Kleine Germanen

Kleine Germanen (2018), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Dokumentation
Kinostart Deutschland: - Verleih: Little Dream Entertainment GmbH

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Inhalt

KLEINE GERMANEN macht auf ein kaum aufgearbeitetes Problem unserer Gesellschaft aufmerksam, das mit Blick auf die rechten Gewaltausschreitungen der letzten Zeit aktueller denn je ist: Kinder, die in einem demokratiefeindlichen Umfeld aufwachsen und nach dogmatischen Prinzipien rechtsextremer Ideologie erzogen werden.
Der Dokumentarfilm blickt aber auch über die traditionellen Strukturen rechtsextremer Gruppierungen hinaus in einen Teil unserer Mittelstandsgesellschaft, der immer stärker von rechtspopulistischen Strömungen geprägt ist – und konfrontiert den Betrachter mit Protagonisten, die ihre Kinder im Geist einer demokratiefeindlichen Welt erziehen. Die Animationsgeschichte zieht sich als „roter Faden“ durch den Film und erzählt das tragische Leben der persönlich betroffenen Elsa nach: Als Kind hat sie mit dem geliebten Opa Soldat gespielt. Mit ausgestrecktem rechten Arm hat sie „Für Führer, Volk und Vaterland!“ gerufen und war ganz stolz darauf. Heute blickt sie auf eine Kindheit zurück, die auf Hass und Lügen gebaut war und versucht zu verstehen, was diese Erziehung aus ihr und ihren eigenen Kindern gemacht hat.




Kleine Germanen - Trailer




Filmkritik Kleine Germanen

Filmwertung: | 7/10


„Kleine Germanen“ ist ein Dokumentarfilm über die Auswirkung der Erziehung von Rechtsextremisten. In Interviews erzählen aktive und ehemalige Rechtsextremisten, sowie Pädagogen und Wissenschaftler über etwaige Vor- und Nachteile der Erziehung, sowie über ihre ganz persönlichen Ideologien. Ein großer Teil der Doku ist komplett animiert und zeigt das fiktive Leben von Elsa, welche durch ihren Großvater und anderen Einflüssen selbst zur Rechtsextremistin wurde.

Szene aus Kleine Germanen
Szene aus Kleine Germanen © Little Dream Entertainment
Der größte Streitpunkt bei dieser Dokumentation ist, dass sie überhaupt nicht wertet. Es werden verschiedene Vertreter der rechten Szene gezeigt, welche aus ihrem Leben erzählen. Dabei bekommen sie aktiv keine Fragen gestellt, sondern erzählen von sich heraus über ihre Kindheit, den Umgang mit ihren Ideologien, mögliche Begegnungen mit der Polizei und Erziehung von ihren eigenen Kindern. Da der Film alles ganz neutral zeigt, entwickeln sich die Interviewpartner sehr eigen. Manche scheinen von Grund auf symphytisch zu sein, obwohl sie voller Hass sind und einige sind gerade durch ihren Hass sehr abstoßend. Eine Frau erzählt beispielsweise sehr offen darüber, wie sie als Kind behandelt wurde. Für jeden Zuschauer klingt das sehr hart, aber sie erzählt es mit einer derartigen Freunde, sodass man viel Empathie aufbringen muss, um ihr weiter zu folgen. Generell ist Empathie bei diesem Film das A und O. sobald man diesen Menschen nicht mehr zuhören kann, ergibt diese Doku keinen Sinn mehr, da größtenteils von den aktiven Rechtsextremisten Input kommt. Der Film verlangt vieles. Vor allem aber Durchsetzungsvermögen. Die Regisseure Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger verfolgen keiner Chronologie. Außer bei der animierten Erzählung, welche ab und zu eingeworfen wird, wird ein grober Handlungsstrang verfolgt. Dort erfährt man vieles über das Leben von Elsa, welche erst durch ihren Großvater rechtextreme Einflüsse erhalten hat und dann durch Freunde in der Schule sich einer rechtsextremen Partei angeschlossen hat. Im späteren Verlauf wird ihre Ehe, ihre beiden Kinder und der Ausstieg aus der Partei beschrieben, welche allerlei Gefahren mit sich bringt. Leider bricht der animierte Teil die Doku.

Szene aus Kleine Germanen
Szene aus Kleine Germanen © Little Dream Entertainment
Hatte man sich nur auf die Gesprächssituationen beschränkt, würde die Doku zu einem besseren Ende finden. Nach diesem Ende wirkt das Ganze eher erzwungen und der Teil mit den Interviewten fällt nicht mehr so ins Gewicht. Ein Aspekt, der auch zu vernachlässigt wurde, sind die Aussteiger aus der rechten Szene. Man erfährt zwar Einiges von ihren Beweggründen, allerdings nichts über ihre Anfänge und ihr weiteres politisches Leben. Die Rolle der Pädagogen und Wissenschaftler ist sogar eher störend, da sie versuchen das Ganze auf einem sehr niedrigen Niveau zu erklären und daher fühlt man sich als Zuschauer zum einen unterfordert und zum anderen trägt das nichts Wertvolles zur Doku bei.


Fazit:
„Kleine Germanen“ ist eine brutal ehrliche und nicht-wertende Dokumentation über Kinder, welche von Rechtsextremisten erzogen wurden und dadurch selbst zu Rechtsextremisten wurden. Teilweise erzählt die Dokumentation das Leben von Elsa, allerdings sind diese Erzählungen komplett animiert, weswegen die Dokumentation die Spannung und den erzählerischen Informationsgehalt ständig bricht.
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Bilder © Little Dream Entertainment GmbH