Knight of Cups

Knight of Cups (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama / Romanze
Kinostart Deutschland: - Verleih: StudioCanal

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Knight of Cups Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Hollywood – die Stadt der Träume und eine Welt, in der Illusionen verkauft werden. Mittendrin Rick, der auf der Suche nach dem tieferen Sinn des Lebens und der echten Liebe ist. Doch immer wieder läuft er Gefahr, den Verführungen von Ruhm und Exzess zu verfallen.

Nach „To the Wonder“ nimmt sich Meisterregisseur Terrence Malick in seinem neuen Film dem Mythos von Hollywood, seinem Glücksversprechen und den Ausschweifungen der Celebrity-Kultur an. Die Stars wissen seine ungewöhnliche, assoziative Arbeitsweise zu schätzen und so konnte Malick eine hochkarätige Besetzung vor die Kamera holen. Allen voran die Oscar-Preisträger Christian Bale („Batman“, „American Hustle“), Natalie Portman („Black Swan“, „Thor“) und Cate Blanchett („Blue Jasmine“, „Monuments Men“). In weiteren Rollen sind Antonio Banderas („The Expendables 3“), Freida Pinto („Slumdog Millionär“), Imogen Poots („A Long Way Down“) und Armin Müller-Stahl („Illuminati“) zu sehen.


Christian Bale, Natalie Portman und Imogen Poots | mehr Cast & Crew


Knight of Cups - Trailer


Knight of Cups - Trailer


DVD und Blu-ray | Knight of Cups

Blu-ray
Knight of Cups Knight of Cups
Blu-ray Start:
14.01.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 118 min.
DVD
Knight of Cups Knight of Cups
DVD Start:
14.01.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 113 min.

Filmkritik Knight of Cups

Filmwertung: | 9/10


Mit „Knight of Cups“ präsentiert Filmpoet Terrence Malick nach bereits fünf Jahrzehnte andauernden Schaffensphase seinen erst siebten Spielfilm. Der womöglich am heißesten erwartete Film der 65. Berlinale ist allerdings bereits Malicks dritter Film in nur vier Jahren und sein freifließender, assoziativer Erzählstil erreicht wohl hier seinen bisherigen Höhepunkt. Keine Frage, der Macher von gefeierten Filmkunstwerken wie „Badlands“, „Der schmale Grat“ und „The Tree of Life“ hat schon immer fasziniert, aber vor allem auch polarisiert. Wer mit seinem stilistisch einzigartigen Werk bisher nichts anfangen konnte, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch von „Knight of Cups“ kalt gelassen werden. Malick folgt hier keiner Handlung im traditionellen Sinne, eine erzählerische Struktur ist auch kaum erkennbar. Viel mehr ist „Knight of Cups“ ein collagenartiges, abstraktes audiovisuelles Gedicht, in dem eine enorme Vielfalt an Bildeindrücken und philosophischen und spirituellen Gedanken umher fließen. Was das Ganze letztlich bedeutet, lässt sich höchstens oberflächlich beantworten. Ohne Zweifel fordert Malick einiges vom Zuschauer ab und es kann gut sein, dass man hier einfach auf der Strecke bleibt. Oder aber man wird von den traumartigen Bildern aufgesogen und lässt sich einfach treiben. „Knight of Cups“ ist durch und durch ein Kunstwerk und die kompromisslose Vision eines einzigartigen Filmdenkers, der keinerlei an herkömmlichen Konventionen interessiert ist.

Im Mittelpunkt des Films steht Rick (Christian Bale), ein erfolgreicher Hollywood-Drehbuchautor. Er befindet sich scheinbar in einer Sinnkrise, sucht nach einer Bestimmung, einem Platz im Leben. Er treibt umher durch die dekadente Scheinwelt der Glanz und Glamour Welt von Hollywood, wird verfolgt von den Geistern seiner Vergangenheit, u.a. von seinem Vater (Brian Dennehy) und seiner Ex-Frau (Cate Blanchett). Rick gibt sich einem ausschweifend hedonistischen Lebensstil hin, wandelt von einem Partyexzess zum nächsten. Er trifft dabei auf eine Reihe von Frauen, die in sein Leben treiben und auch schnell wieder verschwunden sind. Obwohl Rick scheinbar alles hat und alles haben kann, fühlt er eine innere Leere, eine Rastlosigkeit, er wirkt wie betäubt. In ihm ist eine große Sehnsucht nach etwas nicht Greifbarem und „Knight of Cups“ folgt ihm auf seiner Suche nach Wahrheit.

Wer „Knight of Cups“ rational verstehen und nach konventionellen Maßstäben beurteilen will, wird vermutlich nur wenig Freude an diesem sehr anspruchsvollen Film haben. Viel mehr ist Malicks Film eine Erfahrung, auf die man sich einlassen, von der man sich mitreißen muss. Dialoge gibt es kaum in dem Film, die Figuren, vor allem Rick, der praktisch in jedem Bild ist, wandeln umher und sinnieren über das Leben. Das geschieht Malick-typisch zumeist in Form von Erzählstimmen, die wie üblich als innerer Monolog funktionieren. Diese Monologe sind quasi omnipräsent, doch wer Malicks Werk kennt, weiß, was auf ihn zukommt. Die Gedanken, die hier vermittelt werden, sind gewohnt komplex und stark philosophisch angehaucht, weshalb die tiefgehende Bedeutung der Worte hier und da schon mal nur schwer greifbar ist. Das kann anstrengend und im schlimmsten Fall sogar prätentiös wirken, doch dankbarerweise wird der Film primär durch seine überwältigenden, kraftvollen Bilder und die beruhigend-mitreißende klassische Filmmusik getragen, weshalb hier ein atemberaubender Sinneseindruck entsteht. So entsteht eine assoziative Erfahrung, bei der der aufgeschlossene Zuschauer einen Sinn zumindest erspüren kann. So wird man quasi eins mit Rick, der bekanntlich ebenfalls nach einem Sinn sucht. Man muss im Dialog mit dem Film sein, aktiv daran teilnehmen, das Gesehene und die Bedeutung für sich interpretieren. Was man hier mitnimmt, kann somit ein sehr individueller Eindruck sein.

„Knight of Cups“ besteht im Grunde aus einer Ansammlung von einzelnen Momenten, die ohne eindeutig erkennbaren Zusammenhang aufeinander folgen. Malick unterteilt den Film in nach Tarot-Karten benannte Kapitel, die sich „The Moon“, „The Hanged Man“, „The Hermit“ oder „The High Priestess“ nennen. Trotz dieser Gliederung wird hier nicht für mehr Klarheit gesorgt, die Bedeutung der Titel wird beim Ansehen des Films auch nicht wirklich deutlich, wodurch sich die Konfusion der Zuschauer nur steigern kann. Der Film bietet eine enorme visuelle Vielfalt, ist dank ständig wechselnder Orte voller Abwechslungsreichtum. Emmanuel Lubezkis Kamera schwebt in Malicks bekanntem Stil um die Figuren umher, ist immer in Bewegung. Neben immer wiederkehrenden Aufnahmen von Stränden und dem Ozean, kargen Wüstenlandschaften, neondurchfluteten Straßen von L.A. und der ewigen Weite von Landstraßen besucht Rick unter anderem ausschweifende Hollywood-Partys, Stripclubs, High-End Fotoshootings, Filmstudios, Hinterhöfe und Gassen, Luxus-Shoppingmeilen, Kunstinstallationen und einen japanischen Garten. Zudem befindet sich Rick immer wieder in seinem minimalistisch eingerichteten Apartment und in schicken Hotelzimmern und Villen, die aufgrund viel Glas und glatten Oberflächen einen kühlen Kontrast zu den zahlreichen Naturaufnahmen darstellen. Das ist wohl nicht zufällig, denn gerade die Gegensätzlichkeit und das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur ist ein immer wieder kehrendes Thema in Malicks Werk und ist auch hier sehr präsent.

Aber Malick ist nicht nur von der Vielfalt moderner Architektur fasziniert, er bevölkert seinen Film mit einer Vielzahl an wunderschönen Frauen, die Kamera ergötzt sich an ihren oft nur knapp oder gar nicht bekleideten perfekten Körpern, aber auch an Nahaufnahmen ihrer makellosen Gesichter. So ist „Knight of Cups“ oft auch eine erotische und sinnliche Erfahrung, die die verführerische Luxuswelt, die Rick umgibt, in aufgeladenen Bildern illustriert. Ricks Suche nach Liebe ist sicher ein Schlüsselelement des Films. Malick präsentiert unterschiedliche, aber kaum greifbare Frauentypen, die alle etwas in Rick auszulösen scheinen, letztlich aber meist ohne erkennbaren Konflikt oder dramatische Konfrontation wieder aus seinem Leben verschwinden. Cate Blanchett tritt in den emotionaleren Momenten des Films als Ricks Ex-Frau Nancy auf, weitere kurze Liebschaften hat Rick mit Schauspielerin Della (Imogen Poots), dem Model Helen (Freida Pinto), der Stripperin Karen (Teresa Palmer), der verheirateten Elizabeth (Natalie Portman) und Isabel (Isabel Lucas). Ein weiterer thematischer Komplex ist Ricks konfliktreiche Beziehung zu seinem Vater und seinem Bruder (Wes Bentley), die in völlig unterschiedlichen Umständen leben und von denen sich Rick scheinbar entfremdet hat. Wie in Malicks Filmen üblich, treten eine Reihe bekannter Gesichter auf, die oft regelrecht nur kurz durchs Bild huschen, u.a. Antonio Banderas, Armin Müller-Stahl, Cherry Jones, Jason Clarke, Joel Kinnaman, Nick Offerman, Michael Wincott, Ryan O’Neal und viele andere Akteure. Besonders eine ausschweifende Hollywood-Party wartet mit einer Vielzahl von Cameos auf.

Erneut muss hier unterstrichen werden, dass der Film objektiv kaum zu bewerten ist. Es handelt sich um eine einzigartige Erfahrung, die den Einen stimuliert und den Anderen zu Tode langweilt. Dennoch ist es offensichtlich, dass der Film über eine große thematische Vielfalt und tiefgreifende philosophische Gedanken verfügt, aber wie Christian Bale bei der Berlinale Pressekonferenz festgestellt hat, wissen nicht mal die Darsteller von was „Knight of Cups“ handelt. Welche Bedeutung der Film hat, muss man letztlich, wenn man sich auf diese Reise wagt, für sich selbst entscheiden. Ein eindeutiger Sinn ist jedenfalls nur schwer auszumachen, die Charaktere bleiben vage und entwickeln sich nicht wirklich. Es ist ein Film der Momentaufnahmen und Schnappschüsse, die einfach irgendwann ohne wirkliche Auflösung enden. Dem Film fehlt es zudem an erzählerischem und thematischem Fokus, wie er in Malicks früheren Filmen durchaus erkennbar war. An und für sich kann das nicht funktionieren, doch Malick ist hier ein weiteres einzigartiges und schwieriges Filmkunstwerk gelungen, das sich mit nichts Anderem außer seinem eigenen Werk vergleichen lässt. Auch wenn man sich über Malicks philosophische und spirituelle Ergüsse und den Sinn des Films streiten kann, „Knight of Cups“ ist ein wunderschön anzusehender Film, dessen eindringliche, umher schwebende Bilder eine traumartige Wirkung erzeugen. Hier ist nichts von Bestand, die Zeit und Erinnerungen verschwimmen einfach und man kann sich einfach mit diesem beruhigenden, meditativen Bildfluss treiben lassen.


Fazit:
„Knight of Cups“ ist der abstrakte Höhepunkt in Terrence Malicks unkonventioneller Schaffensphase, ein impressionistisches Filmgedicht ohne erkennbare Handlung und greifbaren Figuren. Die sinnlichen Bilder erzeugen aber eine traumartige Wirkung, bei der man sich einfach treiben lassen kann. Eine besondere Erfahrung.
by

Bilder © StudioCanal