Jasmin

Jasmin (2011), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Camino Film

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Inhalt

JASMIN ist das sprachliche Duell zweier Frauen, ein Kammerspiel in seiner reinsten Form: Zwei Frauen in einem Raum. Vier Tage. Exploration. Jasmin (Anne Schäfer) hat unfassbare Schuld auf sich geladen. Jetzt sitzt sie Dr. Feldt (Wiebke Puls), Ärztin der Psychiatrie, gegenüber. Wir gehen mit Jasmin auf eine Reise ins Herz der Finsternis: sie wird sich öffnen und erzählen, berichten, warum sie ihr eigenes Kind umgebracht hat, warum sie sich selbst töten wollte, warum sie mit ihrem Leben am Ende war. Dr. Feldt hört zu, stellt Fragen. Dass Feldt selbst ein Geheimnis mit sich trägt, scheint Jasmin zu ahnen. Im Verlauf der vier Tage kommen sich die beiden näher.

Anne Schäfer, Wiebke Puls und | mehr Cast & Crew


Jasmin - Trailer




Filmkritik Jasmin

Filmwertung: | 6/10


Nahezu täglich erfahren wir aus den Medien von grausamen Taten, die Kindern angetan werden. Wenn eine Mutter ihr Kind tötet ist die mediale Darstellung der unmenschlichen Tat einer Bestie von Rabenmutter immer die Nahe liegende. Das Geschehene ist nach gesellschaftlichen Gesichtspunkten derartig inakzeptabel und verurteilenswert, dass die Täterperspektive mit ihrem der Tat zugrunde liegenden Bedingungsgefüge meist gar nicht erst analysiert und dargestellt wird.

Jasmin (Anne Schäfer) sitzt der Ärztin der Psychiatrie Dr. Feldt (Wiebke Puls) gegenüber, die eine Exploration durchführt. Eine Exploration bedeutet, dass im Rahmen gerichtlicher Verfahren Psychiater als Sachverständige herangezogen werden, um ein psychiatrisches Gutachten über die Straftäterin zu erstellen, was Aufschluss über die Schuldfähigkeit der Täterin geben soll.

Gemeinsam gehen sie in groben Zügen durch Jasmins Leben, die die unfassbare Schuld, ihr Kind getötet zu haben, auf sich geladen hat. Nur die zwei Frauen, vier Tage lang. Sie sprechen über Jasmins frühkindliche und schulische Entwicklung, Pubertät, Erwachsenenalter, berufliche Entwicklung, Beziehungen, Hobbys, Sucht sowie physische und psychische Erkrankungen, um sich an den Moment der Tat heranzuarbeiten, an den sich Jasmin nicht mehr erinnern kann. Langsam öffnet sich Jasmin und erzählt Dr. Feldt von dem Entschluss, ihre Tochter Franziska bei ihrem Suizid mitzunehmen.

Regisseur Jan Fehse (Bayerischer Filmpreis für sein Debüt "In Jeder Sekunde") erschafft mit "Jasmin" ein Kammerspiel in seiner reinsten Form, das ausschließlich das sprachliche Duell zweier Frauen abbildet. Er verlässt sich dabei mit Anne Schäfer und Wiebke Puls auf zwei erfahrene Bühnendarstellerinnen. Das Drehbuch (Christian Lyra) entstand in enger Zusammenarbeit mit Psychiatern stationärer Einrichtungen, in denen Patienten mit Schicksalen wie dem der Hauptfigur des Films behandelt werden.

Jasmin schildert im Verlauf der Exploration, dass sie von einer Mitinsassin angespuckt wurde. Diese ist dort, weil sie "nur" ihren eigenen Ehemann getötet hat, was nach Ansicht Jasmins viel weniger schlimm ist. Das spiegelt wohl auch repräsentativ wieder, was die Gesellschaft von einer jungen Mutter hält, die ihr Kind tötet. Deshalb soll der Film auch ein Licht auf unsere Gesellschaft und ihre Formen der Kommunikation werfen. Er soll aber auch ein Appell an mehr Mitmenschlichkeit, an mehr Zuhören sein, anstatt nur zu verurteilen. Denn bei vielen Fällen könnte ein größeres Maß an Mitmenschlichkeit, Solidarität und Liebe eine solche Katastrophe verhindern. Gleichzeitig möchten die Filmemacher "Jasmin" als Kritik an den üblichen Boulevard-Berichten zum Thema Kindstötung verstanden wissen, die die Menschen zu oft verleiten, zu schnell eine Meinung zu haben.

"Jasmin" ist aus psychiatrischer Sicht realistisch, fachlich korrekt, intensiv gespielt und zieht den Zuschauer, der aber bereit sein muss, sich auf diese schwere Kost einzulassen, durch diese Authentizität in seinen Bann. Die Frage ist nur, ob der Zuschauer danach eine solche, nach Aussage der Protagonistin Jasmin schlimmste Tat, die ein Mensch tun kann, wirklich differenzierter betrachten kann und künftig auch bereit ist, das Schicksal der Täterin zu hinterfragen.
by André Scheede

Bilder © Camino Film


Cast und Crew

Darsteller:
Anne Schäfer, Wiebke Puls

Regisseur:
Jan Fehse

Produzent:
Christian Lyra, Felix Parson

Drehbuch:
Christian Lyra

Kamera:
Jan Fehse

Schnitt:
Ulrike Tortora

Musik:
Andreas Helmle