Feuchtgebiete

Feuchtgebiete (2013), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Drama / Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Majestic

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Feuchtgebiete Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Sie experimentiert beim Masturbieren gern mit Gemüse. Körperhygiene ist ihrer Ansicht nach weit überschätzt. Sie provoziert ihre Umwelt, indem sie ganz unmädchenhaft ausspricht, was andere nicht einmal zu denken wagen: Das ist Helen Memel!
Helen (CARLA JURI) ist eine Herausforderung für ihre geschiedenen Eltern (MERET BECKER und AXEL MILBERG) – und wünscht sich doch nichts sehnlicher, als eine wiedervereinte Familie. Geborgenheit findet sie nur bei ihrer Freundin und Blutsschwester Corinna (MARLEN KRUSE), mit der sie kein gesellschaftliches Tabu auslässt.

Als Helen sich eines Tages bei einer missglückten Intimrasur verletzt, muss sie ins Krankenhaus. Dort ist sie nicht nur für Chefarzt Prof. Notz (EDGAR SELGE) ein ungewöhnlicher Fall. Ihr ungestümer Witz und ihre Wahrhaftigkeit machen sie zu einer Sensation im ganzen Krankenhaus. Helen wittert die Chance, ihre Eltern am Krankenbett wieder zu vereinen und findet in ihrem Pfleger Robin (CHRISTOPH LETKOWSKI) einen Verbündeten, dem sie dabei gehörig den Kopf verdreht...

Charlotte Roches FEUCHTGEBIETE – eines der größten Skandalbücher der letzten Jahre, das sich allein im deutschsprachigen Raum über 2.5 Millionen mal verkaufte – ist das provokant-poppige Portrait einer jungen Frau, die versucht, ihre Lebensgier zu stillen und ihren Platz im Leben zu finden.


Carla Juri, Meret Becker und Axel Milberg | mehr Cast & Crew


Feuchtgebiete - Trailer


FEUCHTGEBIETE - Offizieller Trailer


DVD und Blu-ray | Feuchtgebiete

Blu-ray
Feuchtgebiete Feuchtgebiete
Blu-ray Start:
31.01.2014
FSK: 16 - Laufzeit: 109 min.
DVD
Feuchtgebiete Feuchtgebiete
DVD Start:
31.01.2014
FSK: 16 - Laufzeit: 105 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik Feuchtgebiete

Filmwertung: | 5/10


Der Walzer "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß diente bereits Stanley Kubricks Film "2001 - Odyssee im Weltraum" als Filmmusik und ist nun auch im Film "Feuchtgebiete" zu hören. Während bei Kubrick zu der Melodie ein Raumschiff die Raumstation im 3/4 Takt umtanzt, untermalt der Donauwalzer in "Feuchtgebiete" eine Szene, in der vier Männer auf eine Pizza onanieren und sich ihr Sperma dazu im Zeitlupentempo durch die Luft bewegt. Willkommen bei der Verfilmung von Charlotte Roches Skandal-Roman und niemand möge nun bitte denken, dass diese Szene in puncto Ekelfaktor besonders aus der Masse hervorsticht.

Die Handlung präsentiert uns gemäß der Romanvorlage die 18-jährige Helen Memel (Carla Juri), die gelinde gesagt ein bisschen anders ist, als die anderen Mädchen. Was ihr in den Sinn kommt, spricht sie aus und bricht damit nonstop gesellschaftliche Tabus, insbesondere auf dem sexuellen Sektor. Hygiene ist nicht ihr Ding und so zieht sie sich auch während einer ungeschickten Intimrasur der Anusregion eine Analfissur zu, die sie in die proktologische Abteilung einer Klinik befördert. Vom Krankenbett aus versucht sie die Wiedervereinigung ihrer geschiedenen Eltern zu forcieren, denn ohne sie bleibt ihr nur ihre beste Freundin Corinna (Marlen Kruse) um durch dick und dünn zu gehen. Sie flirtet im Krankenhaus mit dem Krankenpfleger Robin (Christoph Letkowski), der ihr auch beim Fotografieren ihrer Fissur hilft und der nach all dem vielleicht auch Lust hat, nach ihrer Entlassung mit ihr zusammen zu sein.

Der mit seinem Film "Kriegerin" 2012 zu Ehren gekommene Regisseur David Wnendt wagt sich an die Adaption von Chartotte Roches millionenfach verkauften Roman "Feuchtgebiete", der nicht nur enorm polarisierte, sondern auch als unverfilmbar galt. Die Wahl für die Rolle der Helen Memel fiel auf die 27-jährige Schweizerin Carla Juri, Meret Becker spielt ihre Mutter, Axel Milberg ihren Vater und vielleicht besonders hervorzuheben ist Edgar Selge in der Rolle des Professors Motz, der mit seinem Auftritt bei den Chefarzt-Visiten für ein etwas realitätsnäheres Schmunzeln beim Zuschauer sorgen kann. Man kann Carla Juri, dem Berlinale Shooting Star 2013 durchaus attestieren, dass sie die Hauptfigur als Hobbyforscherin des Analen und Monologistin über Sekrete aller Art mit entwaffnender Direktheit verkörpert und von ihr hängt auch nicht der Grad der Relevanz der Story ab. Auch wenn es nicht begrüßenswert ist, dass sämtliche Anstandswauwaus aus konservativen Lagern den Film in diversen TV-Talkrunden schon vorab niederbellen, muss die Frage erörtert werden, ob der Film angesichts des sehr häufigen Griffs seiner Protagonistin an den Po auch für den selbigen ist.

Knöchelhohes Abwasser in öffentlichen Toiletten, auf deren Klobrillen Helen ihren weiblichen Unterleib natürlich gerne reibt. Hämorriden, denen sie mit Zinksalbe begegnet. Getrocknetes Sperma und vollgekackte Bettlaken im Krankenhaus. Selbstbefriedigung mit Gemüse aus dem Kühlschrank. Zügelloses Leben mit Drogen und Nutten. Nichts, auch wirklich gar nichts wird unversucht gelassen, den Zuschauer zu schocken. Mit einer Überdosis, die allzu schnell ihre Wirkung verliert und nicht so lange empörend nachhallt wie im Geschriebenen. Botschaftskino, das den Zuschauer nehmen will, mit dem Kopf in ein vollgeschissenes Klo halten und zeigen, Helen ist so unkonventionell, so rebellisch, so anders. Was eine Weile als durchaus zu goutierender Angriff auf spießiges Bürgertum durchgehen könnte, geht dem Betrachter irgendwann auf die Nerven. Dann allerdings könnte man in dem Film eine Metamorphose von der Komödie zum Drama sehen und Carla Juri sagt selbst, anders sein ist nicht absichtlich, Rebellion kommt aus der Not. Man denkt an eine Szene eingangs, als ihre Mutter die kleine Helen auffordert zu springen und als sie es tut, sie dann nicht auffängt, mit der Botschaft, vertraue niemals jemandem. Da bietet der Film einen Wandel von der Pottsau Helen zur armen Sau an, wobei jedem immer klar sein dürfte, dass Helen mit ihrem offenkundig gestörten Verhalten ernsthafte Probleme hat, die vermutlich tiefenpsychologischer Sitzungen bedürfen. Der Film schafft es letztendlich also, ernsthaftes Mitleid mit Miss Schamlos Helen zu erzeugen. Mit einer Person, deren Verhalten auf eine Borderline-Perönlichkeitsstörung hindeutet.

David Wnendts Verfilmung "Feuchtgebiete" strapaziert den Geschmack des Kinobesuchers und verschenkt zugunsten des Voyeurismus die Chance, eher und noch tiefer die 18-jährige Helen zu betrachten, die ganz offensichtlich ernste Probleme hat.

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Bilder © Majestic