Green Book - Eine besondere Freundschaft

Green Book (2018), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Biographie / Komödie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Entertainment One

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Green Book - Eine besondere Freundschaft Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Der begnadete Pianist Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) geht 1962 auf eine Konzert-Tournee von New York bis in die Südstaaten. Sein Fahrer ist der Italo-Amerikaner Tony Lip (Viggo Mortensen), ein einfacher Mann aus der Arbeiterklasse, der seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs und als Türsteher verdient. Der Gegensatz zwischen den beiden könnte nicht größer sein. Dennoch entwickelt sich eine enge Freundschaft. Gemeinsam erleben sie eine Zeit, die von wahrer Menschlichkeit, aber auch Gewalt und Rassentrennung geprägt ist. So müssen sie ihre Reise nach dem „Negro Motorist Green Book“ planen, einem Reiseführer für afroamerikanische Autofahrer, der die wenigen Unterkünfte und Restaurants auflistet, die auch schwarze Gäste bedienen.

Viggo Mortensen, Mahershala Ali und Linda Cardellini | mehr Cast & Crew


Green Book - Eine besondere Freundschaft - Trailer




DVD und Blu-ray | Green Book - Eine besondere Freundschaft

Blu-ray
Green Book - Eine besondere Freundschaft Green Book - Eine besondere Freundschaft
Blu-ray Start:
19.06.2019
FSK: 6 - Laufzeit: 129 min.
DVD
Green Book - Eine besondere Freundschaft Green Book - Eine besondere Freundschaft
DVD Start:
19.06.2019
FSK: 6 - Laufzeit: 124 min.
Green Book - Eine besondere Freundschaft (Mediabook) Green Book - Eine besondere Freundschaft (Mediabook)
DVD Start:
19.06.2019
FSK: 6 - Laufzeit: 124 min.

Filmkritik Green Book - Eine besondere Freundschaft

Filmwertung: | 7/10


In dem Rennen um die heiß begehrten Oscars dieses Jahr gab es zwei umstrittene Filme, über die ziemlich viel geschrieben wurde. "Bohemian Rhapsody" wurde von den Kritikern zerrissen (48 auf Metacritic), und es gab viel Wirbel um Bryan Singer. Der Regisseur wurde von Dexter Fletcher ersetzt, der offizielle Grund lautete "familiärer Notfall". Doch je länger die Award Season ging, desto größer wurde der Skandal um Bryan Singer. Er wurde nämlich beschuldigt, Minderjährige missbraucht zu haben. Diese Anschuldigungen warfen einen großen Schatten über den Film, dessen Star Rami Malek einen Award nach dem anderen für seine Performance als Freddie Mercury gewann. Doch "Green Book" hatte mit weitaus mehr Skandalen zu kämpfen. Zunächst kam heraus, dass der Regisseur Peter Farrelly früher während der Produktion seiner Filme gerne mal sein bestes Stück gezeigt hat. Danach entdeckten einige einen jetzt gelöschten Tweet von Nick Vallelonga, der Drehbuchautor, in dem er schrieb, dass Muslime am 11. September 2001 nach dem Anschlag auf die World Trade Center auf den Straßen von New York feierten. Trump machte diese Aussage damals, und Vallelonga stimmte ihm zu. Auch die Tatsache, dass sich der Film um Dr. Donald Shirley dreht und Mahershala Ali, der ihn verkörpert, in die Supporting Actor Kategorie gedrängt wurde während Viggo Mortensen in der Best Actor Kategorie konkurrierte, schmeckte einigen nicht. Dann meldete sich auch noch Dr. Shirley's Familie zu Wort und beschuldigte Farrelly und die Produzenten, dass der Film nicht der Wahrheit entspreche. Trotz all den Negativschlagzeilen gewann "Green Book" drei Oscars, inklusive Bester Film und Bester Nebendarsteller. Ist "Green Book" der beste Film des Jahres 2018? Nein, definitiv nicht. Aber er ist verdammt unterhaltsam und seine zwei Hauptdarsteller brillieren in ihren Rollen.

Tony Lip (Viggo Mortensen) findet, dass Don Shirley (Mahershala Ali) sich einen neuen Anzug zulegen sollte.
Tony Lip (Viggo Mortensen) findet, dass Don Shirley (Mahershala Ali) sich einen neuen Anzug zulegen sollte. © eOne Germany
Dass Peter Farrelly alleine einen Film dreht sieht man nur ganz selten, normalerweise sitzen er und Bobby Farrelly Jr. auf den Regiestühlen und machen immer gemeinsame Sache. Doch Bobby's Sohn ist vor einiger Zeit gestorben und seitdem hat Bobby Farrelly keinen Film gedreht, daher beschloss Peter Farrelly, diesen Film alleine zu drehen. Auf dem ersten Blick ist die Wahl von Farrelly seltsam, denn bislang hat er fast nur alberne Komödien gedreht ("Alles erlaubt – Eine Woche ohne Regeln", "Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab" und "Dumm und Dümmehr"). Doch früh in seiner Karriere hat er gezeigt, dass er auch anders kann, und lieferte mit "Dumm und dümmer", "Verrückt nach Mary" und "Kingpin" drei Komödien ab, die auf der ganzen Linie überzeugen. Mit "Green Book" wagt er sich zum ersten Mal an ein ernsteres Material ran, und die Rechnung geht auf. Dass er nicht die Feinfühligkeit für gewisse dramatische Momente besitzt ist ihm zu verzeihen, denn das Genre Drama ist für ihn Neuland. Trotz dieser Schwäche überzeugt die kompetente Regie, das Tempo stimmt und ihm gelingt es, den Zuschauern die Freundschaft zwischen Dr. Donald Shirley und Tony Lip glaubwürdig rüberzubringen. Die Schwäche des Filmes liegt eher am Drehbuch, an dem Farrelly mitgewirkt hat. Nick Vallelonga, der Sohn vom echten Tony Lip, und Brian Hayes Currie, waren ebenfalls an der Entstehung des Skripts beteiligt. An manchen Stellen im Film merkt man, wie sehr der Einfluss von Dr. Shirley's Familie fehlt. Wenn Tony Lip Dr. Shirley beibringt, wie man Fried Chicken isst, dann guckt man schon recht fassungslos in die Röhre und wundert sich, wie so eine Szene, die sich im echten Leben bestimmt nicht so zugetragen hat, ins Film geschafft hat. Der Film bedient viele Klischees und auch sonst fehlt dem Film jegliche Subtilität. Dass der weiße Mann wieder den Tag rettet, kann für den einen oder anderen auch problematisch sein.

Der gefeierte Künstler Don Shirley (Mahershala Ali) kann im Süden der USA nicht in jedem Hotel übernachten. Oft sind es nur einfache Unterkünfte, die schwarzen Reisenden zur Auswahl stehen.
Der gefeierte Künstler Don Shirley (Mahershala Ali) kann im Süden der USA nicht in jedem Hotel übernachten. Oft sind es nur einfache Unterkünfte, die schwarzen Reisenden zur Auswahl stehen. © eOne Germany
Oscargewinner Mahershala Ali spielt Dr. Donald Shirley, ein talentierter Konzertpianist, der beschließt, eine zweimonatige Konzerttournee durch die Südstaaten zu starten. Dafür braucht er aber einen Fahrer, der sich mit dem grünen Buch auskennt und sich nicht davor sträubt, Shirley vor Rassisten zu beschützen. Seine Wahl fällt auf Tony Lip, der seinen Job im New Yorker Nachtclub verloren hat und auf der Suche nach Arbeit ist, damit er die Miete zahlen kann. Der sagt zunächst ab, weil er keine schwarzen Mann durch die Gegend chauffieren möchte, doch Tony's Ehefrau kann ihn letztendlich dazu überreden, den Job anzunehmen. Anfangs verstehen die beiden sich überhaupt nicht, doch je länger die Tournee andauert, desto harmonischer wird die Beziehung der beiden. Ali hat schon in "House of Cards" und "Moonlight" gezeigt, dass er ein ausgezeichneter Charakterschauspieler ist. Hier liefert er wieder eine brilliante Leistung ab und ist das Herz des Films. Das großartiger an seiner Performance ist die Tatsache, dass es den Anschein hat, dass Don Shirley sein Leben unter Kontrolle hat. Doch Ali gelingt es, die verletzliche Seite von Shirley subtil auf die Leinwand zu übertragen. Er lacht, er spielt Klavier, doch man merkt ihm an, dass ihm irgendetwas fehlt. Mahershala Ali hat zurecht den Oscar als Bester Nebendarsteller gewonnen. Viggo Mortensen verkörpert Tony Lip, der in einem Nachtclub arbeitet und dafür sorgt, Streitereien innerhalb des Clubs zu lösen. Macht ein Gast Probleme, ist er sofort da und schmeißt ihn raus. Doch als der Club schließt muss er sofort eine neue Arbeitsstelle finden, denn die Miete muss dringend bezahlt werden. Für einen Schwarzen zu arbeiten kommt für ihn anfangs nicht infrage, doch seine Frau überzeugt ihn und am Ende nimmt er das Jobangebot von Don Shirley an. Viggo Mortensen ist nicht mehr so oft auf der großen Leinwand zu sehen, weil er ziemlich wählerisch geworden ist, was seine Filmrollen angehen. Daher kann man sicher sein, dass wenn er in einem neuen Film mitspielt, dieser meistens eine gewisse Qualität besitzt und seine Performance 1A ist, was hier auch der Fall ist. Er besitzt eine überzeugende Chemie mit Ali und die beiden ergänzen sich perfekt. Die Entwicklung, die Tony Lip im Film durchmacht, wird von Mortensen glaubwürdig rübergebracht. Linda Cardellini übernimmt die weibliche Hauptrolle im Film und spielt Tony Lip's Ehefrau Dolores. Zwar besitzt sie nicht so viel Screen Time wie die beiden Männer, doch sie macht das beste daraus.

Dolores (Linda Cardellini) freut sich über die regelmäßigen Briefe, die sie von ihrem Mann Tony bekommt.
Dolores (Linda Cardellini) freut sich über die regelmäßigen Briefe, die sie von ihrem Mann Tony bekommt. © eOne Germany
Die positiven Punkte erstmal vorweg, "Green Book" ist der ultimative Crowdpleaser. Regisseur Peter Farrelly weiß genau, wie er die Zuschauer dazu bringt, sich in diesen Film zu verlieben bzw. ihn zumindest zu mögen. Die Charaktere sind einem zu Beginn nicht gerade sympathisch. Tony Lip hegt eine Abneigung gegenüber den Schwarzen, und Don Shirley lässt gerne mal den Intellektuellen raushängen, um sich von Lip abzuheben, sieht also von oben auf ihn herab. Dabei sind diese Charaktereigenschaften keineswegs miteinander zu vergleichen, denn eins ist definitiv schlimmer als das andere. Nachdem der Film sich mit der Einführung der Charakter Zeit lässt, fängt die eigentliche Geschichte mit dem Roadtrip an, den Don Shirley mit Lip unternimmt. Die Konstellation ist jedem klar: Lip chauffiert Dr. Shirtley zu seinen Konzerten und achtet dabei auf sein Wohlbefinden. Kommt ihm ein Weißer zu nah, muss er einschreiten. Doch je länger die Tournee von Don Shirley andauert, desto besser kommen die beiden miteinander aus. Wenn Shirley Tony Lip dabei hilft, Briefe an seine Frau zu schreiben und ihm passende Formulieren mit auf den Weg gibt, oder Lip Shirley vor einem Polizisten verteidigt, dann gehen einem diese berührenden Momente schon ans Herz. Diese Entwicklung von zwei Menschen, die sich nicht mochten zu zwei guten Freunde, ist dem Film durch all diese kleinen Momente gelungen. Ali und Mortensen gehen in ihren Rollen regelrecht auf und liefern sich ein schauspielerisches Duell auf Augenhöhe, wobei Ali's Charakter Don Shirley mehr Tiefgang hat und er dementsprechend eine stärkere Performance abliefert. Viel wichtiger ist aber, dass die beiden fantastisch miteinander harmonieren. Man merkt den beiden sichtlich an, dass sich auch außerhalb des Sets gute Freunde geworden sind.

Tony (Viggo Mortensen) ist an dem Job interessiert, aber noch nicht ganz überzeugt.
Tony (Viggo Mortensen) ist an dem Job interessiert, aber noch nicht ganz überzeugt. © eOne Germany
Doch es gibt es Momente, die weniger gelungen sind. Wenn ausgerechnet Tony Lip Don Shirley über die schwarze Kultur belehrt und Dinge aufzählt, die von den Schwarzen geliebt wird (Beispielsweise Fried Chicken oder Aretha Franklin), dann wird einem schon etwas mulmig in der Magengegend und man fragt sich, ob das wirklich gerade stattgefunden hat. Der Film charakterisiert Tony Lip als eine Art Helden, nur weil er sich im Laufe des Films mit Shirley anfreundet und ihn auch vor Weißen beschützt. Hier wäre eine subtilere Herangehensweise viel besser gewesen, doch leider schafft es der Film nicht, an einigen Stellen der Klischeehaftigkeit zu entkommen. Dem Film ist anzurechnen, dass er dem Zuschauer die Vorurteile aufführt, die im damaligen Amerika herrschten, und in der heutigen Zeit immer noch existieren. Doch was fehlt ist eine subtile Auseinandersetzung.


Fazit:
Hat dieser Film den Best Picture Oscar verdient, wenn die Konkurrenz The Favourite und BlacKkKlansman war? Vermutlich nicht. Green Book ist wahrlich kein perfekter Film. Aber er auch nicht so schlecht, wie ihn einige darstellen. Die erwähnte Kritik ist gerechtfertigt, aber trotz alldem schafft es der Film, den Zuschauer von der Freundschaft zwischen Shirley und Lip zu überzeugen, man kann seinem Charme nur schwer widerstehen. Wenn dabei Mahershala Ali und Viggo Mortensen in Topform sind und Höchstleistungen abrufen, kann man nicht anders als den Film zu mögen.
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Bilder © Entertainment One