Le Passé - Das Vergangene

Le Passé (2013), Spanien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Camino Film

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Le Passé - Das Vergangene Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

LE PASSÉ (Die Vergangenheit) erzählt die Geschichte des Iraners Ahmad (Ali Mosaffa), der nach vier Jahren aus dem Iran nach Paris zurückkehrt, weil seine französische Noch-Ehefrau Marie (Bérénice Bejo) ihn gebeten hat, die Scheidung zu vollziehen. Sie hat inzwischen einen anderen Mann kennengelernt, Samir (Tahar Rahim), von dem sie ein Kind erwartet. Samir ist mit seinem kleinen Sohn bereits in das Haus von Marie und ihren beiden Töchtern eingezogen. Doch als Ahmad ankommt, spürt er schnell, dass die Beziehung zwischen Marie und ihrer älteren Tochter Lucie (Pauline Burlet) aus diesem Grund angespannt ist.

Bérénice Bejo, Ali Mosaffa und Tahar Rahim | mehr Cast & Crew


Le Passé - Das Vergangene - Trailer


LE PASSE - DAS VERGANGENE Trailer deutsch HD


DVD und Blu-ray | Le Passé - Das Vergangene

Blu-ray
Le Passé - Das Vergangene Le Passé - Das Vergangene
Blu-ray Start:
07.08.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 130 min.
DVD
Le Passé - Das Vergangene Le Passé - Das Vergangene
DVD Start:
07.08.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 125 min.

Filmkritik Le Passé - Das Vergangene

Filmwertung: | 9/10


Der iranische Regisseur Asghar Farhadi feierte mit seinem Film "Nader und Simin - Eine Trennung" 2011 einen für den iranischen Film beispiellosen Erfolg. Er räumte bei der Berlinale 2011 einen nach einhelliger Kritikermeinung haushohen Goldenen Bären für den besten Film ab, während das Ensemble der Schauspieler jeweils mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Es folgten über 70 Auszeichnungen auf internationaler Ebene, darunter der Golden Globe, der César und der Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Mit "Le Passé" präsentiert Farhadi nun seinen mehr als adäquaten Nachfolger, dem ein ähnlicher Siegeszug bevorstehen könnte, was schon die Auszeichnung für seine Hauptdarstellerin Bérénice Bejo als beste Schauspielerin bei den Filmfestspielen von Cannes 2013 vermuten lässt.

In Farhadis neuer Arbeit über den Umgang mit der Vergangenheit kehrt Ahmad (Ali Mosaffa) nach vier Jahren der Trennung aus Teheran nach Paris zurück, um mit seiner französischen Noch-Ehefrau Marie (Bérénce Bejo) die Scheidung zu vollziehen. Sie lebt inzwischen mit Samir (Tahar Rahim) zusammen, von dem sie ein Kind erwartet. Samir ist mit seinem kleinen Sohn Fouad (Elyes Aguis) bereits in das Haus von Marie eingezogen, wo auch ihre beiden Kinder, die 16-jährige Lucie (Pauline Burlet) und deren kleine Schwester Léa (Jeanne Jestin) leben. Als Ahmad ankommt, spürt er schnell, dass die Beziehung zwischen Marie und Lucie angespannt ist, weil die Tochter den künftigen Ehemann ihrer Mutter nicht mag, dessen Ehefrau nach einem Selbstmordversuch im Koma liegt. Doch Marie vermutet, dass mehr dahintersteckt und Ahmad nutzt seinen guten Draht zu Lucie, die Gründe für ihr Auftreten herauszufinden.

Wie schon in Asghar Farhadis Kinoerfolg von 2011 ist auch hier die Familie die Keimzelle in seiner Geschichte. Der in französischer Sprache gedrehte "Le Passé" erzählt eine Geschichte, in der die Vergangenheit eine Rolle spielt, deshalb hat Farhadi eine Stadt wie Paris inspiriert, die die Vergangenheit ausstrahlt und dennoch wollte er keine historische Pariser Architektur als Abbild missbrauchen, weshalb er entschied, die Hauptpersonen in einem Haus in der Vorstadt agieren und Paris nur im Hintergrund erscheinen zu lassen. Für die Hauptrolle der Marie wählte Farhadi Bérénice Bejo aus, weil er von ihrer Darbietung in "The Artist" begeistert war und ihre Wesenszüge, die Cleverness und positive Energie ausstrahlen, in ihr jemand Reizvolles erkennen lassen, dem das Publikum gerne zusieht. Dennoch malträtierte der akribische Farhadi die talentierte Miss Bejo und stopfte ihr bei einem Casting sogar Watte in den Mund, weil er nicht gleich den für den Film benötigten Zweifel in ihrem Gesichtsausdruck entdecken konnte. Seine anderen beiden Hauptdarsteller fand er in dem aus "Ein Prophet" bekannten Tahar Rahim und in Ali Mosaffa, bei dem er eine gewisse Selbstzentriertheit in seinem Gesichtsausdruck schätzte. Während in "Nader und Simin" die Kamera noch von Hand gehalten wurde, entschied er sich bei "Le Passé" dagegen, weil die Geschichte ruhiger sein muss, in das Innenleben der Figuren vordringen soll und kein Gefühl der Rastlosigkeit vermitteln sollte.

Der Scheidungsexperte des Autorenkinos Farhadi erzählt in "Le Passé" eine komplexe Geschichte, im Zuge derer der Zuschauer ständig seine Meinung ändert und dessen Figuren ständig in Dilemmas geraten zwischen zwei Optionen wählen zu müssen. Farhadi ist ein Choreograf, der seinen Schauspielern nicht nur die Dialoge, sondern jeden Schritt, jede Geste vorgibt und sein Pedantismus soll beispielsweise dazu geführt haben, dass er auf den Dreh einer zweiminütigen Szene, bei der Mutter und Tochter im Bett liegen und ein paar kurze Sätze sprechen, einen ganzen Drehtag verwendet hat. Das Ergebnis ist ein Film, dem man den Perfektionismus seines Regisseurs anmerkt, weil jede Einstellung optimal umgesetzt erscheint. Auch wenn sich Farhadi selbst nicht als Moralist sieht, ist Moral in seinem Film ein springender Punkt, denn viele zwischenmenschliche Situationen in "Le Passé" fallen unter den moralischen Blickwinkel. Die Personen drücken sich indirekt aus, was Farhadi als Teil seiner iranischen Kultur ansieht, es aber als dramatisches Mittel einsetzt. Mit Ahmad als Katalysator des schwelenden Konflikts betrachtet Farhadi das organische Ganze dieses Patchworks und spürt den innersten Zusammenhängen des menschlichen Zusammenlebens so lange nach, bis der Zuschauer durch die Augen jeder einzelnen seiner Figuren auf das Beziehungsgefüge blicken kann.

Farhadis intensives, hochmoralisches und präzise choreografiertes Melodram "Le Passé" ist anspruchsvollstes Erzählkino, das den Zuschauer ganz diskret mit in das emotionale Innenleben seiner Protagonisten nimmt.

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Bilder © Camino Film