Jane Got a Gun

Jane Got a Gun (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Western / Action / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universum Film

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Jane Got a Gun Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der Traum von einem freien und sorglosen neuen Leben in New Mexico währt für Jane (Natalie Portman) nur kurz. Sieben Jahre nachdem sie mit ihrem Mann Bill „Ham“ Hammond (Noah Emmerich) aus den Fängen der ruchlosen Verbrecherbande der „Bishop Boys“ floh und eine Familie fernab der Zivilisation gründete, holen die alten Dämonen sie wieder ein. Die gefürchtete Bande rund um ihren brutalen Anführer John Bishop (Ewan McGregor) hat das Paar aufgespürt und sinnt auf Vergeltung, denn Ham war einst selbst einer von ihnen. Doch Jane ist fest entschlossen, ihr neues Leben und ihre Tochter mit allen Mitteln zu verteidigen und mit den „Bishop Boys“ abzurechnen. Nachdem Ham von der Bande gefasst wurde und mit acht Kugeln im Rücken schwerverletzt um sein Leben ringt, bleibt Jane nur eine Wahl: Sie ruft ihren einstigen Verlobten Dan Frost (Joel Edgerton) zu Hilfe – wohlwissend, dass ihre gemeinsame Vergangenheit zwischen ihnen steht. Zusammen wappnen sie sich auf der Ranch für den großen Showdown…

Natalie Portman, Ewan McGregor und Joel Edgerton | mehr Cast & Crew


Jane Got a Gun - Trailer


Jane Got a Gun - Trailer


DVD und Blu-ray | Jane Got a Gun

Blu-ray
Jane Got a Gun Jane Got a Gun
Blu-ray Start:
13.05.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 98 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Jane Got a Gun Jane Got a Gun
DVD Start:
13.05.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 94 min.

Filmkritik Jane Got a Gun

Filmwertung: | 6/10


Gut drei Jahre nach Ende der Dreharbeiten und einer mehr als problembehafteten Produktion erscheint nun der Western „Jane Got a Gun“ nach mehreren Verschiebungen. Alles hat sich ursprünglich so interessant angehört: Jane Got a Gun SzenenbildEin Neo-Western aus weiblicher Perspektive unter der Regie der in Indie-Kreisen gefeierten „We Need to Talk About Kevin“-Macherin Lynne Ramsey, in der Titelrolle Natalie Portman, die in weiteren Rollen von Michael Fassbender und Joel Edgerton unterstützt werden sollte. Doch interne Streitereien machten aus „Jane Got a Gun“ in vielerlei Hinsicht ein selten gesehenes Fiasko: Zunächst kam es wohl zu Unstimmigkeiten zwischen Ramsey und Fassbender, was ihn dazu zwang, die Produktion zu verlassen (oder die offizielle Variante: terminliche Schwierigkeiten). So wurde eine Woche vor Produktionsstart Jude Law verpflichtet. Doch das war noch nicht alles: Nachdem Ramsey mit Produzent Scott Steindorff unüberwindbare Differenzen aufbaute, erschien die Regisseurin schließlich nicht zum ersten Drehtag, ohne dass die Crew und die Darsteller informiert wurden. Mit Ramsey verließen auch u.a. Law und Kameramann Darius Khondji die Produktion, gerade mal ein Tag später wurde Gavin O'Connor („Miracle“, „Warrior“) als neuer Regisseur vorgestellt. Das Drehbuch von Brian Duffield wurde kurzerhand von mehreren Autoren umgeschrieben (u.a. von Edgerton selbst) und der Dreh begann erstaunlicherweise nur wenige Wochen später. Das Besetzungskarussell drehte sich jedoch weiter: Für kurze Zeit wurde Bradley Cooper als Bösewicht John Bishop verpflichtet, doch auch dieser sprang wegen Zeitproblemen mit „American Hustle“ wieder ab und wurde schließlich von Ewan McGregor ersetzt.

Trotz all dieser Querelen sah „Jane Got a Gun“ auf dem Papier immer noch gut aus. Gavin O'Connor hat besonders mit dem grandiosen „Warrior“ bewiesen, dass man ein Auge auf ihn haben muss, über die Besetzung mit Portman, Edgerton und McGregor muss man auch nicht viele Worte verlieren. Jane Got a Gun SzenenbildDoch wie es wohl kaum zu vermeiden war, sieht man dem Film seine schwierige Entstehungsgeschichte unzweifelhaft an. Heraus gekommen ist kein Desaster, aber ein seltsam leb- und gesichtsloser Film, der zwar absolut solide inszeniert ist, aber dem Genre keinerlei neue Facetten abringt. Der Aspekt, einen Western weiblicher Hauptfigur zu präsentieren, haben kürzlich „True Grit“ und „The Homesman“ weit interessanter und facettenreicher geschafft. Im Fokus steht Jane Hammond (Portman), die ihren Ex-Verlobten Dan Frost (Edgerton) um Hilfe bitten muss, als sie und ihr schwer verletzter Mann Bill Hammond (Noah Emmerich) von der berüchtigten Gang um John Bishop (McGregor) bedroht werden. Aufgrund verschiedener Missverständnisse haben sich die Wege von Jane und Dan vor Jahren getrennt und sie hat ein neues Leben mit dem Outlaw Bill begonnen. Bishop hat mit Hammond noch ein Hühnchen zu rupfen und Jane hat keine andere Wahl, als sich mit Dan zusammenzuraufen, der seine Hilfe zunächst ablehnt, aber dann doch schließlich widerwillig zustimmt. Während sich die Beiden auf das unausweichliche Aufeinandertreffen mit den rücksichtslosen Bishop-Boys vorbereiten, erzählt der Film in diversen Rückblenden, wie die Figuren zueinanderstehen.

Als feministischer Western taugt „Jane Got a Gun“ im Grunde nicht viel. Jane übernimmt zwar direkt Verantwortung, als ihr mehrfach angeschossener Ehemann Zuhause ankommt. Sie verarztet ihn und bringt ihre gemeinsame Tochter in Sicherheit. Doch sie kann sich der Gefahr natürlich nicht alleine stellen, weswegen ihr Dan schnell zur Seite steht. Dieser übernimmt in Sachen Verteidigung immer wieder das Ruder und muss immer wieder die Beschützerrolle annehmen. Die Story-Struktur des Films ist weitestgehend schon frühzeitig durchschaubar, Überraschungen sind hier nur sehr selten vorzufinden. Jane Got a Gun SzenenbildDer Film ist dann routiniert runter inszeniert, wirkt im Großen und Ganzen wie die pflichtgemäße Erfüllung von Hausaufgaben. Alles wirkt ein wenig klischeehaft, auch die durchaus gelungene und hübsch anzusehende Kameraarbeit von Mandy Walker. Die ikonischen, aus unzähligen Western bekannten Einstellungen, etwa weite Panoramen der Wildwest-Landschaft, der klassische Blick über die Schulter durch die Haustür in die Prärie hinaus aus „Der schwarze Falke“ oder reitende Silhouetten im Sonnenuntergang sind alle hier vorzufinden. Die Atmosphäre ist durchaus gelungen, man betont einen gewissen dreckigen Realismus, setzt auf naturalistische Kameraarbeit und verzichtet auf Stilisierung. Alles ist angenehm schmutzig und düster ausgeleuchtet. Die Gangster werden mit Ausnahme von John Bishop allesamt als dreckige, ekelhafte Schufte mit hässlichen Zähnen inszeniert, Natalie Portman ist jedoch wunderhübsch wie immer und hat ein strahlendes Gebiss und reinste Haut. Dieser Kontrast mag vielleicht gewollt sein, er lenkt jedoch von dem Realismus des Films ab.

Die Rückblenden fügen sich nicht ganz so bequem in die Erzählung ein und obwohl sie in der Tat nach und nach ein Licht auf die Beziehungen der Figuren und ihre Geschichte werfen, wirken sie insgesamt etwas klischeehaft und erzwungen. Der Film entwickelt sich dann inzwischen dieses Überlebenskampfes insgeheim zu einem Beziehungsfilm. Die Charaktere wirken allerdings nur selten wie dreidimensionale Menschen, vieles macht einen unterentwickelten und insgesamt leicht mechanischen Eindruck, wodurch der emotionale Zugang etwas schwer fällt. Die Darsteller sind allesamt solide, wirken aber wenig inspiriert. Lediglich McGregor, den man bisher selten in der Bösewicht-Rolle gesehen hat, sorgt für etwas frischen Wind, auch wenn er nur wenig Zeit zum Glänzen erhält. Jane Got a Gun SzenenbildJoel Edgerton ist eine gern gesehene Präsenz (seine Ähnlichkeit zu einem jungen Kurt Russell ist frappierend), aber er hat hier nicht viel zu tun. Natalie Portman lässt in der Hauptrolle weitestgehend kalt und scheint etwas müde von den ganzen Komplikationen der Produktion zu sein. Eine tiefemotionale Reaktion ihrerseits auf eine schlimme Nachricht wirkt so überzogen gespielt, dass man sich ein Schmunzeln kaum verkneifen kann.

So ist „Jane Got a Gun“ nur leidlich spannend, da eben alles letztlich auf den erwartungsgemäßen großen Showdown hinausläuft. Dieser ist durchaus wirkungsvoll und explosiv inszeniert, doch die emotionale Wirkung bleibt durch weitestgehende Distanz zu den Protagonisten eher auf der Strecke. Der Film hatte durchaus viel Potential, doch angesichts der komplizierten Umstände ist es schon bewundernswert, dass der Film überhaupt vollendet, geschweige denn eigentlich noch recht solide wurde.


Fazit:
„Jane Got a Gun“ ist ein Western, der viel Potential hatte. Durch eine bemerkenswert schwierige Produktion und Regisseurswechsel fehlt es dem Film aber an echter Identität und Seele. So ist ein allenfalls solider Film zu sehen, der dem Genre aber nichts Neues abgewinnt.
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Bilder © Universum Film