Gloria - Das Leben wartet nicht

Gloria Bell (2018), USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Komödie / Romanze / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: SquareOne Entertainment / DCM

-> Trailer anschauen

Gloria - Das Leben wartet nicht Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Eigentlich ist Gloria (Julianne Moore) ganz zufrieden mit ihrem Leben: Sie ist Mutter zweier erwachsener Kinder, temperamentvoll, geschieden und nur hin und wieder etwas einsam. Ihre Tage verbringt sie mit einem langweiligen Bürojob, ihre Nächte frei und ungezwungen auf der Tanzfläche von Single-Partys in den Clubs von Los Angeles. In einer dieser Nächte trifft sie Arnold (John Turturro) – genau wie Gloria geschieden und Single. Was wie eine abenteuerliche Bilderbuch-Romanze voller Erotik und Schmetterlingen im Bauch beginnt, muss sich schon bald wichtigen Themen des Lebens wie Familie, Beziehungsfähigkeit und Verbindlichkeit stellen. Ist Gloria bereit für eine neue Liebe, trotz des emotionalen „Gepäcks“, das ein neuer Partner mit in die Beziehung bringt? Oder hält das Leben vielleicht doch noch weitere Überraschungen für sie parat?

Julianne Moore, John Turturro und Caren Pistorius | mehr Cast & Crew


Gloria - Das Leben wartet nicht - Trailer




Filmkritik Gloria - Das Leben wartet nicht

Filmwertung: | 6/10


"Gloria- Das Leben wartet nicht" erscheint am 22. August 2019 in den deutschen Kinos, geht 102 Minuten und wurde geschrieben und inszeniert vom Chilenen Sebastián Lelio, der neben diesem Remake auch für das chilenische Original von 2013 verantwortlich ist. Der Film erzählt die Geschichte von Gloria, einer Alleinlebenden Mutter, die in ihrem Leben selbst nur eine Nebenfigur ist. Sie ist diejenige, die ihren zwei erwachsenen Kindern und Freundinnen mit Ratschlägen zur Seite steht und nur wenig Aufregung in ihrem Alltag vorweisen kann. Ihr Leben scheint von Routine geprägt: Gloria fährt singend mit dem Auto zur Arbeit, verbringt dort die meiste Zeit des Tages und lernt am Abend neue Leute in Bars kennen, hin und wieder einen One-Night-Stand. An manchen Tagen besucht sie sogar Stressbewältigungs-und Yoga-Kurse, um ihren Alltag zu entkommen. Doch Glorias Leben verändert sich mit einem Schlag, als sie eines Abends den ebenfalls geschiedenen Vater Arnold auf der Tanzfläche trifft. Nach einer gemeinsamen Nacht beschließen sie, sich auf das Abenteuer Liebe einzulassen. Dabei wird ihnen und dem Zuschauer schnell klar: Auch im Alter macht die Liebe blind und Regisseur Lelio lässt keine Gelegenheit aus, dies dem Zuschauer auf knallharte Weise bewusst zu machen…

Ein Straßenkünstler erregt Glorias (Julianne Moore) Aufmerksamkeit
Ein Straßenkünstler erregt Glorias (Julianne Moore) Aufmerksamkeit © SquareOne Entertainment
"Gloria- Das Leben wartet nicht" ist keine klassische Romanze. Die beiden Protagonisten sind nicht jung und wild, es ist keine Liebe auf den ersten Blick. Gloria und Arnold haben beide Kinder und mussten erfahren, wie schmerzhaft eine Trennung sein kann. Doch während Gloria sich 12 Jahre nach ihrer Scheidung mit der Situation abgefunden hat, scheint es ihrem erst kürzlich geschiedenen Liebhaber schwerzufallen, loszulassen. Er steht immer noch in regelmäßigem Kontakt zu seiner alten Familie und obwohl er vorgibt, sich nur um seine Töchter zu sorgen, nagen Zweifel an Gloria. Diese Zweifel bringt Hauptdarstellerin Julianne Moore hervorragend rüber und es ist dem Film anzumerken, dass er ein Herzensprojekt der Oscar-Preisträgerin ist. Genauer gesagt, hätte es dieses Remake ohne Moore gar nicht gegeben, die ein großer Fan des Originals ist und erst einmal den Regisseur Lelio davon überzeugen musste, eine Neuverfilmung zu wagen. Dieser war letztendlich nur einverstanden, da er unbedingt mit der Amerikanerin zusammen arbeiten wollte. Und tatsächlich, die Chemie zwischen Regisseur und Hauptdarstellerin passt perfekt, Moore wird hier ihren großen Ansprüchen gerecht. Ob es nachher tatsächlich für eine Oscar-Nominierung reicht, bleibt abzuwarten. Es wäre allerdings eine typische Oscar-Rolle, gespielt von einer typischen Oscar-Kandidatin.

Es knistert zwischen Gloria (Julianne Moore) und Arnold (John Turturro)
Es knistert zwischen Gloria (Julianne Moore) und Arnold (John Turturro) © SquareOne Entertainment
Wo der Film seine Protagonistin so brillant in Szene setzt, schwächelt er bei den anderen Figuren. So muss der solide spielende John Turtorro einen eindimensionalen Charakter spielen, der nicht einmal im Film lachen darf. Der stets besorgte und traurige Arnold wird leider nur dafür genutzt, um der Protagonistin die Möglichkeit zu geben, mehr Gefühle zeigen zu können. Der Film dreht sich nun einmal nur um sie und leider rücken dabei die Nebenfiguren und die Handlung in den Hintergrund. So wirkt zum Beispiel eine überraschende Schwangerschaft von Glorias Tochter etwas deplatziert, da dieser ganze Handlungsstrang am Ende nur dazu gut war, Glorias emotionale Reife als Mutter zu zeigen. Genauso unwichtig ist ein sich anbahnender Konflikt mit Glorias depressiven Nachbarn, welcher wirklich nichts zur Handlung beiträgt und bei dem man sich am Ende des Films fragt, warum er nun 10 Minuten des Films eingenommen hat.

Arnold (John Turturro) und Gloria (Julianne Moore) versuchen es mit einem romantischen Wochenende in Las Vegas
Arnold (John Turturro) und Gloria (Julianne Moore) versuchen es mit einem romantischen Wochenende in Las Vegas © SquareOne Entertainment
Auf der anderen Seite gibt es aber viele kleine Einstellungen im Film, die zeigen, dass Lelio ganz genau weiß, wie er seine Hauptfigur aussehen und wirken lassen will. So bemerkt man als wachsamer Zuschauer, dass die Lieder, die bei Gloria im Auto laufen, stets ihre Gefühlslage widerspiegeln. Von Love is in the air bis hin zu Stille: Glorias Auto-Radio scheint immer genau zu wissen, wie es ihr geht. Eine clevere Methode, den Zuschauer mit dem Zustand der Protagonistin vertraut zu machen.

Die Kameraarbeit verläuft durchgängig solide, wie man es bei Dramen und Romanzen eben kennt. Es gibt keine aufregenden oder besonderen Aufnahmen, die Kamera bleibt immer ganz nah bei den Figuren haften, was eine engere Verbundenheit zwischen Zuschauer und Figur bewirkt. Auch der Ton und die Musik bleiben bis auf die Songs im Auto unauffällig. Es soll nichts von der Hauptfigur ablenken.


Fazit:
Zusammenfassend ist 'Gloria- Das Leben wartet nicht' zu 100% auf Julianne Moore ausgerichtet und das will er auch sein. Moore spielt ihre Rolle makellos, so dass man teilweise vergisst, dass man gerade einer Schauspielerin und keiner echten Persönlichkeit zuschaut. Von seiner Hauptfigur abgesehen schafft es der Film aber leider nicht, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Dafür sind die Handlung und Nebenfiguren einfach zu eintönig. Man bekommt eben genau das, was man im Trailer präsentiert kriegt: eine Julianne Moore-Show.
by

Bilder © SquareOne Entertainment / DCM