Filmwertung: |
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| 5/10 |
Jack Reacher, der von Tom Cruise (Mission: Impossible, Knight and Day) gespielt wird, ist eine Romanfigur des britischen Bestseller-Autors Lee Child. In 17 Büchern lehrt die Figur dem Bösen das Fürchten, wobe man sich im Film „Jack Reacher“ inhaltlich am neunten Buch „Sniper“ (Originaltitel: „One Shot“) orientiert hat.
Tom Cruise spielt dabei einen genialen Ex-Ermittler des Militärs und einen zynischen, unberechenbaren Einzelgänger. Er erscheint nur auf der Bildfläche, wenn er gefunden werden will, und macht im Namen der Gerechtigkeit gnadenlos Jagd auf jene, die unter dem Deckmantel des Gesetzes Menschen töten.
Klingt nicht nur nach einem Action-Thriller, sondern ist es auch. Leider nur völlig überzogen. Denn im Grunde wird Tom Cruise in seiner Rolle geradezu als Heilsbringer proklamiert. Er kann es mit jedem aufnehmen und sich aus vermeintlich aussichtslosen Situationen wieder befreien. Dabei kommt es auch oft genug vor, dass der ursprünglich gewiefte und tückische Feind plötzlich nur noch lächerlich erscheint. Sympathisch und amüsant wirkt dafür der verbale Schlagabtausch zwischen Reacher und der Anwältin Helen Rodin, gespielt von Rosamund Pike (Zorn der Titanen), die als Vertreterin des ehemaligen Armee-Scharfschützen James Barr (Joseph Sikora) auftritt. Daneben wirkt auch der alte Kriegsveteran Cash (Robert Duvall) als Sympathieträger, der Reacher in seinem Vorhaben mit Leidenschaft unterstützt.
Trotzdem hat Regisseur und Oscar-Preisträger Christopher McQuarrie (Die üblichen Verdächtigen, Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat) scheinbar nicht viel Wert auf inhaltliche Genauigkeit gelegt, sondern sich viel mehr auf den Action-Part konzentriert. Welcher natürlich so spannend und rasant gestaltet wurde, dass man prinzipiell kaum einen Gedanken daran verschwenden kann, ob die Geschichte realistisch oder durchdacht ist.
Beispielsweise erinnert eine Schusswechsel-Szene an eine Art Real-Life-Nachahmung des Ego-Shooters Counter Strike, während an anderer Stelle mehr ausgeklügelte Kampftechniken im Vordergrund stehen. Zwar nett anzusehen, aber spätestens nach 30 Minuten weiß dann auch der Letzte, wie die Geschichte weiter gehen wird.
Fazit:
Eine Waffe, 5 unschuldige Tote, ein Verdächtiger und ein ehemaliger sowjetischer Gefangener, der im Hintergrund die Fäden zieht.
Tom Cruise spielt einen Helden, der für Gerechtigkeit kämpft – in großer Aufmachung, mit viel Action aber nichts dahinter. „Jack Reacher“ macht eine gute Figur, aber wer sich mehr Anspruch erhofft und sich nicht nur berieseln lassen will, sollte lieber nicht ins Kino gehen.
by Aline Nickel
Bilder © Paramount Pictures Germany