Joker

Joker (2019), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller / Fantasy
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

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Inhalt

Für immer allein in der Menge, sucht Arthur Fleck nach Anschluss. Doch während er die verrußten Straßen von Gotham City durchstreift und mit den graffitiverschmierten Zügen des Transitverkehrs durch eine feindselige Stadt voller Spaltung und Unzufriedenheit fährt, trägt Arthur zwei Masken. Die eine malt er sich täglich für seine Arbeit als Clown auf. Die andere kann er niemals ablegen; sie ist die Verkleidung, die er trägt, in seinem vergeblichen Versuch, sich als Teil der Welt um ihn herum zu fühlen und nicht wie der missverstandene Mann, den das Leben immer wieder niederstreckt. Aufgewachsen ohne Vater, hat Arthur eine zerbrechliche Mutter, zweifellos seine beste Freundin, die ihm den Kosenamen Happy gab. Dieser Spitzname brachte in Arthur ein Lächeln hervor, das allen Schmerz dahinter zu verbergen weiß. Doch jedes Mal, wenn er von Teenagern auf der Straße drangsaliert, von Anzugträgern in der U-Bahn verspottet oder einfach nur von seinen Arbeitskollegen gehänselt wird, entfernt sich der soziale Außenseiter einen Schritt weiter von seinen Mitmenschen.

Joaquin Phoenix, Robert De Niro und Zazie Beetz | mehr Cast & Crew


Joker - Trailer




Filmkritik Joker

Filmwertung: | 10/10


Der Hangover Regisseur Tod Philips liefert uns nun mit „Joker“ den ersten Solo-Film über den berühmtesten Comicbösewicht der Filmgeschichte. Damit tritt zugleich Joaquin Phoenix in die großen Fußstapfen von unter anderem Jack Nickolson und Heath Ledger. Doch zeitgleich zum US Kinostart gibt es auch viele besorgte Meinungen, dass der Film für potentielle Gewaltakte sorgen könnte. Ob der Film wirklich so gefährlich ist und ob sich die Neuinterpretation lohnt, erfahrt ihr nun in meiner Kritik.

Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) lebt zusammen mit seiner kranken Mutter in der Stadt Gotham City und verdient sein Geld als Clown, welcher Lachen und Freude in die sonst so düstere Welt bringen soll. Dabei muss er jedoch an eigener Hand erfahren, dass in diesen Zeiten Wut und Hass überwiegen. So wird er permanent ausgegrenzt und psychisch misshandelt. Dabei beginnt sein Verstand langsam immer mehr in den Wahnsinn abzudriften. Sein einziger Ankerpunkt zur Gesellschaft bleibt dabei der berühmte Talkshowhost Murray (Robert De Niro), welcher Arthur verehrt und seine Nachbarin Sophie (Zazie Beetz). Zeitgleich beginnen dabei auch viele wütende und besorgte Bürger mit Clownsmasken gegen die Oberschicht, welche durch den amtierenden Bürgermeister Thomas Wayne (Brett Cullen) repräsentiert wird, zu protestieren. Es liegt nun an Arthur, seinen Platz in dieser kaputten Welt zu finden…

JOAQUIN PHOENIX als Arthur Fleck
JOAQUIN PHOENIX als Arthur Fleck © Warner Bros. Entertainment / DC Comics
Um direkt auf die eingangs gestelle Frage bezüglich der Gewalt zurückzukommen, kann man deutlich sagen, dass „Joker“ in keinster Weise die Grenzen der Moral mehr überschreitet als manch andere Genrevertreter. Denn auch wenn der Film nie zimperlich damit umgeht, wird diese zu keinem Zeitpunkt glorifiziert. Mehr liegt es an dem Zuschauer selbst, diese einzuordnen. Viel schockierender ist hingegen, mit welchem Realismus der Regisseur Todd Philips an die Sache heran geht. Auch wenn es sich auf den ersten Blick um einen Comicfilm handelt, gibt es bis auf die Figuren keine Gemeinsamkeiten mit diesem Genre. Vielmehr ist „Joker“ eine düstere und dreckige Charakterstudie, welche uns die tiefsten Abgründe einer gestörten Persönlichkeit zeigt.

ROBERT DE NIRO als Murray Franklin und JOAQUIN PHOENIX als Joker
ROBERT DE NIRO als Murray Franklin und JOAQUIN PHOENIX als Joker © Warner Bros. Entertainment / DC Comics
Und dies liegt zu allererst an der großartigen Performance von Joaquin Phoenix, welcher den Joker zu jedem Zeitpunkt perfekt porträtiert. Dabei hat dieser sogar über 23 Kilo für seine Rolle abgenommen, um Arthur Fleck noch glaubwürdiger spielen zu können. Phoenix gelingt dabei wunderbar die Verwandlung von ehemaligem Straßenclown zum Joker. Dabei brilliert er besonders in den stillen und ruhigen Momenten, in welchen er schon mit kleinster Mimik Emotionen herüberbringt. Auch wenn ein Vergleich mit den restlichen Inkarnationen des Jokers nicht fair ist, kann man dennoch sagen, dass man sich nach dem Film niemand anderen in der Rolle vorstellen kann.
Genau wie Joaquin kann auch Robert De Niro hervorragend überzeugen. Dieser spielt den Talkshowmoderater Murray mit einer für ihn etwas ungewohnten Leichtigkeit, wodurch dieser ein perfektes Äquivalent zum Joker darstellt. Dabei funktionieren auch Murrays flotte Sprüche gut, welche De Niro sehr humorvoll dem Zuschauer rüberbringt. Alles in allem kann der Cast daher vollends überzeugen.

JOAQUIN PHOENIX als Arthur Fleck
JOAQUIN PHOENIX als Arthur Fleck © Warner Bros. Entertainment / DC Comics
Die Geschichte beginnt dabei vergleichsweise eher ruhig und nimmt im Laufe der Handlung immer mehr an Fahrt auf. So lernen wir zuerst Arthur sowie sein Umfeld kennen. Dem Film gelingt es dabei, trotz des langsamen Tempos, den Zuschauer direkt in seinen Bann zu ziehen. So tauchen wir erst mit der Zeit immer mehr in die tiefen Abgründe von Gotham ein. Langeweile tritt dabei nie auf , da uns das Drehbuch immer neue Facetten von Arthur liefert. Die Handlung wird dabei nie repetitiv. Ohne zu viel zu Spoilern kann man jedoch sagen, dass sich die Handlung im letzten Drittel erst richtig entfaltet. Ab dort nimmt das Tempo auch immer mehr an Fahrt auf, wodurch die Spielzeit von rund 2 Stunden wie im Flug vergeht. Auch wenn die Story für eine „Comicverfilmung“ mit die größte Innovation der letzten 20 Jahre bietet, muss man dennoch erwähnen, dass sich viel an dem Klassiker „Taxi Driver“ von Martin Scrorsese bedient wird. Dies beginnt schon bei dem Setting, sowie den beiden Protagonisten. Für die meisten sollte dies kein Problem darstellen, jedoch sollten sich Kenner von letzterem auf viele Parallelen während der Handlung einstellen.

ZAZIE BEETZ als Sophie Dumond
ZAZIE BEETZ als Sophie Dumond © Warner Bros. Entertainment / DC Comics
Technisch gesehen kann der „Joker“ komplett überzeugen. Auch wenn das Seitenverhältnis der Kamera von 16:9 zuerst etwas gewöhnungsbedüftig ist, ziehen einen die Bilder vom Kameramann Lawrence Sher schnell in einen Bann. Auch die gesamten Kulissen lassen das Feeling der 80er Jahre von New York hervorragend aufleben. Untermalt wird dies mit einem minimalistischen Soundrack der Komponistin Hildur Guonadottir, welcher die Handlung gut untermalt.


Fazit:
„Joker“ gehört mit seiner packenden Handlung sowie den hervorragenden Charakteren zu den Highlights 2019, welche einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Dies liegt besonders an der oscarreifen Darbietung von Joaquin Phoenix, welcher komplett in seiner Rolle aufgeht. Auch der komplett neue Ansatz einer Comicverfilmung weiß konstant zu überzeugen und lässt einen durchgehend angespannt im Kinosessel sitzen. Der Film ist daher eine uneingeschränkte Empfehlung für alle, die der Trailer mindestens minimal angesprochen hat. Es gibt daher keine Entschuldigung, sich dieses Comicmeisterwerk nicht auf der großen Leinwand anzugucken.
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Bilder © Warner Bros.