Haus der Sünde

L'Apollonide - Souvenirs de la maison close (2011), Frankreich
Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: NFP

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Haus der Sünde Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Das HAUS DER SÜNDE - das “L’Apollonide”, ein Pariser Edelbordell, erlebt zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine letzten Tage: in dieser in sich geschlossenen Welt verliebt sich so mancher Mann oder lebt seine Obsessionen aus. Die Mädchen hingegen teilen ihre Geheimnisse, ihre Ängste, ihre Lust und ihren Schmerz… Das heimliche Herz in dieser - so zeit- wie ortlosen Geschichte über die Politik des Sex und dessen Romantisierung - ist «die Frau, die lacht», die heilige Hure, die unglückliche Madeleine (Neuentdeckung: Alice Barnole).

Hafsia Herzi, Céline Sallette und Jasmine Trinca | mehr Cast & Crew


Haus der Sünde - Trailer




DVD und Blu-ray | Haus der Sünde

DVD
Haus der Sünde Haus der Sünde
DVD Start:
29.11.2012
FSK: 16 - Laufzeit: 121 min.

Filmkritik Haus der Sünde

Filmwertung: | 5/10


„Die Freiheit ist da draußen – nicht hier.“ Vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der Jahrhundertwende malt „Das Haus der Sünde“ in gedeckten Farben ein dunkles und symbolüberladenes Spätrealismus Portrait des französischen Freudenhauses L’Appolonide – ein dutzend Mädchen, zweidutzend Freier und dreidutzend Geschichten eröffnen sich dem Zuschauer in hier und da gar surrealistischer, zuweilen schockierend verstörender und emotionslos toter Szenerie.

Durch zielführende Dialogtechnik lernt man die Mädchen, ihren Alltag, ihre Angst vor der Welt da draußen und ihre Sehnsucht nach einem besseren Leben zu verstehen. Die Reduzierung der Handlung auf eine derart begrenzte Location wie das Haus selbst zwingt den Zuschauer dabei unmittelbar in die unwohle Enge der Abhängigkeit, welche die Mädchen an das Haus bindet. Auch ihre Ohnmacht und die absolute Abwesenheit von Entwicklung transportiert Regisseur Bertrand Bornello subtil in atemlos langen Takes, theaterähnlich statischen Aufnahmen und farbloser Szenerie. Dabei erinnern filmtechnische Mittel wie der vermehrte Einsatz von Pans und Tilts, die Verwendung von Split Screen Elementen und der puristische Umgang mit Schnitt authentisch an eine lang vergangene Zeit, in der das Filmemachen wegen kaum ausgereifter Technik mehr oder weniger aus Kamerafahrten bestand. Geschnitten wird kaum – um zwischen den Handlunssträngen hin und her zu springen, verlässt das eine Mädchen die Szenerie und ein anderes betritt sie. Mag man es bei einer solchen Statik kaum glauben, dennoch tut der Zuschauer sich schwer, den Geschehnissen zu folgen. Vor allem Split Screens helfen nicht, den Film und seine Handlungsstränge zu binden, sondern wirken aus der Handlung herausgerissen und lassen das Bild Stück für Stück auseinanderfallen. Wird doch einmal geschnitten, so schneidet man abrupt und gibt dem Zuschauer kaum Zeit, sich einzufinden. Dazu sorgt der Szenenaufbau zuweilen für Verwirrung. Auf spannungssteigernde Mittel wie Cross Cutting verzichtet „Das Haus der Sünde“ beinahe durchgehend –einzig im Schnittverlauf von Gegenwartsszenerie und Flashback klingen sie an, um die Geschehnisse immer mehr zu verrätseln.

Letztlich bewegt sich der Zuschauer zwischen 2 Haupthandlungssträngen. So baut er zunächst eine emotionale Beziehung zu der „lachenden“ Hure Madeleine auf, doch bevor die Zuschauer-Protagonisten Bindung wirklich ausreifen kann, konzentriert sich der Focus übergangslos auf die Erlebnisse des Neuzugangs Pauline. Weil auch die nicht durchgehend Bezugsperson bleibt, hängt das Publikum während des zweiten Filmdrittels lange in der Luft, bevor „Das Haus der Sünde“ den Bogen zurück zur Ausgangsszenerie zieht. Durchtränkt mit Fades und Sublimes treibt das französische Drama seine Skurrilität und Symbolträchtigkeit gegen Ende auf die Spitze. In einer absolut irrealen Szenerie und umgeben von Klängen zeitgenössischer Klassik wird das neue Jahrhundert gefeiert. Die Dinge verändern sich, das Freudenhaus wird geschlossen und die Mädchen befreit, wobei die Erlösung Madeleines ihrer aller Befreiung repräsentiert.

Schlussendlich gibt das „Das Haus der Sünde“ einen zuweilen romantisierten, zuweilen knallhart echten, spätrealistischen Einblick in den Alltag des Freudenhauses. Denjenigen, die sich für jene Thematik interessieren, kann der Film demnach empfohlen werden. Der durchschnittliche Dramenliebhaber sollte sich mit dem „Haus der Sünde“ aber schwer tun, wenn er es mit durchgehend wechselnden Bezugspersonen zu tun hat und so nicht die Qualität von Bindung an die symbolüberladenen, beinahe unecht wirkenden Protagonisten erfährt, wie er es vom Dramagenre gewohnt ist. Zu viele Personen befinden sich allgegenwärtig im Fokus, zu wenig Information wird über sie Preis gegeben. Zwar werden dutzende von Einzelgeschichten angerissen und doch geht keine tief genug, um zu bewegen – und das sollen sie womöglich noch nicht einmal. Die beängstigend emotionslose, widerlich wirtschaftliche Seite von Sex soll im Kontrast zur Menschlichkeit vermittelt werden. Und bei all seinen Mankos ist es genau jenes Gefühl, das das Drama schließlich im Zuschauer zurück lässt.
by Sima Moussavian

Bilder © NFP