hier inszeniert Gaag spannend, dramatisch und intensiv, wie das Mädchen durch die Intrigen ihrer Mitschülerinnen zum Opfer von Spott und Beleidigungen wird und letztlich sogar um ihr Leben bangen muss. Ein alptraumhafter Drogentrip, der an Darren Aronofskys „Black Swan“ denken lässt sowie der eine oder andere Plot-Twist erweitern außerdem das übliche Repertoire eines Coming-of-Age-Films.


Fazit:
„Lenalove“ ist nach einer dreijährigen und durchaus schwierigen Produktionsgeschichte (auf halber Strecke musste das zur Neige gegangene Budget via Crowdfunding aufgestockt werden) ein beeindruckendes filmisches Beispiel für zahllose wahre Geschichten von Mobbing geworden. #IamLena
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Bilder © Alpenrepublik


Info und Wissenswertes zum Film

LenaLove - Die Darsteller

EMILIA SCHÜLE (Lena)
Emilia Schüle wurde 1992 in Russland geboren und kam als Kind mit ihrer Familie nach Deutschland. Ihr Interesse an den Künsten war schon in der Kindheit groß, und so begann sie im Alter von sieben Jahren mit Tanzunterricht in klassischem Ballett und Modern Dance. Ihr Fernsehdebüt gab sie im vielfach ausgezeichneten Film „Guten Morgen, Herr Grothe“ (2006; Regie: Lars Kraume), ihre erste Kinohauptrolle spielte sie in „Freche Mädchen“ (2008; Regie: Ute Wieland). Ihr Talent und ihre Präsenz wurde von renommierten Filmemachern schnell erkannt, und so folgten unterschiedliche Rollen, darunter Märchen wie „Aschenputtel“ (2010; Regie Susanne Zanke), Fantasy wie „Isenhart“ (2011; Regie: Hansjörg Thurn), Musicals wie „Rock it“ (2010; Regie: Mike Marzuk), Jugenddramen wie „Gangs“ (2009, Regie: Rainer Matsutani) oder die dramatische Komödie „Besser als nix“ (2014; Regie: Ute Wieland). Ihren großen Durchbruch hatte sie 2012 im „Tatort“, und zwar den aufeinanderfolgenden Filmen „Wegwerfmädchen“ und „Das goldene Band“ von Franziska Meletzky . 2014 war ein sehr produktives Jahr für Emilia Schüle. Die Filme „Besser als nix“ (Regie: Ute Wieland), „Tod den Hippies, es lebe der Punk“ (Regie: Oskar Roehler) und „Boy 7“ (Regie: Özgür Yildirim) entstanden oder starteten in den Kinos. Als Synchronsprecherin war sie wie bereits im ersten Teil auch in „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ im Kino zu erleben.

2015 arbeitete sie im Frühjahr und Sommer an zwei großen historischen Stoffen. „Berlin Eins“ für Sat.1 erzählt eine Geschichte aus den Zwanziger Jahren in Berlin. Im Mittelpunkt von „Ku'damm 56“ (Ufa Fiction für ZDF), der in den 1950er Jahren spielt, stehen junge Frauen, die sich nicht mehr in die traditionelle Rolle fügen wollen, die ihnen die Gesellschaft vorschreibt.

JANNIK SCHÜMANN (Tim)
Im Alter von neun Jahren nahm der 1992 geborene Jannik Schümann an einem Casting für das Musical „Mozart“ in die Neue Flora Hamburg teil und wurde direkt für den kleinen Amadé besetzt. Er spielte die Rolle 2001/2002 und begann 2001, Schauspielunterricht zu nehmen. Auf Kampnagel in Hamburg spielte er 2004 in „Oliver Twist“ und 2008 am Operettenhaus Hamburg in der Welturaufführung des Udo Jürgens‐Musicals „Ich war noch niemals in New York“. Die Film‐ und Fernsehbranche wurde schnell auf das junge Talent aufmerksam. Es folgten erste Auftritte in TVFormaten wie „Tatort“, „Stubbe“ und „Kommissarin Lucas“ sowie Fernsehfilmen wie „Das Glück am anderen Ende der Welt“. 2008 sprach er „Die drei Fragezeichen“ als Hörbuch ein und synchronisierte die Figur des Jupiter Jonas für die beiden Kinofilme, die in englischer Sprache gedreht wurden. Mit dem vielfach preisgekrönten Fernsehfilm „Homevideo“ (2010; Regie: Kilian Riedhof) wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt und für den New Faces Award nominiert. Den hessischen Filmpreis gab es für „Mittlere Reife“ (2011), dort überzeugte er als unverstandener, hyperaktiver Tim, dessen Lebenswelt nicht mal seine Eltern interessiert. Nach seiner Mitwirkung in Christian Petzolds „Barbara“ (2012) folgte im Oktober 2013 die Juli Zeh‐Bestseller‐Verfilmung „Spieltrieb“ (Regie: Gregor Schnitzler). In seiner Rolle als Schüler Tim wird er nominiert für den 37. Filmfestival Max Ophüls Preis (2016) als Nachwuchsschauspieler in LenaLove.

Zu weiteren bemerkenswerten Arbeiten gehören 2015 der ARD‐Fernsehfilm „Mein Sohn Helen“ (Regie: Gregor Schnitzler), „Die Diplomatin“ (Regie: Franziska Meletzky) sowie eine weitere Verfilmung von Ferdinand von Schirachs „Schuld“ („Die Illuminaten“; Regie: Hannu Salonen). Im Spätsommer 2015 war die Bestsellerverfilmung „Die Mitte der Welt“ (Regie: Jakob M. Erwa) mit Schümann in einer Hauptrolle abgedreht, ebenso „Die Hebamme 2“ von Hannu Salonen.

KYRA SOPHIA KAHRE (Nicole)
Ihre Schauspielausbildung erhielt die 1989 geborene Kyra Sophia Kahre bei Suzanne Geyer, Nick Dong‐Sik und Teresa Harder. Zu den namhaften Regisseuren, mit denen das junge Multitalent ‐ zu ihren Hobbies gehören Ballett, Skifahren, Tennis, Reiten, Singen, Klavier – bereits arbeitete, gehören Christian Petzold („Wölfe“; 2015), Hannu Salonen („Die Hebamme 2“; 2015), Gregor Schnitzler („Mein Sohn Helen“; 2014), Bora Dagtekin („Fack juh Göhte“; 2013) und Sylke Enders („Schönefeld Boulevard“; 2013). Auf der Bühne war sie 2011 unter der Regie von Walter Ullrich am Theater Bad Godesberg in „Hänsel und Gretel“ zu sehen.

SINA TKOTSCH (Stella)
Sina Tkotsch wurde 1990 in Berlin geboren. Im Alter von neun Jahren gab sie ihr Filmdebut in Dominique Othenin‐Girards TV‐Film „Florian – Liebe aus ganzem Herzen“. Zahlreiche Rollen folgten, unter anderem in Krimiserien wie „Tatort“, „Der letzte Zeuge“ und „Die Cleveren“. Von 2002 bis 2004 war sie in der ARD und auf Ki.Ka in einer durchgehenden Hauptrolle als Johanna „Johnny“ Freytag in 26 Episoden der Familienserie „Wie erziehe ich meine Eltern?“ zu sehen. Im Anschluss wirkte sie in einer Vielzahl von Fernsehproduktionen mit, darunter der ZDF‐Zweiteiler „Die Himmelsleiter“ (2014; Regie: Carlo Rola) sowie „Polizeiruf 110 – Abwärts“ (2012) von Nils Wilbrandt.

Im Kino war Sina Tkotsch unter anderem 2008 im später mehrfach ausgezeichneten Film „Beautiful Bitch“ von Martin Theo Krieger zu sehen. 2009 folgten die Kinoproduktionen „Gangs“ von Rainer Matsutani und „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ von Marc Rothemund. Für den Kinofilm „Dschungelkind“ lebte und drehte Sina Tkotsch 2010 zwei Monate im Dschungel von Malaysia und erhielt 2011 bei der „Goldenen Henne“ eine Nominierung als „Aufsteigerin des Jahres“.

2016 wird sie neben LENALOVE von Florian Gaag auch mit dem Kinofilm „Der Nachtmahr“ von Akiz Ikon auf dem Max Ophüls Festival 2016 zu sehen sein. Beide Filme werden im Wettbewerb laufen.