Her

Her (2013), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Romanze / Science-Fiction
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

Her Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

HER spielt in naher Zukunft in Los Angeles: Der hochsensible Theodore (Joaquin Phoenix) lebt davon, anrührende persönliche Briefe für andere Menschen zu verfassen. Seine gescheiterte langjährige Beziehung hat ihm das Herz gebrochen – umso aufgeschlossener reagiert er auf sein neues Betriebssystem, das ihm als intuitive, eigenständige Persönlichkeit angepriesen wird. Als Theodore das System startet, lässt er sich von „Samanthas“ freundlicher Stimme (Scarlett Johansson) bezaubern, denn sie stellt sich mit viel Verständnis, Sensibilität und erstaunlichem Humor auf ihn ein. Samanthas und Theodores Bedürfnisse und Sehnsüchte ergänzen sich, entwickeln sich weiter, ihre Freundschaft wird intensiver – bis sie sich schließlich ineinander verlieben.

Joaquin Phoenix, Amy Adams und Rooney Mara | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Her

Blu-ray
Her Her
Blu-ray Start:
04.09.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 126 min.
DVD
Her Her
DVD Start:
04.09.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 121 min.

Filmkritik Her

Filmwertung: | 8/10


Kein Mensch ist gerne alleine. Doch die Intensität, mit der ein jeder die Nähe seiner Mitmenschen sucht, ist so verschiedenen wie die Menschheit selbst. Manch einer findet in der platonischen Freundschaft die Nähe, die ein anderer nur in einer monogamen Liebe zu finden bereit ist. Wer sich völlig von der Gesellschaft abschottet, vermag sich in Einsamkeit und Lethargie zu verlieren. Regisseur Spike Jonze („Adaption“) skizziert mit seiner zukunftsvisionärer Liebeskomödie „Her“ ein modernes Gesellschaftsbild, in dem trotz virtueller Vernetzung die Isolation des einzelnen Individuums voranschreitet. Mit seiner introvertierten Hauptfigur Theodore, der sich nach der Trennung seiner Frau zusehends aus der Gesellschaft ausgrenzt, präsentiert Jonze einen gebrochenen Mann. Isoliert in den eigenen vier Wänden widmet sich Theodore der Technologie und bekommt dank dieser unerwartet ein neues Leben geboten. Plötzlich schöpft er neue Hoffnung und erlebt einen unstillbaren Lebensdurst, den er mit der Frau am anderen Ende des Handys teilen kann. Die Gewissheit, dass es sich bei Samantha (Stimme: Scarlett Johansson) lediglich um ein computergeneriertes Betriebssystem handelt, wird allmählich von der aufkeimenden Euphorie verdrängt. Es entstehen wahre Gefühle, die jedoch nur einseitig ausgelebt werden können.

Der Film hält dem Zuschauer gekonnt einen Spiegel vor und zeigt, dass in der heutigen Zeit die zwischenmenschliche und persönliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht im Hinblick auf die virtuelle Identität im sozialen Netzwerk leidet. Dadurch wird Kritik an der Menschheit im Allgemeinen und konkret an dem Umgang miteinander geübt. Immer wieder wird in ruhigen Szenen gezeigt, wie Menschenmassen tagtäglich aneinander vorbeihasten und sich dabei kaum wahrnehmen, weil ihre gesamte Konzentration dem Handy oder anderen technischen Geräten gilt. Was wie eine überspitzte Zukunftsvision erscheint, ist längst Realität geworden. Doch Jonze will nicht den moralischen Zeigefinger erheben und setzt daher in seinem Drama noch eine Komponente hinzu. Dass sich ein einsamer Mann in die Stimme seines Handys verliebt, scheint für die meisten Kinobesucher noch unvorstellbar. Doch wer in der Einsamkeit gefangen ist und den Schritt in die Gesellschaft meidet, sucht Zuflucht in unbekannten Sphären, um nicht in der Desolation zu verkommen. Aus diesem Grund ist „Her“ nicht nur ein wunderschön-tiefgründiger Film über die Liebe, sondern eine zutiefst traurige Geschichte über die Einsamkeit und dem Versuch dieser zu entkommen.
Joaquin Phonix („The Master“) gelingt es die Hauptfigur Theodore mit so viel Schmerz, Hoffnung und euphorischer Verliebtheit in Szene zu setzen, dass der Zuschauer sich unmittelbar beim Spiegeln dieser Gefühlsachterbahn ertappt. Gemeinsam mit Theodore erlebt man ein regelrechtes Hochgefühl der Liebe und ist ebenso verzweifelt und emotional zerrüttet, als die Verbindung zu Samantha abbricht. Die rauchig-einfühlsame Stimme des sprachgesteuerten Betriebssystems, die in der Originalversion von Scarlett Johansson („The Return of the First Avenger“) stammt, implizierte ebenfalls authentische Gefühle, die durch die Stimmlage transportiert wird.
Auch in der Nebenhandlung setzt der Regisseur auf große Gefühle. Theodore verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Liebesbriefen, die er im Auftrag seiner Kunden quer durch die Welt verschickt. Mit romantisierenden Erinnerungen, liebevollen Komplimenten und blumigen Worten gelingt es ihm Nähe zwischen entfernten Menschen herzustellen, auf die er selbst nur wehmütig zurückblicken kann. Aber nicht nur die Geschichte an sich ist phantasievoll, auch der Look des Films überzeugt auf eine verklärt-träumerische Art. Weitläufige Sepia-Bilder mit schlichtweg wunderschönen Sonnenunter- und –Aufgängen, die von Kameramann Hoyte Van Hoytema („Dame König As Spion“) eingefangen werden, vermitteln auch auf der visuellen Ebene viel Gefühl. Die futuristische Welt wird durch die Mode im Retro-Look durchbrochen, was jedoch nicht störend, sondern unerwartet homogen erscheint.
Das Oscar-prämierte Drehbuch von Jonze zeugt von wahrer Wehmut, die auch nach Ende des Films in den Köpfen des Publikums nachhallt und zu immer wieder neue Denkanstößen verhilft.

Fazit: Ein sehr tiefgründiger und berührender Liebesfilm über die Angst vor dem Alleinsein und die Hoffnung, den Partner fürs Leben zu finden.

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Bilder © Warner Bros.