Gold (2013)

Gold (2013) (2013), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Western / Abenteuer
Kinostart Deutschland: - Verleih: Piffl Medien

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Gold (2013) Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Kanada, Sommer 1898. Schon einmal hat Emily Meyer alles hinter sich gelassen, als sie aus Deutschland wegging, um eine Stellung in New York anzunehmen. Nun schließt sie sich einer Gruppe deutscher Amerika-Einwanderer an, um ihr Glück bei den kürzlich entdeckten Goldfeldern im kanadischen Dawson zu suchen. Als die sieben Teilnehmer der vom großspurigen Geschäftsmann Wilhelm Laser organisierten Goldsucher-Truppe von Ashcroft, der letzten Bahnstation, aufbrechen, haben sie keine wirklichen Vorstellung davon, welche Strapazen sie auf der 2.500 Kilometer langen Reise quer durch Kanada erwarten.
Immer tiefer führt der Weg in die unermessliche unwirtliche Wildnis des kanadischen Inlands. Die Landkarten erweisen sich als unzuverlässig, der Planwagen mit dem Proviant wird zum Hindernis, die Packpferde sind der Belastung kaum gewachsen. Unsicherheit und Erschöpfung zerren an den Nerven der Reisenden, die Konflikte zwischen den ungleichen Teilnehmern eskalieren. Während zwischen Laser und dem Journalisten Gustav Müller ein Kampf um die Führung der Gruppe entbrennt, hält sich Emily mehr und mehr an den schweigsamen Packer Carl Boehmer. Einer Sache ist sich Emily ganz sicher: Eine Rückkehr in ihr altes Leben kommt für sie nicht in Frage.


Nina Hoss, Marko Mandic und Peter Kurth | mehr Cast & Crew


Gold (2013) - Trailer


Gold - Trailer


DVD und Blu-ray | Gold (2013)

Blu-ray
Gold Gold
Blu-ray Start:
28.02.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 103 min.
DVD
Gold Gold
DVD Start:
28.02.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 100 min.

Filmkritik Gold (2013)

Filmwertung: | 7/10


Ein Western aus Deutschland? Was zunächst nur schwer vereinbar scheint, ist bei genauerem Hinsehen kein Einzelfall - und Karl Mays oft verfilmte Wild-West-Ikone „Winnetou“, samt Nachzüglern und Parodien, nur die Spitze des Eisberges. Roland Klicks „Deadlock“ (1970) etwa war ein postmoderner Western-Abgesang peckinpah'schen Ausmaßes – mit freundlicher Empfehlung eines gewissen Alejandro Jodorowsky. Auch Helge Schneider verlegte 1993 seine größtenteils improvisierten Dada-Orgien in den Wüstensand von Amerikas mittlerem Süden („Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“). Und selbst Rainer Werner Fassbinder zollte dem uramerikanischsten aller Filmgenres Tribut: „Whity“ (1971) verband die forcierte Künstlichkeit des von Fassbinder und Peer Raben initiierten „Antiteater“ (sic!) mit der Melodramatik des altehrwürdigen Hollywood-Kinos und breitete seine Geschichte von Rassismus, Rache und Repression vor einem klassischen Western-Setting aus. Mit Thomas Arslan nimmt sich nun erstmals ein Protagonist der sogenannten Berliner Schule, einem Mitte der 90er Jahre gegründeten losen Zusammenschluss berlinstämmiger Filmemacher (u.a. Christian Petzold, Christoph Hochhäusler, Maren Ade) zur Regeneration des deutschen Autorenfilms, des Western-Genres an. Diese war zuletzt – etwa durch Dietrich Brüggemanns ausgerechnet im Zuge eines Kinobesuchs von Arslans „Gold“ entstandenes Pamphlet „Fahr zur Hölle, Berliner Schule“ - etwas in Ungnade gefallen: Den assoziierten Regisseuren wurde fehlender Wagemut vorgeworfen, „gähnende Langeweile“, „Verkünstelung“. Dabei stellt jeder einzelne unter dem Label der „Berliner Schule“ entstandene Film – unabhängig von seiner Qualität – ein Gegengift zum prädominierenden deutschen Beziehungs-und Befindlichkeits-Mief dar. Und das ist heute, in Zeiten des einfältig-formelhaften Wohlfühlkinos nach Schweiger-Höfer, so wichtig wie 1996.

Thomas Arslan trat bereits 2010 den Beweis an, dass innerhalb der Berliner Schule – die ja vor allem eine Schule des Sehens, der Andeutungen, des Schweigens und des Innehaltens ist – auch Genrekino möglich ist. Mit „Im Schatten“ nahm er sich des französischen Kriminal- und Gangsterfilms der 50er bis 70er Jahre an und damit des reichen Zitatenschatzes des Kinos von Jean-Pierre Melville („Der Teufel mit der weißen Weste“, „Vier im roten Kreis“), Henri Verneuil („Lautlos wie die Nacht“, „Der Clan der Sizilianer“) oder Jules Dassin („Die Ratte von Soho“, „Rififi“); weniger genüsslich als hochkonzentriert - und mit heiligem Ernst - setzte er die Bausteine, aus denen seine unleugbaren Vorbilder geschaffen waren, zu einem unterkühlt-modernen Thriller neu zusammen, in dem Misel Maticevic als eiskalter Engel dem unvermeidlichen Abgrund entgegensteuerte. Weil es in der Welt, in der Arslans Film spielt – das Berlin der Gegenwart, eigentlich aber nur das kontemporäre Faksimile einer im Halbschatten gelegenen, zeitlosen Kino-Realität, die ihren eigenen Regeln unterliegt -, keine Alternative gibt. Oder anders gesagt: Jede Szene war bestimmt von Arslans nahezu intrinsischem Gespür für sein Sujet und dessen Insignien – und doch war „Im Schatten“ am Ende ein Film, der auf eigenen Füßen stand, der von Melville lernte, um die Abschlussprüfung in der Berliner Schule abzulegen. In dieser Hinsicht wirkt „Gold“ zunächst ein wenig enttäuschend: Arslan scheint die Klischees des Western-Genres weniger zu durchdringen und neu zu formieren, als dass er sie schlicht und einfach reproduziert. Bereits innerhalb der ersten halben Stunde begegnen uns Fremde, die der im Fokus des Films stehenden Heldenreise dunkle Prophezeiungen vorausschicken und ein alter, bärtiger Mann, der misstrauisch dreinblickend vor der Tür eines Saloons sitzt. Und es dauert auch nicht lange, bis dem Zuschauer klar ist: Trauen kann man hier niemandem, jeder denkt nur an seinen eigenen Vorteil. Am besten in Form eines schillernden Goldnuggets.

Arslans nennt diesmal Referenzen wie „Der große Treck“ (1930, R: Raoul Walsh), „Karawane der Frauen“ (1951, R: William E. Wellman), „Auf eigene Faust“ (1959, R: Budd Boetticher) oder „Das Schießen“ (1966, R: Monte Hellman). Diese Liste ließe sich beliebig fortführen: William E. Wellmans „Ritt zum Ox-Bow“ (1943), Howard Hawks' „Der weite Himmel“ (1952), Anthony Manns „Nackte Gewalt“ (1953), John Hustons „Der Schatz der Sierra Madre“ (1948) und natürlich John Fords Über-Klassiker „Ringo“ (1939). „Gold“ ist keine Dekonstruktion des Genres und erst recht kein Anti-Western, sondern eine Verbeugung aus sicherer Distanz, die den Mythen des Genres Tribut zollt und sie gleichzeitig von ihrem unzeitgemäßen Ballast befreit. So ist die völlige Absenz von Misogynie zwar Ehrensache, doch geht Arslan dabei noch ein Quentchen konsequenter vor als andere Neo-Western der letzten Jahre, indem er eine Frau zur Hauptfigur in dieser seit jeher vor Virilität strotzenden Umgebung macht. Diese wird gespielt von der wie immer souverän aufspielenden Nina Hoss: Emily Meyer emigrierte einst in der Hoffnung auf ein besseres Leben aus Deutschland in die USA. Nach einigen schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs und einer enttäuschenden Ehe schließt sie sich einer Gruppe deutscher Auswanderer an. Wir schreiben das Jahr 1898, es ist die Zeit des großen Klondike-Goldrauschs – und der Beginn eines beschwerlichen Trips zu den kurz zuvor entdeckten Goldfeldern in Dawson.

Der Film bewegt sich auf den ersten Blick entlang der tradierten Western-Topoi – doch wäre er kein Film der Berliner Schule, hätte Arslan in sein weitgehend klassisches Szenario nicht einen doppelten Boden eingebaut: „Gold“ ist auch ein Film über die Fremde und das Sich-fremd-Fühlen, über die Sehnsucht nach dem Unbekannten und die darauffolgende Ernüchterung, kurz: das Thema der Migration. Das ist die persönliche und gleichzeitig auch die politische Dimension von „Gold“. Doch auch als Western funktioniert er - nach einer gewissen Anlaufphase – hervorragend. Arslan drehte an Originalschauplätzen in Kanada und schafft nicht zuletzt dadurch eine Authentizität, die man anfangs noch nicht für möglich hält – Nina Hoss oder Lars Rudolph in einschlägiger Kostümierung zu sehen, sorgt einen Moment lang für Irritation, vielleicht auch Belustigung und schmeckt ein bisschen nach Motto-Party (jedoch einer, zu der ein Ensemble geladen ist, das man guten Gewissens als eine Art „Who's Who“ des Neuen Deutschen Films bezeichnen könnte). Dass man sich daran schneller gewöhnt als zunächst vermutet, liegt an Arslans scheinbar instinktivem Gefühl für Atmosphäre, an der schier unendlichen Weite der Landschaft, in der er sich aber nie verliert und an der erbarmungslosen Logik, der die Erzählung folgt. Derweil führt Dylan Carlsons Steel-Gitarre bedächtig und eindringlich durch den Film und weckt Erinnerungen an Neil Youngs Soundtrack zu Jim Jarmuschs „Dead Man“. Dass „Gold“ bei der Uraufführung auf der diesjährigen Berlinale angeblich für lautstarkes Gelächter sorgte, ist vielleicht einem Missverständnis zuzuschreiben: Bei aller Sorgfalt und Ernsthaftigkeit gibt es Momente lakonischen Humors, der einen augenzwinkernden Blick auf die Klischees offenbart. Ein anderer Grund für derartige Reaktionen lässt sich kaum finden: „Gold“ ist die Wiederentdeckung der Langsamkeit im Western, ein elegischer und dabei zutiefst organischer Film. Und ein weiterer Beleg dafür, dass sich Kunst- und Genre-Kino durchaus zusammendenken lassen. Selbst im deutschen Film.
by Siegfried Bendix

Bilder © Piffl Medien