Girl

Girl (2018), Belgien / Niederlande
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universum Film

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Inhalt

Lara ist 15 und hat einen Traum: Sie will Balletttänzerin werden. Als sie an einer renommierten Akademie unter Vorbehalt angenommen wird, zieht sie mit ihrem Vater und ihrem kleinen Bruder nach Brüssel. Währenddessen versucht Lara noch einen zweiten Kampf zu gewinnen: Sie will sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. Äußerlich ist sie bereits ein Mädchen, doch ihr Körper ist noch der eines Jungen. Ihr Vater unterstützt sie bei ihrem Vorhaben, begleitet seine Tochter bei jedem Schritt und ist für sie da, genau wie Psychologen und Ärzte. Doch der Leistungsdruck auf die junge Ballerina ist enorm und nebenbei wird Lara durch ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ins heiß-kalte Wasser der Pubertät geworfen. Das kräftezehrende Training zwingt Lara schließlich zur Selbstkasteiung, mit der sie wiederum ihre Operation aufs Spiel setzt. Ihre beiden großen Träume scheinen sich immer mehr zu widersprechen. Als die Ärzte ihr schließlich das Ballett verbieten, trifft Lara eine folgenschwere Entscheidung, mit der sie endgültig zur Frau werden will.

Victor Polster, Arieh Worthalter und Oliver Bodart | mehr Cast & Crew


Girl - Trailer




Filmkritik Girl

Filmwertung: | 9/10


Der Film Girl handelt von einem transgender Mädchen Lara (Victor Polster), das in einem Jungenkörper gefangen ist und sich dazu entscheidet, eine Geschlechtsumwandlung durchzuführen. Lara hat zwei Träume, die sie um alles in der Welt erreichen will, eine Frau zu sein und eine Ballerina zu werden. Der Film handelt um ihren Kampf dies zu erreichen. Lara lebt zusammen mit ihrem alleinerziehenden Vater Mathias (Arieh Worthalter) und ihrem 6 Jahre alten Bruder Milo (Oliver Bodart). Der Film zeigt besonders stark die emotionale Bindung zwischen Vater und Tochter und wie beide mit diesem Kampf gemeinsam umgehen. Nachdem ihr Vater für sie den Ort gewechselt hat, damit sie in einer neuen Stadt und in einer neuen Schule, der besten Tanzschule des Landes, einen Neustart wagen kann, erweist sich dieser Weg als unglaublich belastend für Lara. Nicht nur der Druck der Lehrer ist ihr deutlich zu hoch, sondern besonders der Umgang der anderen Mitschülerinnen, die sie immer wieder in ihrer Identität als Mädchen oder Junge hinterfragen. Immer wieder gerät Lara in Situationen, die sie zu ihren physischen, aber auch psychischen Grenzen stoßen, sodass selbst Ärzte ihr nur begrenzt helfen können. Während erwartet wird, dass sie mit Ärzten und ihrem Vater in einen Dialog tritt, was ihre Gefühlswelt angeht, verschanzt sich Lara immer weiter in ihr Inneres, sperrt sich in ihren eigenen Kopf ein, der sie nicht mehr atmen lässt.

(VICTOR POLSTER) mit Freundinnen beim Tanztraining
(VICTOR POLSTER) mit Freundinnen beim Tanztraining © Menuet
Dem jungen Filmregisseur Lukas Dhont (*1991) gelingt ein Film, der eine emotionale Ebene erreicht, die dem Zuschauer unglaublich nahegeht und doch nicht in Kitsch übergeht. Victor Polster spielt die Rolle der Lara unglaublich gefühlsnah und echt. Er liefert eine sehr einfühlsame und gefühlsstarke Performance als Lara, einen Charakter, der mit sich selbst immer wieder in Konflikt tritt und diesen aber stets nicht nach außen tragen kann und nicht will, besonders aufgrund der immerwährenden Fürsorge und Hilfsbereitschaft des Vaters. Die Rolle des Vaters, die eher in den Hintergrund gestellt wird, wird von Arieh Worthalter ebenso einfühlsam und vorallem liebevoll gespielt, ein Vater, der in seinem Vatersein, in seinem Helfer-Dasein immer wieder an seine Grenzen stößt und alles daransetzt, dass Lara sich ihm öffnet und er den Zugang zu ihrem Herzen nicht verliert. Der Film erinnert in seiner Thematik, vorallem wie mit der Frage nach Identität bei Transgendern umgegangen wird stark an Xavier Dolan´s Film Laurence Anyways aus dem Jahr 2012 mit Melvil Poupaud als Laurence Alia und Suzanne Clément als seine Freundin Fred Belair. Beide Filme schildern, die Probleme des Alltags, die Widerstände, den durchgehenden zweifellosen Willen einer Geschlechtsumwandlung der Hauptdarsteller und aber auch wie schwer es für das liebende Umfeld ist, zu unterstützen.


Fazit:
Besonders schön an diesem Film war für mich, die Beziehung zwischen Vater und Tochter, die unglaublich liebevoll gespielt wird. Mathias kämpft für seine Tochter und will sie wirklich verstehen, damit er ihr auf diesen Weg beistehen kann und immer ein guter Begleiter ist. Auch er gerät an Grenzen seiner Möglichkeit und weiß sich nicht zu helfen. Es ist keine Geschichte, die eine große Erzählung mit viel Handlungsextremen zeigt, sondern mehr eine Geschichte die erzählt wie groß Emotionen bei scheinbaren Alltäglichkeiten sein können und man kann nur nachfühlen, wie schwer es sein muss, in der falschen Identität geboren worden zu sein. Die Filmmusik wurde dementsprechend sehr passend gewählt. Die Länge des Filmes passt zu dem Motiv der Langsamkeit. Es ist kein Film der reich an Handlungen ist, noch ist er vollgepackt mit einem Spannungsbogen. Die Musik passt sich meiner Meinung nach gerade, weil sie sehr monoton ist und oft unterbrochen wird an den Film hervorragend an.
Ich denke, dass dieser Film unbedingt sehenswert ist.
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Bilder © Universum Film