Im August in Osage County

August: Osage County (2013), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Tobis Film

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Im August in Osage County Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Daddy ist tot. Aus diesem traurigen Anlass reisen seine drei Töchter samt Partnern heim zu ihrer Mutter Violet nach Osage County, Oklahoma. Kein Vergnügungs-Trip auch deshalb, weil Violet mit den Jahren zu einer verbitterten, zynischen und wegen ihrer Tablettensucht ganz und gar unberechenbaren Furie mutiert ist. Ihre ständigen Provokationen und Sticheleien bringen pünktlich zum Leichenschmaus das Fass zum Überlaufen und allerhand dunkle Familiengeheimnisse ans Tageslicht: Tochter Nr. 1 hat sich von ihrem treulosen Ehemann getrennt, Nr. 2 ist heimlich in ihren Cousin verliebt, und der Lover von Nr. 3 macht sich schamlos an die Tochter von Nr. 1 heran. Damit hat die Schlammschlacht allerdings erst begonnen...

Meryl Streep, Julia Roberts und Ewan McGregor | mehr Cast & Crew


Im August in Osage County - Trailer


IM AUGUST IN OSAGE COUNTY | Trailer 1


DVD und Blu-ray | Im August in Osage County

Blu-ray
Im August in Osage County Im August in Osage County
Blu-ray Start:
07.08.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 121 min.
DVD
Im August in Osage County Im August in Osage County
DVD Start:
07.08.2014
FSK: 6 - Laufzeit: 116 min.

Filmkritik Im August in Osage County

Filmwertung: | 8/10


Bei einer Familie gehen Freud und Leid stets Hand in Hand. Glücklich darf sich schätzen, wer eine Familie um sich weiß. Aber ebenso beneidenswert erscheinen jene Menschen, deren familiärer Hintergrund überschaubar bleibt. Je größer die Familie, desto häufiger treten Probleme auf, die mal schneller überwunden werden oder mal länger andauern. In der größten Not zeigt sich, ob Blut wirklich dicker ist als Wasser. Und immer öfter kann man dabei beobachten, dass manch ein Familienmitglied an die Grenzen des Ertragbaren gerät. Pack schlägt sich, aber Pack verträgt sich zwangsläufig nicht immer.

Basierend auf dem Theaterstück von Tracy Letts hat Regisseur John Wells mit „Im August in Osage County“ ein grandioses Drama geschaffen. Mit einer beeindruckenden Riege von Darstellern bringt er eine Familie bis an den Rand des Wahnsinns, als sich nach einer Tragödie der Schmerz in blanke Wut wandelt. Meryl Streep („Wie beim ersten Mal“) trauert als hinterbliebende Witwe Violet um ihren Mann Beverly (Sam Shepard), der sich durch Suizid aus dem Leben stahl, das er an ihrer Seite nicht mehr ertragen konnte. Schon lange vor seinem Tode war Violet verbittert über ihr Leben, das sie im Alter mit Mundkrebs straft. Bissig, sarkastisch und der Tablettensucht verfallen, ist sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Nur widerwillig eilen ihr die Töchter zur Hilfe, die nach und nach durch die bösartigen Kommentare verprellt werden. Julia Roberts („Eat Pray Love“) als älteste Tochter Barbara bietet ihrer Mutter Parole auf ebenmäßigem Niveau. Auch sie schreckt nicht vor lautstarken Diskussionen und Beschimpfungen zurück, um ihre Mutter in die Schranken zu weisen, bis sie sich gegenseitig an die Kehle gehen. Und dabei bemerkt sie Barbara scheinbar noch nicht einmal, dass sie sich selbst bereits in die Fußstapfen ihrer Mutter begeben hat. Sowohl ihren Ehemann Bill (Ewan McGregor – „Haywire“), der sie bereits für eine jüngere Frau verlassen hat, als auch Tochter Jean (Abigail Breslin – „The Call“) ist sie stets feindlich gestimmt. Ihre Schwester Ivy, zauberhaft gespielt von Julianne Nicholson („State Island“), versucht sich hingegen von dem familiären Verhalten zu distanzieren. Obwohl sie in der Nähe der Mutter lebt, unterscheidet sie sich durch einen zurückgenommenen Charakter. Sie verschweigt nicht nur ihre Krebserkrankung, sondern auch die Beziehung zu einem Mann. Mit Juliette Lewis („Foreverland“), als dritte Tochter Karen, wird die Frauenriege im Hause Westen komplettiert. Die dazugehörigen Männer treten an den Rand, wobei Benedict Cumberbatch („12 Years a Slave“) als schüchterner und verunsicherter Little Charles mit einer erfrischend labilen Darstellung glänzen kann.
Lieben und lieben lassen ist bei dieser Familie wahrlich nicht der Grundsatz. Jeder liebt jeden, doch dies nur aus der Ferne. Die Schwestern haben sich schon lange auseinandergelebt. Und auch der Kontakt zu den Eltern war auf ein Minimum reduziert. In Anbetracht der Tragödie kommt die Familie zusammen, um schnellstens wieder in verschiedene Himmelsrichtungen zu entfliehen. Dunkle Erinnerung und tiefe Verletzung bleiben unausgesprochen, während ungeahnte Geheimnisse an die Oberfläche dringen. Das Konstrukt der Familie zerfällt in ihre Einzelteile und letzten Endes ist wieder jeder für sich isoliert. Violet, die stärkste Frau von allen, bleibt in der Einsamkeit zurück und ist plötzlich völlig auf sich alleingestellt.
Einfühlsam, erschreckend und mit einer guten Prise schwarzen Humor nimmt das Drama den Zuschauer in Beschlag. Die dysfunktionale Familie im Fokus der Geschichte ist mit vielschichtigen Problemen ausgestattet, die sich auf ein und den selben Nenner bringen lassen. Der Kreislauf setzt sich fort, womit das Puzzle der Geschichte sich mit jeder Szene aneinanderfügt und erst am Ende die ganze Bandweite der Tragik erkennen lässt. Unerwartete Momente wechseln sich mit archetypischen Verständnisproblemen zwischen den Generationen ab. Hier wird dem Zuschauer eine dialogschwangere schwere Kost geboten, die eine Familie in den emotionalen Abgrund reißt. Und dennoch sind es gerade diese düsteren Untertöne, in denen Meryl Streep und Julia Roberts mit ihrem Schauspiel glänzen und sich dadurch ihre Oscar-Nominierung redlich verdient haben.

Fazit: Grandios gespielte Drama-Komödie über die Herausforderung in einer Großfamilie, in der liebgemeinte Worte oder Zärtlichkeiten dem bissigen Sarkasmus weichen. Mit Meryl Streep und Julia Roberts als verhasstes Mutter-Tochter-Gespann bietet dieser Film trotz seines Schwermuts beste Unterhaltung.

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Bilder © Tobis Film