Get Out

Get Out (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Horror / Thriller / Mysterie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Ein Landhaus im Grünen, ein Wochenende bei den neuen Schwiegereltern in spe, der Empfang ist herzlich - vielleicht eine Spur „zu herzlich“. Schnell muss Chris (Daniel Kaluuya; Sicario) feststellen, dass mit der Familie seiner Freundin Rose (Allison Williams; Girls) etwas nicht stimmt. Bizarre Zwischenfälle verwandeln den vermeintlich entspannten Antrittsbesuch unversehens in einen ausgewachsenen Alptraum für den Familien-Neuling.

Daniel Kaluuya, Allison Williams und Bradley Whitford | mehr Cast & Crew


Get Out - Trailer




DVD und Blu-ray | Get Out

Blu-ray
Get Out Get Out
Blu-ray Start:
07.09.2017
FSK: 11 - Laufzeit: 104 min.
DVD
Get Out Get Out
DVD Start:
07.09.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 100 min.

Filmkritik Get Out

Filmwertung: | 8/10


Schon in den ersten Minuten von „Get Out“ wird deutlich, dass sich hier ein Filmemacher verantwortlich zeichnet, der mit vollem Selbstbewusstsein und absoluter Kontrolle am Werk ist, der ganz genau weiß, was er tut. Dass es sich hierbei um ein Erstlingswerk handelt, erstaunt dann schon. Get Out SzenenbildDass sich besagter Regiedebütant tatsächlich als Jordan Peele herausstellt, der zuvor als Teil des Comedy-Duos Key & Peele bekannt wurde, verblüfft dann umso mehr. Peele gelang mit „Get Out“ ein echter Überraschungserfolg, der auf teils nahezu virtuose Art und Weise nahtlos das Horror- mit dem ihm lange bekannten Komödien-Genre zu einer beißenden und respektlosen Satire verknüpft, die den gegenwärtigen Zeitgeist bitterböse und mit erstaunlicher Leichtigkeit einfängt und kommentiert. Das ist spannend, sehr unterhaltsam, intelligent, mal gänsehauterregend-gruselig und oft auch schlicht sehr, sehr komisch. Mit einem Budget von knapp fünf Millionen Dollar hat „Get Out“ weltweit bereits fast 200 Millionen Dollar eingespielt und ist damit das erfolgreichste auf einem Original-Drehbuch basierende Regiedebüt aller Zeiten, womit man den bald zwanzigjährigen Rekord von „Blair Witch Project“ gebrochen hat.

Chris (Daniel Kaluuya, „Sicario“, „Black Mirror“) ist ein aufstrebender junger Fotograf, der gerade sein privates Glück mit seiner Freundin Rose (Allison Williams, „Girls“) gefunden hat. Alles scheint perfekt, doch eine große Hürde steht dem jungen Paar noch bevor: das Treffen mit den Eltern. Übers Wochenende fahren Chris und Rose schließlich auf das ländliche Anwesen ihrer Eltern Dean (Bradley Whitford, „The West Wing“, „Transparent“) und Missy (Catherine Keener, „Being John Malkovich“, „Jungfrau (40), männlich, sucht“). Die Tatsache, dass die weiße Rose ihren Eltern noch nicht verraten hat, dass er schwarz ist, bereitet Chris große Kopfschmerzen, doch Rose versichert ihrem Freund, dass ihre Eltern grundliberal sind und ihr Vater gerne Barack Obama auch ein drittes Mal gewählt hätte. Get Out SzenenbildAm Elternhaus angekommen trifft Chris tatsächlich auf ein sehr entspanntes und freundliches Paar, das an seiner Hautfarbe nicht interessiert ist – Im Gegenteil, sie lassen keine Gelegenheit aus, seine schwarze Herkunft in ein positives Licht zu stellen. Dann sind da aber auch ihre leicht merkwürdigen Verhaltensweisen, die Chris nicht gerade in einen entspannten Gemütszustand versetzen. Vieles kommt Chris hier unheimlich und nicht ganz koscher vor, vor allem die sonderbar wirkenden schwarzen Bediensteten, darunter die Haushälterin Georgina (Betty Gabriel, „The Purge – Election Year“) und der Gärtner Walter (Marcus Henderson, „Django Unchained“). Während zunächst nur ein unwohles Gefühl bei Chris vorherrscht, dass hier irgendetwas mächtig faul ist, häufen sich merkwürdige Ereignisse, die nach und nach ein schockierendes Familiengeheimnis offenbaren…

In den ersten Minuten folgt die Kamera einem jungen schwarzen Mann (LaKeith Stanfield), der sich nachts durch eine ihm unbekannte Wohngegend bewegt. Schließlich wird er von einem alten weißen Porsche eskortiert, die Situation, während der er am Telefon ist, wird zunehmend unheimlicher, während sich die Kamera in einer einzigen ununterbrochenen Einstellung immer wieder um ihn herum bewegt und unterschiedliche Bildbereiche offenbart. Hier zeigt Peele perfektes Gefühl für Spannungsaufbau und Bildregie, eine Stärke, die sich tatsächlich durch den gesamten Film zieht. Auch die coole Vorspannsequenz zu Childish Gambinos „Redbone“ und zuvor zu ominöser afrikanischer Musik packt den Zuschauer dann spätestens mit ihrem inszenatorischen Selbstbewusstsein und bestechendem Gefühl für Atmosphäre. Dass mit Chris ein starker Hauptcharakter etabliert wird, der dank dreidimensionaler Figurenzeichnung und starkem sympathischem Charisma des talentierten Briten Kaluuya große Empathie seitens des Zuschauers erweckt, macht Lust auf mehr. Was wird die Situation bei Roses Eltern wohl offenbaren? Peele vergreift sich hier nie im Ton und hat das Publikum vor allem in der ersten Hälfte des Films voll in seiner Hand.

Get Out Szenenbild Es ist faszinierend zu sehen, wie gut Peele die Gratwanderung zwischen unheimlicher, teils surrealer Atmosphäre, hervorragend platzierten und effektiven Schocksequenzen und schwarzem, bitterbösem Humor gelingt. Echte Horrorfans werden sich hier zwar nie so sehr gruseln, dass der Film wirklich nachwirkt, dennoch sorgen starke, einfallsreiche Horror-Bilder und dichte Atmosphäre für angenehmes Unwohlsein und gelegentliche Schreckmomente. Bestechend beobachtet sind dann vor allem die ruhig inszenierten Szenen zu Beginn mit Roses Eltern, bei der gerade Bradley Whitford als Vater Dean einige herausragend komische und doppeldeutige Sprüche zum Besten gibt, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Die unangenehme und genüsslich überspitzte Situationskomik, die Erinnerungen an „Rat mal, wer zum Essen kommt“ weckt, inszeniert Peele mit sicherer und pointierter Hand. Bei dem sich sonderbar (erstaunlich „weiß“) verhaltenden Personal der Familie verbeugt sich Peele scheinbar vor „Die Frauen von Stepford“, denn sowohl Georgina als auch Walter wirken wie Wesen von einem anderen Planeten, als seien sie quasi ausgetauscht. Peele steigert die Spannung und Unsicherheit zunehmend im Stile eines echten Meisters, wobei er tonal die perfekte Balance zwischen Horror und Komödie hält.

Nur Chris bester Freund Rod (Lil Rel Howery) ist eines der offensiv humoristischen Elemente, das etwas aus der allgemeinen Stimmung des Films heraus fällt. Seine „Comic relief“-Momente sind zwar für sich gelungen, wirken aber stellenweise etwas überzogen comichaft und albern, als kämen sie aus einem anderen Film. Gerade in der deutschen Fassung fallen manche Witze auch etwas flach, dennoch bringen diese Momente den Film nie wirklich ins Schwanken, was auch der sympathischen und natürlich komischen Präsenz von Howery zu verdanken ist.

Get Out Szenenbild Peele lässt die Situation immer weiter genüsslich zuspitzen und scheut dabei auch vor überzogener Theatralik und effektiven Gewaltmomenten nicht zurück. „Get Out“ ist so hochoriginelles, wagemutiges und erinnerungswürdiges Kino, das am Ende durchaus sogar noch ein Stück böser hätte ausfallen können. Tatsächlich hat Peele sein weit bissigeres Original-Ende verworfen und gegen ein etwas weicheres Ende ausgetauscht. Wie dem auch sei, Peele gelingt hier nicht nur ein filmisch aufsehenerregendes Stück Genrekino, sondern auch ein herrlich abgründiger, selbstbewusster und herausfordernder Sozialkommentar über die pseudoliberale weiße Elite und die Rassismus-Situation in Amerika, wie er nicht zeitgemäßer sein könnte. Hier hält Peele vielen Zuschauern herausfordernd den Spiegel vors Gesicht - dankbarerweise ohne jemals predigend zu wirken und sogar mit großem Spaßfaktor, was gerade im Mainstream-Kino viel zu selten auf solch giftige Weise passiert.


Fazit:
Bitterböser, scharfsinniger und satirischer Sozialkommentar über die Rassismus-Situation in Amerika gepaart mit atmosphärischem und stilsicherem Horrorkino – mit scheinbarer Leichtigkeit inszeniert von Regiedebütant Jordan Peele, der hier auf eine große Zukunft hoffen lässt.
by

Bilder © Universal Pictures Intl.