Frances Ha

Frances Ha (2012), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: MFA

Frances Ha Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Brooklyn. Frances. Tanz. Es ist ihre Stadt, sie ist Mitte/Ende 20, sie will immer weitertanzen, von Apartment zu Apartment, von Mann zu Mann, durchs Leben. Am liebsten an der Seite von Sophie, am liebsten auch beruflich. Dann taucht Benji auf, alles könnte anders werden. Aber soll es das?

Rasant, turbulent, witzig, schrill: Der Film ist wie das Leben seiner Protagonistin. Im ständigen Fluss, ohne zu wissen, was als nächstes passiert. Balancierend zwischen dem Verlangen nach Freiheit und dem Bedürfnis nach Sicherheit.


Greta Gerwig, Mickey Sumner und Adam Driver | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Frances Ha

Blu-ray
Frances Ha Frances Ha
Blu-ray Start:
03.12.2013
FSK: 6 - Laufzeit: 82 min.
DVD
Frances Ha Frances Ha
DVD Start:
03.12.2013
FSK: 6 - Laufzeit: 82 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik Frances Ha

Filmwertung: | 8/10


Als Frances Halliday ihr neues Apartment bezieht, beschriftet sie ihren Briefkasten, auf dessen Sichtfenster der Platz lediglich für "Frances Ha" reicht. So endet der gleichnamige Film und suggeriert zugleich den Beginn eines neuen hoffnungsvollen Lebensabschnittes seiner Titelfigur, der jungen Wahl-New Yorkerin Frances. Regisseur Noah Baumbach vermeidet mit diesem Titel zum einen, seinen Film ebenfalls "Frances" zu nennen, wie das Werk von 1982 mit Jessica Lange. Vielmehr aber steht der gewählte Filmtitel allegorisch für die Unvollständigkeit einer 28-jährigen Frau, die nicht so richtig im Leben der Erwachsenenwelt Fuß fassen kann.

Frances (Greta Gerwig) steht kurz vor ihrem 28. Geburtstag und wohnt mit ihrer besten Freundin Sophie (Mickey Sumner) in einer Wohngemeinschaft in New York. Seit längerem versucht sie Tänzerin zu werden, kommt jedoch nicht über die Rolle als dauerhafte Praktikantin in ihrer Dance Company hinaus. Trotz des ausbleibenden Erfolges lebt sie aber gut gelaunt in den Tag hinein und will sich auch nicht vom Leben verbiegen lassen. Als dann Sophie aber aus ihrer gemeinsamen Wohnung auszieht, um mit einer anderen Freundin in ein schöneres Apartment zu ziehen, ist Frances etwas betrübt. Sie muss sich eine neue Bleibe suchen, da sie sich die alte gemeinsame alleine nicht leisten kann. Und auch im Tanzkurs läuft es nicht gut und Frances bekommt Angst, dass all ihre Wünsche und Träume wie Seifenblasen zerplatzen. Obwohl weitere Fehlschläge folgen und auch eine Kurzreise nach Paris nicht die erhoffte Wende bringt, gibt Frances nie auf.

Regisseur Noah Baumbach hat das Drehbuch zu "Frances Ha" mit der Darstellerin seiner Titelheldin Greta Gerwig zusammen geschrieben, da sich beide nach der erfolgreichen Zusammenarbeit 2010 in "Greenberg" erneut kreativ befruchten wollten. Man möchte sagen "Oh Girl", denn auch "Frances Ha" beehrt uns in schwarz-weiß und überzeugt mit diesem neuerdings häufiger gewählten Stilmittel. Irgendwie schließt sich ein Zirkel, hat doch Greta Gerwig gerade in Woody Allens "To Rome with Love" mitgewirkt, bewegen sich Regisseur und Darstellerin in der jewish community und bekommt man außerdem den Eindruck, dass beider Lieblingsfilm Woody Allens "Annie Hall - Der Stadtneurotiker" sein könnte. Auch Gerwigs wahre Eltern Christine und Gordon Gerwig spielen mit und beherbergen ihr Mädchen in einer ihrer vielen kriselnden Phasen in ihrer echten Heimatstadt Sacramento. Bei der diesjährigen Berlinale wurde "Frances Ha" in der Sektion Panorama gezeigt und vom Publikum frenetisch gefeiert.

Baumbach und Gerwig zeigen das überfällige Porträt einer "Generation Y", bestehend aus dem Lebensgefühl von Leuten Mitte/Ende 20, einer überstudierten und dann im Endeffekt aber unterbeschäftigten Generation. In der Schule zu besten Noten getrieben, einzig dem Ziel des späteren Studiums folgend, fallen die jungen Leute mit Mitte oder Ende 20 in ein Loch, was hierzulande eine Studie belegt, da von den 20 bis 29-jährigen lediglich etwa 20% vollbeschäftigt tätig sind. Spätestens seit "Frances Ha" wissen wir nun, dass dies ein allgegenwärtiges und offensichtlich weltweites ökonomisch bedingtes Phänomen der Neuzeit ist. Der Film legt aber auch den Finger in die Wunde der nicht erwachsen werden wollenden Generation, der im Facebook-Zeitalter oberflächliche Freundschaften lieber sind, als enge Beziehungen. "Das Handy lässt das Geschirr nicht 3 Tage ungespült stehen" ist ein ebenso dazu passendes Filmzitat wie "Du siehst älter aus, benimmst Dich aber nicht älter". Der als Komödie ausgewiesene Film lässt seine Frances bisweilen dramatisch am seidenen Faden hängen, doch auch wenn sie droht vollends den Anschluss zu verlieren, bewahrt sie sich immer ihre Würde und Natürlichkeit, was es dem Zuschauer leicht macht, sich in Frances alias Greta Gerwig zu verlieben.

In "Frances Ha" balanciert Greta Gerwig die Titelheldin perfekt zwischen Demütigung und gespielter Tapferkeit und zeigt, wie eine unnachahmlich lebendige junge Frau in einer Stagnation landet, die für diese Generation häufig schicksalhaft ist. Bei aller Sympathie für Frances erkennt man aber stets, wieviel von diesem Umstand ihrer Naivität geschuldet ist.

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Bilder © MFA