Inherent Vice - Natürliche Mängel

Inherent Vice (2014), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Krimi / Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

Inherent Vice - Natürliche Mängel Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Unerwartet taucht die Ex von Schnüffler Doc Sportello auf und faselt was von einer irren Story: Sie hat sich in einen milliardenschweren Immobilienmakler verliebt, und daraufhin will nun dessen Ehefrau mit ihrem Freund den Milliardär kidnappen und in die Klapsmühle stecken … na, sie kann ja viel erzählen. Ende der psychedelischen 1960er-Jahre herrscht Paranoia: Doc weiß natürlich, dass „Liebe“ derzeit total angesagt ist – genauso wie die Modewörter „Trip“ und „groovy“. Aber ernst nehmen sollte man diesen überstrapazierten Begriff nicht – zumal die Liebe unweigerlich Probleme mit sich bringt. Mit dabei sind Surfer, Abzocker, Kiffer und Rocker, ein mordlustiger Kredithai, Detectives vom Los Angeles Police Department, ein verdeckt ermittelnder Saxofonspieler und eine geheimnisvolle Organisation namens Goldener Fangzahn, die vielleicht auch nur ein paar Zahnärzten zur Steuerhinterziehung dient … teils Surf noir, teils psychedelische Farce – aber ganz Thomas Pynchon.

Joaquin Phoenix, Josh Brolin und Reese Witherspoon | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Inherent Vice - Natürliche Mängel

Blu-ray
Inherent Vice - Natürliche Mängel Inherent Vice - Natürliche Mängel
Blu-ray Start:
25.06.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 169 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Inherent Vice - Natürliche Mängel Inherent Vice - Natürliche Mängel
DVD Start:
25.06.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 162 min.

Filmkritik Inherent Vice - Natürliche Mängel

Filmwertung: | 7/10


Ich muss zugeben, dass mich der Trailer von Paul Thomas Andersons Pynchon-Romanverfilmung „Inherent Vice“ eigentlich nie so recht angesprochen hat. Die scheinbar omnipräsente „Lässigkeit“ wirkte furchtbar aufgesetzt, die Gags wenig überzeugend und der beeindruckende Cast schien lediglich zum Kompensieren inhaltlicher Defizite in den Film implementiert worden zu sein. Ein peinlicher Versuch, den „The Big Lebowski“-Vibe wieder aufleben zu lassen. So zumindest meine ersten Eindrücke, als die Vorschau vor etwa drei Monaten zum ersten Mal über die Kinoleinwände flimmerte. Mit entsprechend niedrigen Erwartungen sah ich mir den fertigen Film dann auch an und durfte eine positive Überraschung erleben!

Das Jahr 1970:
Der in Los Angeles wohnhafte Privatdetektiv und Hobbykiffer Larry "Doc" Sportello (Joaquin Phoenix) kann es kaum glauben, als seine attraktive Ex-Freundin Shasta (Katherine Waterston) eines Abends plötzlich vor seiner Haustür steht und ihn verzweifelt um Hilfe bittet. Bestürzt berichtet sie von ihrer Affäre mit dem Milliardär Mickey Wolfman (Eric Roberts) und den fiesen Intrigen seiner Ehefrau Sloane (Serena Scott Thomas), die ihn entführen lassen will, um ihn anschließend in eine psychiatrische Anstalt zu stecken. Doc möchte Shasta nicht enttäuschen und stellt erste Nachforschungen an, die u.a. zu einer Begegnung mit seinem verfeindeten Ex-Kollegen Christian "Bigfoot" Bjornsen (Josh Brolin) führen und ihn immer weiter in ein undurchschaubares Netz des Verbrechens verstricken...

Auch wenn die Story des Filmes in dieser Kurzzusammenfassung noch recht nachvollziehbar erscheinen mag, ist es schier unmöglich die Handlungen der Hauptfigur und seine unfreiwillige Verwicklung in die finsteren Machenschaften eines brutalen Drogenkartells bei der ersten Sichtung auch nur ansatzweise nachzuvollziehen. „Inherent Vice“ ist ganz in der Tradition der literarischen Vorlage von Thomas Pynchon unglaublich wirr geraten und reiht seine zahlreichen skurrilen Szenen auf den ersten Blick beinahe wahllos aneinander. Das mag den ein oder anderen Zuschauer zweifelsohne stören, entwickelt über die stattliche Spieldauer von 148 Minuten jedoch auch einen nicht zu verleugnenden Charme. Es muss aber auch konstatiert werden, dass der Film eine gute halbe Stunde zu lang geraten ist und teilweise leider etwas anstrengend daher kommt. Größte Stärke des Filmes ist definitiv die grandiose 70er Jahre Atmosphäre, die ästhetisch wie akustisch aus jeder Pore des Streifens zu tropfen scheint. Hier hat Anderson grandiose Arbeit geleistet, die den Kartenkauf bereits ausreichend rechtfertigen würde. Und auch was die Darstellerleistungen anbelangt, wird durch die Bank ein hohes Niveau geboten. Joaquin Phönix spielt den dauerbekifften Antihelden mit einer wunderbaren Nonchalance und macht dem „Dude“ tatsächlich ernsthafte Konkurrenz! Weitere Highlights auf Schauspiel- und Figurenseite sind Josh Brolins Polizistenkarikatur Christian "Bigfoot" Bjornsen, Katherine Waterstons sexy Femme fatale Shasta und Owen Wilsons sympathischer Undercoverdealer Coy Harlingen. Hier herrscht definitiv ein erstaunlich hohes Ensembleniveau!
Musikalisch wird der Film zudem mit einem einprägsamen Score aus der Feder von Radiohead-Mitglied Jonny Greenwood untermalt, der in mancherlei Szene den Geist längst vergangener Noir-Produktionen wieder aufleben lässt. Wer mit fehlender inhaltlicher Kohärenz keine Probleme hat und auf abgefahrene Figuren steht, wird an „Inherent Vice“ daher sicherlich seine Freude haben. Um ein Meisterwerk handelt es sich jedoch nicht.

Fazit:
Paul Thomas Anderson betritt mit seiner Thomas Pynchon Adaption zweifelsohne neue Gefilde und liefert eine ungemein atmosphärische, gut gespielte, aber inhaltlich wirr erzählte Krimikomödie ab.
Pynchon-Fans dürften „Inherent Vice“ lieben!

by

Bilder © Warner Bros.