James Bond 007: Ein Quantum Trost

Quantum of Solace (2008), Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Action
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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James Bond 007: Ein Quantum Trost Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Nachdem er von der Frau die er geliebt hat betrogen wurde, muß James Bond (Daniel Craig) dagegen ankämpfen, seine nächste Mission zu einer persönlichen Angelegenheit zu machen. 007 und M (Judi Dench) müssen beim Verhör von Mr. White (Jesper Christensen) feststellen, dass die Organisation, die Vesper erpresst hat, weitaus gefährlicher ist als angenommen.
Auf Haiti lernt Bond Camille (Olga Kurylenko) kennen, die ihn zu Domicin Greene (Mathieu Amalric), dem Kopf der Organisation, bringt.
007 findet heraus dass Green plant die Kontrolle über die wichtigsten Ressourcen der Erde zu gewinnen. Um ihn zu stoppen, muß Bond nicht nur gegen Green und General Medrano (Joaquin Cosio) kämpfen, sondern auch der CIA und sogar den eigenen Leuten immer einen Schritt voraus sein...


Daniel Craig, Olga Kurylenko und Dame Judi Dench | mehr Cast & Crew


Filmkritik James Bond 007: Ein Quantum Trost

Filmwertung: | 5/10


Im Jahr 2004 wurde die Welt mit dem großartigen Agenten-Thriller „Die Bourne Verschwörung“ mit Matt Damon zum ersten Mal einer vollkommen neuen Methode Action zu filmen ausgesetzt: Der Shaky-Cam. Die Reaktion darauf war fast ausschließlich positiv. Dass daraufhin unzählige Nachahmer folgten, war nur zu erwarten. Schließlich wurde hier und auch in den Sequels der „Bourne“-Reihe ein Maß an Intensität und Spannung erzeugt, das seines gleichen sucht. Die Hektik und das Chaos eines Kampfes wurden hier perfekt eingefangen. Der Regisseur Paul Greengrass wusste stets, wann ein Schnitt Sinn ergab, wann ein Wide-Angle-Shot einzusetzen war und stellte immer die Geographie der Szene (also wo sich die einzelnen Akteure befinden) klar heraus, weshalb das Geschehen für die Zuschauer stets übersichtlich war, auch da er das Wesentliche eines jeden Bildabschnitts stets um die Mitte einer Einstellung einordnete (das sog. Centerfraiming). Dadurch müssen die Augen der Zuschauer das Bild nie nach wichtigen Informationen absuchen, was die Orientierung erleichtert. Doch all dies erfordert ein hohes Maß an Kompetenz, ein Maß, das neben Greengrass, kaum ein Regisseur erreicht. So wird das Stilmittel der Shaky-Cam fast nie als ein solches eingesetzt. Während Matt Damon mühsam die Choreographien einstudierte und viele Stunts selber ausführte, wird im modernen Action Kino schlechte Planung, Faulheit und das Unvermögen von zahlreichen Beteiligten, allen voran dem Regisseur, dadurch überspielt die Kamera wahllos zu schütteln und z.T. mehrere Schnitte pro Sekunde zu setzen. Zahlreiche Beispiele wie die „Taken“-Sequels, „Mile 22“ oder „The Expendables“ können hierfür aufgezählt werden. Dass jedoch ausgerechnet die Filmreihe, die das Actiongenre erst erfand, diesem modernen Fluch unterliegt, ist tragisch. Tatsächlich reduziert „Ein Quantum Trost“ in Sachen Action die „James Bond“-Reihe, vom herausragenden Vorreiter zum blinden Trendfolger. So steigt man hier direkt mit einer erschreckend planlos und unübersichtlich gefilmten Actionszene ein, bei der man wegen der vielen schwarzen Autos nicht einmal unterscheiden kann, in welchem sich Bond nun eigentlich befindet. Bereits diese Szene etabliert den Ton für den gesamten Film, bevor die Handlung vom ausgezeichneten Vorgänger „Casino Royale“ fortgeführt wird.

Judi Dench, Jesper Christensen und Daniel Craig in James Bond 007: Ein Quantum Trost
Judi Dench, Jesper Christensen und Daniel Craig in James Bond 007: Ein Quantum Trost © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Nach dem Tod seiner Geliebten Vesper, entführte Bond (Daniel Craig) ein hochrangiges Mitglied der Geheimorganisation Quantum, um dieses zu verhören. Doch bevor dies geschehen kann, wird dieser durch einen Agenten eben jener Gesellschaft befreit. Dies führt Bond auf einen weltweiten Rachefeldzug. Gejagt von Feinden, wie vermeintlichen Freunden macht sich der Agent, von Wut und Trauer überwältigt, auf die Jagd nach dem angeblichen Philanthropen Dominic Green (Mathieu Amalric), um dessen Pläne zur Beherrschung von lebensnotwendigen Ressourcen zu vereiteln.

Die Geschichte von „Ein Quantum Trost“ sinnvoll zusammenzufassen gestaltet sich als durchaus herausfordernd, da das Drehbuch ein irrsinniges Pacing vorweist und so durch die ohnehin uninspirierte Geschichte von einem Plotpoint zum anderen hastet, ohne die eigentlich viel mitreißenderen Elemente um Rache und Bonds Menschlichkeit tiefer zu erforschen. Immerhin ist der Plot rund um die Umwelt zeitgemäß, originell aber in keinster Weise. Wirklich ausschlaggebend für die gesamte Entwicklungen innerhalb der Handlung wird dies nie, weshalb es letztlich auch für den Zuschauer irrelevant ist, der sich dadurch eher gelangweilt als mitgerissen fühlt.

Olga Kurylenko in James Bond 007: Ein Quantum Trost
Olga Kurylenko in James Bond 007: Ein Quantum Trost © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Dies resultiert in einem der vergessenswertesten Bondschurken der gesamten Reihe. Denn wenn man über den z.T. hanebüchenen Plan dessen hinwegblickt, bleibt nur ein eindimensionaler Handlanger einer riesigen Organisation, die interessanter wirkt als der Antagonist. Angemessen wäre es gewesen, Bonds sehr persönlicher Motivation einen Schurken mit einer emotionalen Verbindung entgegenzustellen. Eine weitere vertane Gelegenheit. Zwar zählen die Momente, in denen sich Felix Leiter (Jeffrey Right) in das Geschehen einmischt, eigentlich zu den besten des gesamten Films, sie fühlen sich nichtsdestotrotz in einem ohnehin bereits sehr unfokussierten Drehbuch eher wie ein Fremdkörper an. Für sich genommen funktionieren diese Szenen jedoch. Da können die anderen Figuren weniger überzeugen. Zwar ist die Geschichte des Bondgirls Camille (Olga Kurylenko) ein interessantes Spiegelbild zu Bonds eigenem Charakter, ihre Motivation jedoch zu unoriginell. Dass sie eine ausgebildete Agentin ist, kauft man ihr nicht wirklich ab, dazu handelt sie zu emotional und impulsiv. Hingegen stellt sich Bond selbst als das genaue Gegenteil heraus. Er handelt stets derartig gefühllos und kalt, dass man den Agenten, zu dem er am Ende des Vorgängers wurde, kaum mehr erkennen kann. Auf die Chance, mit einem direkten Sequel eine konsequente Charakterentwicklung zu erzählen, verzichtet man hier weitestgehend. Schlimmer noch erhält diese Interpretation kaum etwas, das man wirklich als Charakterisierung bezeichnen kann, da der Film sich dafür zu wenig Zeit lässt. Menschlichkeit kommt beinahe nur in einer einzigen Szene wirklich auf, als Bond sich mit einem Rückkehrer aus „Casino Royale“ in einem Flugzeug unterhält. Einen tatsächlichen Zugang zu ihm erhält man nicht. Beispielhaft dafür ist wie mit seinen Augen umgegangen wird. Im vorherigen Teil werden diese immer wieder vorbildlich als Zugang zu Bonds Seele und seiner Menschlichkeit eingesetzt, während in „Ein Quantum Trost“ dieser ständig mit Sonnenbrille zu sehen ist. Zwar bringt Daniel Craig sein typisches Charisma ins Spiel, jedoch verdonnert ihn das Drehbuch zu einer unterkühlten und stoischen Performance, die ihn sichtlich unterfordert.


Fazit:
So bleibt ein Film, der sich als ebenso rastlos, unübersichtlich und inkohärent herausstellt, wie seine von der Story vollkommen befreite Action. Einzig Daniel Craigs kraftvolle und charmante Darstellung und einige wenige gelungene Momente retten „Ein Quantum Trost“ vor einer Katastrophe.
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Bilder © Sony Pictures