Labor Day

Labor Day (2013), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama / Romanze
Kinostart Deutschland: - Verleih: Paramount Pictures Germany

Labor Day Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Ein heißer Sommer 1987 in New Hampshire – Adele Wheeler (Kate Winslet) lebt seit der Trennung von ihrem Mann mit ihrem 13-jährigen Sohn Henry (Gattlin Griffith) völlig zurückgezogen in ihrem Haus, das sie nur selten verlässt. Am Tag vor dem Labor Day Wochenende kann Henry sie zu einem seltenen Shoppingtrip in einen Supermarkt überreden – nicht ahnend, dass dieser Ausflug ihr Leben für immer verändern wird. Während des Einkaufs wird Henry von einem Fremden angesprochen, der seine Hilfe fordert: Frank Chambers (Josh Brolin) ist ein verletzter Häftling, der auf der Flucht vor der Polizei ist und ein Versteck sucht.

Adele ist hin und her gerissen zwischen Angst und Faszination, gewährt dem Flüchtling aber Zuflucht. Zwischen den beiden entwickelt sich eine faszinierende Anziehung, und völlig überraschend entdecken Adele und Frank verloren geglaubte Gefühle und ihre Leidenschaft für das Leben und die Liebe neu. Henry aber, der sich seit langem eine Veränderung für seine Mutter gewünscht hat, begegnet dieser plötzlich mit Skepsis. Die zerbrechliche Zuneigung zwischen Adele und Frank wird auf eine harte und gefährliche Probe gestellt... es ist die Ruhe vor dem Sturm!


Kate Winslet, Josh Brolin und Tobey Maguire | mehr Cast & Crew


Filmkritik Labor Day

Filmwertung: | 7/10


Blickt man auf das filmische Schaffen des kanadischen Regisseurs Jason Reitman zurück, so kann man als Cineast nur mit der Zunge schnalzen, denn da reihen sich seit 2005 Filme wie "Thank You for Smoking", "Juno", "Up in the Air", "Jeff, der noch zu Hause lebt" und "Young Adult" aneinander, die allesamt auf ihre eigene Art und Weise ein Volltreffer waren. Nun meldet sich der in Montreal geborene Reitman mit seiner neuen Regiearbeit "Labor Day" zurück und liest man sich vorab die Handlung durch, so bemerkt man sofort, dass er mit diesem Drama seine bislang vielleicht schwerste Kost präsentiert.

Im Gegensatz zu seinen bisherigen Filmen, die zwar auch irgendwie geartete Dramen waren, jedoch immer mit einem Augenzwinkern, führt uns Reitman nun in das Jahr 1987 in eine Kleinstadt in Massachusetts, wo die depressive alleinerziehende Mutter Adele (Kate Winslet) und ihr 13-jähriger Sohn Henry (Gattin Griffith) leben. In einem Supermarkt trifft sie eines Tages den verletzten Frank (Josh Brolin), den sie in ihrem Auto und letztendlich auch zu sich nach Hause mitnimmt. Der Fremde mit der Verletzung versteckt sich bei Adele, denn es wird klar, dass er ein entflohener Häftling ist, der von der Polizei gesucht wird. Obwohl sich der Mann als ein zu 18 Jahren verurteilter Mörder entpuppt, entwickelt zwischen ihm und der einsamen Adele schon bald eine besondere Beziehung, aus der Liebe wird. Da auch Adeles Sohn Henry ihn akzeptiert, planen sie, zu dritt nach Kanada zu ziehen. Währenddessen freundet sich Henry mit einem Mädchen an, und da im ach so fürsorglichen Miteinander einer Kleinstadt keinem etwas verborgen bleibt, scheitert der Plan der unbemerkten Abreise von Adele, Frank und Henry.

Jason Reitman, der es bislang wie kaum ein anderer Regisseur vermochte, große Hollywood-Produktionen in das Gewand eines Independant-Filmes zu hüllen, hat sich mit dem Drama "Labor Day" nun an eine Literaturverfilmung gewagt, die auf dem Roman "Der Duft des Sommers" von Joyce Maynard basiert. Der Sohn von "Ghostbusters"-Regisseur Ivan Reitman hatte noch nie Probleme, große Stars für seine Produktionen zu gewinnen und so übernahmen die Hauptrollen nun Josh Brolin und Kate Winslet, die für ihre Darstellung der Adele Wheeler als beste Hauptdarstellerin in einem Drama bei den diesjährigen Golden Globe Awards nominiert war. In Nebenrollen des passend zur Handlung überwiegend in Massachusetts gedrehten, 18 Millionen Dollar teuren Dramas sind zudem "Spider-Man" Tobey Maguire und "Dawson" James Van Der Beek zu sehen.

Der "Labor Day" ist als Tag der Arbeit ein Feiertag und steht in diesem gleichnamigen Film als Synonym für die glückliche Zeit, die der verurteilte Frank Chambers bei der einsamen alleinerziehenden Mutter Adele und ihrem Sohn Henry verbringen durfte. Adeles Blicke sprechen Bände und als Frank in ihrem Haus Zuflucht sucht, spiegeln Kate Winslets Augen mehr ängstliches Staunen wider, als damals vor dem Untergang der "Titanic". Ihr Blick wandelt sich jedoch und lässt mit fortschreitender Dauer eine sich erfüllende Sehnsucht erkennen, als Frank den Hausmann gibt, wischt, kocht, Kuchen backt. Während sich der Zuschauer kurzzeitig in einem klischee-beladenen Werbeclip einer Partneragentur wähnt, steigt für Adele die Hoffnung auf Beendigung ihrer Einsamkeit. Wenn da nicht Franks Vergangenheit wäre. Droht der Film zunächst in Rückblenden zu ertrinken, so geben diese doch zunehmend Aufschluss. Alle Versuche durch Filmmusik eine gewisse Lockerheit zu erzeugen, scheitern letztlich am Ernst der Lage, denn hier geht es um eine sehr verzweifelt einsame Frau, einen Jungen ohne Vaterfigur und einen unglücklich verurteilten Mörder, der beileibe kein schlechter Mensch ist. So wenig man sich anfänglich aufgrund des äußerst unüblichen Kennenlernens in die Emotionalitäten der Protagonisten einfühlen kann, so bitter ist es nachher dann doch, als Adele das Glück wieder entrissen wird. Denn anhand der meisterlichen Mimik Kate Winslets wurde dem Zuschauer längst klar, dass hier nur ein Kampf stattfand, nämlich der von Adele gegen ihre Einsamkeit. Musste sie ihren Weg die meiste Zeit ihres Lebens alleine gehen … Am Ende nicht mehr.

"Labor Day" ist ein Drama über die Sehnsucht nach Zweisamkeit und geht erzählerisch einen ungewöhnlichen Weg, um seine Botschaft anzubringen. In den Augen der herausragenden Kate Winslet erkennt man den seelischen Zustand von Adele.
by André Scheede

Bilder © Paramount Pictures Germany