La grande bellezza

La grande bellezza (2013), Italien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: DCM

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La grande bellezza Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Es ist Sommer. Rom, die „ewige Stadt“, erstrahlt in voller Schönheit. Das Leben von Jep Gamberdella (Toni Servillo) ist purer Genuss: rauschende Feste, Dinner-Partys, schöne Frauen, schillernde Menschen. Er steht kurz vor seinem 65. Geburtstag und scheint das mondäne Leben in vollen Zügen zu genießen. Als erfolgreicher Journalist mit Charme und Charisma krönt er alle angesagten Events der Stadt und feiert ausgelassen mit der High Society Roms.

Doch hinter dem unverbesserlichen Verführer steht ein zynischer Beobachter, der ebenso die Kehrseite, die Leere und Oberflächlichkeit der opulenten Gesellschaft sieht, zu der er selber gehört. Nachdem er vor 40 Jahren einen erfolgreichen Roman geschrieben hat – auf den kein weiterer folgte – stürzte er sich in das mondäne Leben Roms.

Sein Geburtstag, ein rauschendes Fest über den Dächern der Stadt markiert einen Wendepunkt in Jeps Leben. Er sinniert über Vergangenheit und Zukunft, schwelgt in Erinnerungen an seine erste große Liebe und verspielte Chancen und an seine literarische Leidenschaft. Er beschließt, einen neuen Weg ein zuschlagen und sein Leben endlich zu ändern…


Toni Servillo, Carlo Verdone und Sabrina Ferilli | mehr Cast & Crew


La grande bellezza - Trailer


La Grande Bellezza - Offizieller Kino-Trailer


DVD und Blu-ray | La grande bellezza

Blu-ray
La Grande Bellezza - Die große Schönheit (Mediabook) La Grande Bellezza - Die große Schönheit (Mediabook)
Blu-ray Start:
07.03.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 144 min.
DVD
La Grande Bellezza - Die große Schönheit (Mediabook) La Grande Bellezza - Die große Schönheit (Mediabook)
DVD Start:
07.03.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 136 min.

Filmkritik La grande bellezza

Filmwertung: | 9/10


Nachdem „La grande bellezza“ bei den 66. Internationalen Filmfestspielen von Cannes Premiere feierte, kam keine Besprechung ohne den magischen Namen „Fellini“ aus. Und in der Tat: Paolo Sorrentinos sechster Film ist nicht nur eine Hommage an Federico Fellini und das Rom, das er in seinen Werken einst erträumte; Fellinis geradezu beispielloses Füllhorn an Filmen, Figuren und Farben ist von der ersten Szene an allgegenwärtig. Selbstvergessen und schwelgerisch zugleich promeniert die Kamera durch die ewige Stadt und hält Bilder fest, die ebenso wenig mit der Realität zu tun haben wie mit den weichzeichnerischen Postkartenmotiven von Woody Allens durch und durch touristischem Romblick in „To Rome With Love“; es ist das Rom von heute, eingefangen mit dem Kameraauge eines imaginierten Gestern. Ein Kirchenchor intoniert Arvo Pärts „My Heart Is In The Highlands“, ein japanischer Tourist wird von der übergroßen Stadt niedergestreckt. Und dann, nach wenigen Minuten der titelgebenden „großen Schönheit“, befinden wir uns auf einer Dachterrasse mitten in der Altstadt Roms; Sorrentino setzt der Krise, dem maroden Staatshaushalt, dem Gefälle zwischen Arm und Reich zunächst puren Hedonismus entgegen: Die gesellschaftliche Elite hat sich hier versammelt, um gegen die Gewissheit anzutanzen, dass es eben doch ein Morgen gibt. Die Bässe wummern, aus den Lautsprechern ertönt „We No Speak Americano“ von Yolanda Be Cool & DCUP, gleichzeitig der erschreckend profane Soundtrack zur kontrollierten Ausschweifung und augenzwinkernder Kommentar zu jener dezidiert europäischen Kultur, der hier gefrönt wird.

Es ist ein mondänes, schillerndes Panoptikum fellinesker Gestalten, das auf dieser Party das süße Leben feiert; und alle sind sie, in modifizierter Gestalt, vertreten: Die Reisegesellschaft aus „Schiff der Träume“; die Prostituierte aus „Roma“; Onkel Teo aus „Amarcord“, der eines Tages von einem Baum herunterschreit, er wolle eine Frau. Vor allem aber muss man an Marcello Mastroianni denken: In Jep Gambardella, dem Gastgeber und Protagonisten, der sich schließlich aus der tanzenden Menge herausschält, treffen sämtliche Charaktere, die Mastroianni in seiner Karriere unter der Regie Fellinis verkörperte, aufeinander: Marcello Rubini, der zweifelnde Papparazzo aus „La Dolce Vita“; der Filmregisseur Guido Anselmi, Fellinis Alter Ego aus „Achteinhalb“, der vor seiner Schreibblockade zu flüchten versucht und sich in Tagträumen verliert; der lüsterne Snàporaz aus „Stadt der Frauen“. Gambardella steht zwar im Zentrum des Films, fungiert aber, der Erzählstruktur von „La Dolce Vita“ nicht unähnlich, in erster Linie als Dreh- und Angelpunkt, um den herum sich allerlei kleine Geschichten entspinnen, bevölkert von einem Arsenal so skurriler wie trauriger Nebenfiguren; er ist der rote Faden, das verbindende Element in Sorrentinos Film, der sich mit voller Absicht an Fellinis Oeuvre abarbeitet, speziell an „La Dolce Vita“ und „Achteinhalb“; doch Sorrentino weiß: „(...) eine Grundregel besagt, dass man sich Meisterwerke zwar ansieht, sie aber nicht imitiert“. „La grande bellezza“ ist die schönste Hommage an Fellinis reiches Gesamtwerk, die man sich nur vorstellen kann, und steht dabei dennoch auf eigenen Beinen, ist üppig, vielschichtig und absolut frei in seiner Form.

Gambardella ist ein gealterter Journalist. Die Erkenntnis der Banalität seines Daseins hat ihn verbittern lassen; auf der Suche nach der verlorenen Zeit flaniert er durch die Straßen und Gassen Roms, trifft auf alte Freunde und verdrängte Erinnerungen. Toni Servillo, den Sorrentino bereits zum fünften Mal besetzte, spielt ihn nicht nur mit umwerfendem Charisma, sondern auch mit der gebotenen Melancholie eines Mannes, der darum weiß, dass seine besten Zeiten hinter ihm liegen. „La grande bellezza“ bewegt sich ständig zwischen diesen beiden Polen, erzählt zur gleichen Zeit von der Party und ihrem Ende. Manchmal kaum zu bändigen in seiner Wildheit, dann wieder geprägt von der Tragik einer zu Ende gehenden Ära - auf der Tonspur wechselweise begleitet von trivialer Popmusik und Chorälen von sakraler Anmut. „Rom ist ein riesiger Friedhof, der vor Leben strotzt“, hat Fellini einst gesagt. Davon handelt Sorrentinos vielleicht „italienischster“ Film bislang, nachdem er mit „Cheyenne – This Must Be The Place“ kurzzeitig in Hollywood aktiv war (und bemerkenswerterweise dennoch seine Handschrift behielt); ein Film voller Leere, der trotzdem förmlich übersprudelt, wie das Milieu und die Stadt, die er porträtiert. „La grande bellezza“ ist nicht Sorrentinos Imitation eines Meisterwerkes; „La grande bellezza“ ist Sorrentinos Meisterwerk.
by Siegfried Bendix

Bilder © DCM


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