Ich seh, Ich seh

Ich seh, Ich seh (2014), Österreich
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Koch Media

-> Trailer anschauen

Ich seh, Ich seh Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

In einem abgelegenen, idyllischen Haus am Waldrand genießen die Zwillingsbrüder Lukas und Elias die Sommerferien. Die beiden streunen zwischen Waldsee und Maisfeld umher und können die Ankunft ihrer Mutter kaum erwarten. Als sie jedoch nach einem Unfall aus dem Krankenhaus mit einbandagiertem Gesicht zurückkehrt, sind alle früheren Gewissheiten verschwunden. In der strengen Frau, die nun vor ihnen steht, können sie ihre Mutter kaum wiedererkennen. Schon bald werden sie den Zweifel nicht mehr los, dass eine Fremde die Kontrolle übernimmt. Während die Mutter versucht, den sich regenden Widerstand zu ersticken, machen sich die Kinder mit der ihnen gebotenen Gründlichkeit daran, die Wahrheit herauszufinden. Ein existentieller Kampf um Identität und Urvertrauen entspinnt sich.

Susanne Wuest, Lukas Schwarz und Elias Schwarz | mehr Cast & Crew


Ich seh, Ich seh - Trailer


Ich seh, Ich seh - Trailer


DVD und Blu-ray | Ich seh, Ich seh

Blu-ray
Ich seh Ich seh Ich seh Ich seh
Blu-ray Start:
22.10.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 99 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Ich seh Ich seh Ich seh Ich seh
DVD Start:
22.10.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 95 min.

Filmkritik Ich seh, Ich seh

Filmwertung: | 8/10


„Ich seh Ich seh“ ist das exzentrische Spielfilmdebüt des österreichischen Regieduos Veronika Franz und Severin Fiala. Erstere ist für ihre Zusammenarbeit als Autorin mit Ulrich Seidl bekannt, der vor allem mit der „Paradies“ Trilogie (2012/2013) und „Hundstage“ (2001) besonders unter Cineasten für internationales Aufsehen gesorgt hat. Mit diesem Film liefert das Duo, das auch gemeinsam das Drehbuch geschrieben hat, einen ganz außergewöhnlichen Vertreter des Horror-Genres. „Ich seh Ich seh“ lässt sich nur schwer kategorisieren oder mit anderen Filmen vergleichen, am ehesten kann man den Film wohl als psychologischen Arthouse-Horror bezeichnen. Damit weckt er Erinnerungen an Michael Haneke, einen anderen Österreicher, der u.a. 1997 mit der Gewaltstudie „Funny Games“ die Zuschauer bis ins Mark getroffen hat. „Ich seh Ich seh“ ist oft ähnlich harter Tobak, sowohl bezüglich Intensität als auch Eigenartigkeit. Wer hier konventionelle Unterhaltung erwartet, die den Zuschauer an die Hand nimmt, Dinge erklärt und traditionelle Erzählstrukturen einsetzt, ist hier ganz klar im falschen Film. „Ich seh Ich seh“ irritiert, verstört, ist abstrakt, langsam und intensiv erzählt, in kühle, durchkomponierte Bilder getaucht und entspricht gefühlsmäßig einem filmischen Albtraum.

Am besten man sieht den Film unvorbereitet und ohne jede Infos, die Ausgangslage darf man aber wohl verraten: Die Zwillingsbrüder Elias und Lukas durchleben ihre Sommerferien in einem abgelegenen, kühl-modernistischen Haus irgendwo auf dem Land in Österreich. Ihre Mutter (Susanne Wuest) kehrt nach einem Unfall mit fast komplett einbandagiertem Gesicht zurück und scheint sich nicht nur körperlich verändert zu haben. Die Zwillinge erkennen die strenge Frau nicht wirklich wieder und versuchen mit zunehmender Dringlichkeit herauszufinden, mit wem sie es zu tun haben.

Das klingt alles noch recht geradlinig, aber ist es nur bedingt. Dem Zuschauer werden nur sehr wenige Infos vermittelt, Zusammenhänge erschließen sich nach und nach, während zugleich immer neue Fragen aufgeworfen werden und die langsam und ruhig erzählte Geschichte schnell einen soghaften Bann aufbaut. Die Bilder sind klar komponiert, das Set Design ist spärlich und präzise, in der allgemein recht kühlen Atmosphäre wird immer wieder mit symbolischen Farbkontrasten gespielt und die Stimmung ist von Anfang an unheilschwanger. Dafür sorgen auch die spärlich eingesetzte, unruhig-dissonante Filmmusik und das beklemmende Sounddesign. Als Zuschauer versucht man da die ganze Zeit durchzublicken, was es mit der ganzen Sache auf sich hat und immer wenn man denkt, ein Verständnis zu erlangen, wird man mit plötzlichen und unerwarteten, irrationalen Albtraumbildern konfrontiert. Franz und Fiala schaffen hier einige bemerkenswerte, kraftvolle Bilder, die man nicht so leicht abschütteln kann. Hier soll natürlich nichts gespoilert werden, aber der offizielle Trailer zeigt auch einige dieser bizarren Bilder, die in ihrer verstörenden Art an Momente in „Jacob’s Ladder“ (Adrian Lyne, 1990) oder aus Lynch und Cronenberg Filmen erinnern. Gepaart mit teils sehr deutlich eingesetzter Symbolik, entsteht hier eine Mehrdeutigkeit, die dem Film auch am Ende größtenteils erhalten bleibt. Wer also gerne alle Fragen am Ende eines Films beantwortet haben möchte, liegt hier auch falsch. „Ich seh Ich seh“ will sich nachhaltig ins Gedächtnis einbrennen und nachwirken.

Franz und Fiala konfrontieren hier geschickt die Oberfläche des Alltäglichen, spezieller des österreichischen Sommer-Landidylls mit unterschwelliger Bedrohung und menschlichen Urängsten. So spielt der Film mit Albtraumlogik und man fühlt sich regelrecht gefangen in einem beklemmenden Szenario, das man einfach nicht recht nachvollziehen kann. „Ich seh Ich seh“ ist langsam und intensiv erzählt, sein konsequentes Streben nach Unklarheit sorgt aber auch stellenweise dazu, dass der Film die Geduld mit zunehmender Laufzeit etwas strapaziert. Doch der Film mündet schließlich in einem grausamen, infernalischen Finale, das dem Zuschauer dann tatsächlich einiges abverlangt. Ohne auch hier zu viel zu sagen: Während in den ersten zwei Dritteln des Films primär eine von bizarren albtraumartigen Momenten gebrochene unheilschwangere Atmosphäre vorherrscht, bricht gegen Ende zunehmend echter Horror aus. Es gibt diverse ekelerregende Momente, bei denen man sich windet und gar nicht so richtig hinsehen möchte. Hier ziehen Franz und Fiala die Terrorschrauben schon teilweise richtig fest an und bieten keinen bequemen Ausweg.

Viktoria Franz und Severin Fiala haben mit „Ich seh Ich seh“ einen aufsehenerregenden, unbequemen und herausfordernden Film geschaffen, der anstrengt und beklemmt. Mit großem inszenatorischem Selbstbewusstsein paart das Duo Naturalismus mit surrealen Horrorelementen, wodurch ein faszinierendes und eigenwilliges Werk entstanden ist. Getragen wird der Film aber von den großartigen Zwillingsbrüdern Elias und Lukas Schwarz, die sowohl jugendliche Unschuld und Verspieltheit als auch Geheimnisvolles mit scheinbarer Leichtigkeit darstellen. Susanne Wuest, die die Mutter spielt, fasziniert mit viel Präsenz und der Fähigkeit eine ambivalente, schwer lesbare Figur zu spielen. Mehr darf man aber auch wirklich nicht sagen. „Ich seh Ich seh“ ist somit ein Film für Leute, die an unkonventionellem Arthouse-Kino interessiert sind, das Genre-Regeln bricht und sich nur schwer in Schubladen stecken lässt.


Fazit:
„Ich seh Ich seh“ ist ein unkonventioneller und abstrakter psychologischer Arthouse-Albtraum, der irritiert, verstört und beunruhigt. Ein besonderer Film.
by

Bilder © Koch Media