Gambit - Der Masterplan

Gambit (2012), USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Komödie / Krimi
Kinostart Deutschland: - Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Gambit - Der Masterplan Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Harry Deane (COLIN FIRTH) hat es satt. Jahrelang wurde der nüchtern-korrekte Kunstkurator von seinem exzentrischen, arroganten Boss Lionel Shabandar (ALAN RICKMAN) gedemütigt. Jetzt will es Harry dem besessenen Kunstsammler und reichsten Mann Englands, heimzahlen und ihm für ein gefälschtes Meisterwerk von Claude Monet, das als verschollen galt, ein Vermögen abnehmen. Harrys alter Freund, Major Wingate (TOM COURTENAY), ein Meisterfälscher, wird das Bild malen, die Texanerin PJ Puznowski (CAMERON DIAZ) den Kauf als attraktiver Lockvogel anheizen. Dem Charme der quirligen Rodeokönigin, bei deren Großmutter das Meisterwerk „zufällig“ entdeckt wird, kann Shabandar genauso wenig widerstehen wie der Anziehungskraft des lange gesuchten Gemäldes. Davon ist Harry überzeugt. Und so läuft die Verwirklichung seines gewagten Plans perfekt, doch nur in seinem Kopf scheint die Rechnung bis ins kleinste Detail aufzugehen. Denn das Leben, die Liebe und auch sein Boss bleiben unberechenbar...

Colin Firth, Cameron Diaz und Alan Rickman | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Gambit - Der Masterplan

Blu-ray
Gambit - Der Masterplan Gambit - Der Masterplan
Blu-ray Start:
12.11.2013
FSK: 6 - Laufzeit: 99 min.
DVD
Gambit - Der Masterplan Gambit - Der Masterplan
DVD Start:
12.11.2013
FSK: 6 - Laufzeit: 95 min.

Filmkritik Gambit - Der Masterplan

Filmwertung: | 6/10


Wenn ein Werk als „turbulente Komödie“ beworben wird und das Plakat zu jenem Werk Cameron Diaz im Sexy-Cowgirl-Outfit (sowie mit breitem Cameron-Diaz-Grinsen) zeigt, darf mit vollem Recht das Schlimmste befürchtet werden. Wird Miss Diaz auf besagtem Plakat von zwei großartigen britischen Schauspielern – Colin Firth und Alan Rickman – flankiert und werden zudem die Brüder Joel und Ethan Coen („The Big Lebowski“) als Drehbuchautoren genannt, darf man sich aber durchaus auch der Hoffnung hingeben, hohe Komödienkunst dargeboten zu bekommen. Im Endeffekt ist „Gambit – Der Masterplan“ weder das befürchtete Possenspiel, noch das erhoffte humoristische Meisterstück – sondern eine (im positiven Sinne) altmodische Gaunergeschichte, die zuweilen in die eine, zuweilen in die andere Richtung ausschlägt.

Der Film – ein loses Remake von „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“ (1966) mit Michael Caine und Shirley MacLaine – begibt sich in die Kunstwelt Londons. Der ungelenke Kurator Harry Deane sinnt auf Rache an seinem Boss – dem sagenhaft reichen und sagenhaft arroganten Kunstsammler Lionel Shahbandar. Mit Unterstützung des Fälschers Major Wingate will er Shahbandar mit einer Claude-Monet-Imitation um einen hohen Geldbetrag bringen und ihn nebenbei als Ahnungslosen bloßstellen; die texanische Rodeo-Queen PJ Puznowski soll sich als Besitzerin des vermeintlichen Meisterwerks ausgeben und als Verlockung dienen. Die Verwirklichung des (Master-)Plans erweist sich allerdings als kniffliger, als Harry es sich in Gedanken ausgemalt hat…

Bereits der schön gestaltete Vorspann, in welchem die Filmfiguren in Zeichentrickform auftreten, lässt erkennen, dass die Kriminalkomödie in der Tradition der klassischen Pink-Panther-Reihe aus den Sechziger- und Siebzigerjahren steht. Jene Reihe (mit Peter Sellers als Inspektor Clouseau) bestach durch inszenatorische Eleganz sowie skurrilen Humor; und streckenweise glückt es Regisseur Michael Hoffman und seinem Team, den Pink-Panther-Schwung in „Gambit“ zu beschwören: Neben den Verantwortlichen für Kostüm- und Produktionsdesign leistet insbesondere Kameramann Florian Ballhaus gute Arbeit, indem er atmosphärische Bilder der verregneten englischen Metropole kreiert. Ferner verfügt das Drehbuch über Wortwitz – obgleich fraglich ist, inwieweit dieser Wortwitz in der Synchronfassung noch vorhanden sein wird: In der Originalversion (die der Presse gezeigt wurde) beziehen die Dialoge ihre Komik nicht selten aus den Unterschieden zwischen „British English“ und „American English“; obendrein geben der Akzent des von Stanley Tucci interpretierten deutschen Kunstexperten Martin Zaidenweber (!) sowie einige von ihm eingestreute deutsche Ausdrücke Anlass zum Lachen. All jene sprachlichen Spielereien könnten in der synchronisierten Fassung vielleicht verloren gegangen sein.

Während das erste Filmdrittel dank Nostalgiefaktor sowie vielen Culture-Clash-Späßen von hohem Unterhaltungswert ist – und das Drehbuch außerdem zu Beginn eine gelungene Volte schlägt –, droht „Gambit“ im Mittelteil in den Klamauk abzudriften. Wenn Harry im Laufe eines versuchten Vasendiebstahls aus diversen Fernstern des luxuriösen Savoy Hotels steigt, um in andere Fenster wieder hineinzuklettern – und er währenddessen noch seine Hose verliert sowie für allerlei Missverständnisse sorgt –, erinnert das an einen Schwank, wie man ihn aus dem Boulevardtheater kennt. Was jedoch auf der Bühne wegen des Live-Charakters eine gewisse Amüsanz hat, wirkt auf der Kinoleinwand schon bald reizlos, zumal wenn es wie hier unnötig in die Länge gezogen wird. Hinzu kommt noch, dass in diesem Teil des Werks so manche zotige Pointe abgefeuert wird.
Dass die im Mittelteil gebotene Nummernrevue dennoch passabel ist, ist zum einen dem Talent von Harry-Darsteller Colin Firth geschuldet, da dieser bei aller hosenlosen Alberei erstaunlicherweise stets seine Würde bewahrt. Zum anderen findet die Inszenierung wenigstens gelegentlich etwas Absurd-Komisches in kleinen, beiläufigen Momenten. Hierzu tragen in erster Linie die Nebendarsteller Pip Torrens und Julian Rhind-Tutt mit ihrem Gespür für Komödien-Timing bei: Der Habitus der von ihnen gespielten Rezeptionisten ist weitaus lustiger als jedweder frivol-derber Gag.
Der Schlussakt des Kinostücks hat unter anderem einen pompösen Maskenball, eine elanvolle Gesangseinlage und eine Ehrfurcht gebietende Raubkatze vorzuweisen, wirkt aber ziemlich unausgereift. So wird etwa der wunderbaren Martin-Zaidenweber-Figur nach ihrem brillanten Entree im ersten Teil des Films ein recht liebloser Abgang beschert, sobald sie die ihr zugestandene dramaturgische Funktion erfüllt hat – welch vertanes Potenzial!

Dem Genre entsprechend sind die Charaktere überaus stereotyp gezeichnet. Doch wie bereits erwähnt, entwickelt Colin Firth („The King’s Speech“) in der Hauptrolle einen beträchtlichen Charme: Mit großer Brille und im Maßanzug mimt er den steifen, kultivierten Briten – und gibt mithilfe eines defekten Stuhls eine vorzügliche Tücke-des-Objekts-Einlage zum Besten. Dass die von Cameron Diaz („Verrückt nach Mary“) verkörperte PJ im ländlichen Texas in einer Hühnerfabrik arbeitet, ist zwar nur mit sehr gutem Willen zu glauben – dennoch ist die komödienerprobte Schauspielerin hier als energiegeladene US-Amerikanerin unbestreitbar in ihrem Element. Zwischen dem gegensätzlichen Protagonistenpaar Harry und PJ finden hübsche Wortduelle statt; gleichwohl ist die Chemie zwischen Diaz und Alan Rickman (als Shahbandar) in diversen Sequenzen wesentlich stimmiger – was wohl kaum im Sinne des Drehbuchs sein dürfte. Der gut aufgelegte Rickman (bekannt als Severus Snape aus den „Harry Potter“-Filmen) gibt den Monster-Egomanen mit Courage zur Hässlichkeit. Tom Courtenay („Quartett“) weiß als liebenswerter (aber überraschend schlagkräftiger) Kunstfälscher Major Wingate zu gefallen und bildet mit Firth ein nettes „odd couple“; Kult-Star Cloris Leachman („Frankenstein Junior“) wird indessen in einem wenig vergnüglichen Kurzauftritt als PJs Tabak kauende Großmutter achtlos verschenkt.

Fazit: Die Old-School-Komödie hat unverkennbare Qualitäten und ebenso unverkennbare Mängel. Letztlich kann man sie als gutes cineastisches Mittelmaß bezeichnen.

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Bilder © Concorde Filmverleih GmbH