Jonathan

Jonathan (2016), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Farbfilm

-> Trailer anschauen

Jonathan Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der 23-jährige Jonathan pflegt seit Jahren seinen schwerkranken Vater Burghardt und bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Tante Martha den Bauernhof der Familie. Die Pflege des Vaters, die Organisation des Hofes und die schwere Arbeit auf dem Feld bestimmen seinen Alltag. Das Verhältnis zwischen Martha und Burghardt ist angespannt, jahrelang haben sie kein Wort miteinander gewechselt.
Dass Burghardt keine Nähe zulassen kann und Jonathans Fragen zum frühen Tod seiner Mutter stets unbeantwortet lässt, macht die Situation nicht einfacher. Jonathan spürt, dass etwas zwischen ihnen steht, kann die Mauer zu seinem Vater aber nicht durchdringen.
Da sich Burghardts Zustand zusehends verschlechtert, stellt Martha die Pflegerin Anka ein, die Jonathan mit ihrer Offenheit verzaubert. Er ist fasziniert von der Leichtigkeit, mit der Anka den essenziellen Fragen des Lebens begegnet und verliebt sich Hals über Kopf.
Als Burghardts verschollen geglaubter Jugendfreund Ron auftaucht, blüht Jonathans Vater regelrecht auf. Für Jonathan ist Ron jedoch ein Eindringling. Seine Abneigung verstärkt sich, als er nach und nach mehr über eine Vergangenheit erfährt, von der er nichts ahnte. Ein lange verborgenes Familiengeheimnis stellt das Vater-Sohn-Verhältnis vor eine Zerreißprobe.
Langsam versteht Jonathan, dass er seinen eigenen Weg finden muss – und Lieben auch bedeutet, loslassen zu können.


Jannis Niewöhner, André Hennicke und Julia Koschitz | mehr Cast & Crew


Jonathan - Trailer




DVD und Blu-ray | Jonathan

Blu-ray
Jonathan Jonathan
Blu-ray Start:
21.04.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 99 min.
DVD
Jonathan Jonathan
DVD Start:
21.04.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 95 min.

Filmkritik Jonathan

Filmwertung: | 4/10


Hier kommt ein Film ins Kino, der mit Förderung gefüttert und mit Preisen und Auszeichnungen reichlich belohnt ist. Ein besonders wertvoller Film ist es also in den Augen jener, die tun und entscheiden. Welcher zudem noch auf einer wahren Begebenheit basiert. Jonathan SzenenbildBei dieser Geschichte, die vermeintlich aktuell und wichtig zu erzählen ist, bespiegelt sich die Perfektion konsequent befolgter Linie selbst und lässt keinen Platz für den Zuschauer. Ob das Problem an der eigentlichen Story oder doch eher an dem Wie der Ins-Bild-Setzung liegt – in dem gutgemeinten Jonathan findet sich bitterwenig zum Anfassen und Festhalten.
v Es fängt mit einem Regenschauer an, wir sind im Wald, das Grün der Bäume und des Moorbodens ist satt und schön. Ein älterer Mann ist sichtbar krank und zittert, ein junger Mann findet ihn und nimmt ihn aus dem Wald heraus mit ins Trockene. Die beiden sind Vater und Sohn – auf den ersten Blick könnte es noch etwas werden. Man wünscht sich mehr von dem Wald. Jetzt sind wir aber in einem nahgelegenen Landhaus und erfahren, dass der Vater (André M. Hennicke) sich seiner Krebserkrankung nicht mehr widersetzen mag und dass der Sohn Jonathan (der aufkommende Star Jannis Niewöhner) sich stur weiter um ihn kümmert. Er steht als erster auf und macht abends das Licht aus – ein guter Junge, und schöne Lampen basteln tut er auch noch. „Wie war Mama eigentlich so?“ Papa Burghardt weicht aus: „Es ist lange her“. Ein Familiengeheimnis.

Martha (Barbara Auer), die Schwester von Burghardt, widersetzt sich der vollkommen natürlichen Neugier ebenfalls, ihrerseits mit der Verbissenheit einer starken und zähen Bäuerin, bei der sich abends Tränen mit dem Schnaps in einem Glas vermischen. Martha und Burghardt reden nicht miteinander. Jonathan SzenenbildFür alle, die zwischendurch abgelenkt waren, noch einmal – ein Familiengeheimnis.

In das triste Bauernhof-Ensemble kommt bald die Pflegerin Anka dazu, und wie sie kommt! Wie sie in dem sanften Licht des Abends auf einmal da ist, wie sie die Zunge über das Papier ihrer Selbstgedrehten führt und wie sie diese dann cool an der Lampe des laufenden Diaprojektors anzündet. Das unerträglich Romantische der Darstellung überlässt Jonathan nichts anderes, als sich aufrichtig zu verlieben. Anka ist nicht nur dafür da, um Burghardt zu pflegen und Jonathans Freizeit – Zitat! – abwechslungsreicher zu machen. Sie ist eine Art Meta-Instanz, durch die hindurch der Filmemacher Piotr Lewandowski (Buch und Regie) uns wissen lässt, dass Sterben auch Teil des Lebens ist, und dass man, wenn man sterben will, das Leben zulassen muss. Doch das Familiengeheimnis erlaubt allen jetzt erst einmal nicht loszulassen. Darum muss Ron in die Story, ein Freund aus alten Zeiten, gutaussehend, in einer Lederjacke. Als Ron und Burghardt etwas später in einer Szene einen Italo-Schlager von Toto Cutugno zu singen versuchen, fragt man sich, ob das biedere Lasciate mi Cantare-Lied für die Wiederkehr des Verdrängten steht, oder einfach nur dafür, dass es dem Burghardt nach Rons Erscheinung körperlich und seelisch merklich besser geht. In jedem Fall ist alles bis zu diesem Punkt und weiter bis zum Ende vorhersehbar, lustlos, bestenfalls großspurig, in Kurzsynopsis auf jeden Fall auch schon auserzählt. Keine Widerstände im Bild, keine Knicks, kein einziger Stolperer. Das versprochene Familiengeheimnis platzt nicht wie ein Abszess, sondern zeigt sich überdeutlich und langsam um die Ecke.
In Jonathan sieht man, wie sich ein Schmetterling im Spinnengewebe verfängt und wie ein Schmetterling sich an dem Irrlicht der Lampe verbrennt. Jonathan SzenenbildZugegeben macht sich ein Landhaus gut als netter Filmschauplatz. An dem Gesicht von Jannis Niewöhner bleibt der Film regelrecht kleben. Die Kamera filmt durch Barbara Auers lockiges Haar auf die sich öffnenden Aufzugtüre hin und von unten auf den fallenden Regen hinauf – vielleicht ist das Ganze einfach zu schön. Selbst der Kuhmist schaut in Jonathan hübsch aus. Und gerade bei Barbara Auer erinnert man sich doch vielleicht, wie nervös und böse sie mal in Die innere Sicherheit rauchte.

Als alles vorbei ist, fahren Jonathan und Martha zusammen aus dem „Funkloch“ in ihre normierte Hetero-Zukunft dahin. Die Sonne im Zugfenster geht auf oder unter – kameratechnisch egal.


Fazit:
Sobald sich im Kino ein Bildungsauftrag klar macht, kann er dann noch anders als scheitern? Ein wenig Subtilität hätte dem Film gut getan. Jonathan ist kein schönes Stück Kino, obwohl er es nur zu gern wäre.
by

Bilder © Farbfilm