Fast & Furious: Hobbs & Shaw

Fast & Furious: Hobbs & Shaw (2019), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Action / Abenteuer
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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Inhalt

Dass Feinde zu Freunden oder sogar Familie werden, war von Anfang an eines der wichtigsten Naturgesetze im Fast & Furious-Universum. Hochgetunte Supercars und atemberaubende Action sind immer garantiert – aber das Herz der Blockbuster-Reihe war von Anfang an die besondere Freundschaft der Helden untereinander.

Dwayne Johnson, Jason Statham und Idris Elba | mehr Cast & Crew


Fast & Furious: Hobbs & Shaw - Trailer




Filmkritik Fast & Furious: Hobbs & Shaw

Filmwertung: | 7/10


Es ist schon erstaunlich, aber auch die härtesten Kritiker kommen kaum drum herum, den beispiellosen Erfolg der „Fast & Furious“-Franchise anzuerkennen. Acht Filme, die sich immer wieder seit dem Startschuss im Jahr 2001 neu erfunden haben und dabei stetig erfolgreicher wurden, sprechen schon eine eindeutige Sprache. Um noch einen draufzusetzen, präsentiert sich hier nun sogar das erste Spin-of der Reihe, das mit der vergleichsweise bodenständigen Ursprungsprämisse über illegale Autorennen nun wirklich gar nichts mehr (außer ungeheuerlichen Autostunts) gemein hat. Zum ersten Mal übernimmt nun „John Wick“-, „Atomic Blonde“- und „Deadpool 2“-Macher und Ex-Stuntkoordinator David Leitch das Steuer, wenn es zum Aufeinandertreffen der wohl größten Alphamännchen der Welt kommt: Luke Hobbs und Deckard Shaw.

Wenn es zwei Figuren aus der Reihe verdient haben, einen eigenen Film gewidmet zu kriegen, dann wohl diese Beiden. Haben sich bei „Fast & Furious 8“ sicher nicht zum ersten Mal Abnutzungserscheinungen gezeigt, sorgten Dwayne Johnson und Jason Statham bei ihrem erinnerungswürdigen Aufeinandertreffen für eine gewaltige Extra-Dosis Spaß und vor allem nötige Frische. Entsprechend naheliegend war dann dieses Spin-of, dass dank der gigantischen Präsenz und dem leinwandsprengenden Charisma seiner beiden Hauptdarsteller auch tatsächlich über weite Strecken auf seine ganz eigene absurde Weise sehr sehenswert ist.

Jason Statham und Dwayne Johnson in Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Jason Statham und Dwayne Johnson in Fast & Furious: Hobbs & Shaw © Universal Pictures
Hier ist von Beginn an klar, dass der gesamte Film mitsamt seines fadenscheinigen und wenig originellen Plots ganz und gar um seine Hauptattraktion Johnson und Statham gebaut ist. Ganz offensichtlich haben „F&F“-Stammautor Chris Morgan und Serienneuling Drew Pearce „Mission: Impossible 2“ gesehen, denn auch hier steht ein die Menschheit bedrohender Supervirus namens „Schneeflocke“ (statt einst „Chimera“) im Mittelpunkt der Erzählung. Nicht nur das, der Virus wurde natürlich auch von dem obligatorischen russischen Wissenschaftler (hier Eddie Marsan) konzipiert, der allerdings nur Gutes im Sinn hatte. Weniger Gutes hat jedoch die machtvolle Untergrund-Hightech-Anarcho-Terrororganisation Eteon vor, die Supersoldat Brixton (Idris Elba) ins Rennen schickt, um den Virus zu stehlen. Der eigentlich vor Jahren im Einsatz gefallene Ex-Spion ist mittlerweile durch kybernetische Erweiterungen eine Art unzerstörbarer Terminator mit AR-Blick, der sich selbst gerne auch mal ganz ohne Augenzwinkern als „Black Superman“ bezeichnet.

Doch bei seinem Angriff auf einen Tross aus einer MI6-Spezialeinheit hat er seine Rechnung nicht mit Hattie (Vanessa Kirby) gemacht, die sich den Virus in Kapselform kurzerhand selbst injiziert und gerade noch flüchten kann, nachdem ihre Kollegen von Brixtons hochtechnisiertem Trupp niedergemetzelt wurden. Doch gehen die britische und US-Regierung nun davon aus, dass Hattie abtrünnig ist und selbst ihre Mannschaft ermordet ist. Nun gibt es natürlich nur eine Lösung zur Wiedergewinnung der Schneeflocke und Hattie: Das Anheuern von Secret Service-Agent und hünenhaftem Mannberg Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und Ex-Elitesoldat Deckard Shaw (Jason Statham), die sich beide natürlich immer noch auf den Tod nicht ausstehen können und sicher die letzten sind, die miteinander arbeiten wollen…

Idris Elba in Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Idris Elba in Fast & Furious: Hobbs & Shaw © Universal Pictures
Sicher, schon in den Anfangsminuten beweist David Leitch erneut sein Gespür für sehr gut choreografierte Action- und Kampsequenzen, die dem Fan Freude bereiten. Wie auch in seinen vorigen Filmen hat Leitch ein exzellentes Gespür für eine ausgestellte Hochglanz-Optik in klarer Bildsprache und satten Neonfarben. Doch man muss nicht drum herum reden, immer wenn Johnson und Statham zu sehen sind, erreicht „Hobbs & Shaw“ eine höhere Spaß-Ebene, die ihn über den Durchschnitt hebt. Man spürt dem Film regelrecht an, welchen Spaß die Autoren beim Schreiben hatten, denn die urkomischen und mit großer Regelmäßigkeit über den Film verteilten schlagfertigen Macho-Wortgefechte und Schwanzvergleiche zwischen Johnson und Statham sind einfach herausragend komisch und auch durchaus originell. Hier feuert der Film immer wieder aus allen Rohren, während es schlicht einen Heidenspaß macht, diesen beiden Stars zuzuschauen.

Wie es sich für gute Buddy-Komödien gehört, müssen die beiden Haudegen sich natürlich wohl oder übel zusammenraufen. Es ist dann keine Überraschung, in welche Richtungen sich der Film bewegt, was dann spätestens etwa mit dem letzten Akt in Hobbs Heimat Samoa auch zunehmend formelhaft und vorhersehbar wird. Sind die Actionsequenzen in der ersten Hälfte auch wirklich mitreißend, einfallsreich, spektakulär und vor allem spielerisch, entwickeln sie sich getreu der Reihe in immer übertriebenere, die Bodenhaftung verlierende CGI-Extravaganzen. Dennoch: Gerade eine Verfolgungsjagd in Shaws MacLaren durch London oder eine herrliche Sequenz an einer gläsernen Hochhausfront verbinden gekonnt Witz und Spektakel, während sich sogar hier Hobbs und Shaw spielerisch im Getümmel mit Brixton und seinen Schergen duellieren und necken und dabei das Wort Multitasking neu definieren.

Vanessa Kirby in Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Vanessa Kirby in Fast & Furious: Hobbs & Shaw © Universal Pictures
Mit Shooting-Star Vanessa Kirby, die spätestens seit „Mission: Impossible - Fallout“ eine steile Karriere aufgenommen hat, gewinnt der Film noch eine zusätzliche Dynamik, die das triefende Testosteron gekonnt durchschneidet. Sie macht aus dem zankenden Duo ein noch effektiveres Trio und ist ganz offensichtlich für die Kamera geboren. Einfaches Beiwerk ist Kirby bei weitem nicht, denn sie ist mehr als fähig, selbst kräftig auszuteilen. Ebenso großen Spaß wie die genannten Akteure hat dann auch Idris Elba, der sich passenderweise mit dem Satz „Ich bin der Böse“ einführt. Alle Darsteller verstehen natürlich, in welcher Art Film sie agieren, denn diese überhöhte, völlig überhöhte Action-Fantasie nimmt sich keinen Deut ernst. Man spürt ihm regelrecht an, dass der Plot nur ein notwendiges Übel für das Aufeinandertreffen der Figuren ist, wenn solche Sätze wie „Wir müssen die C-17 Extraktionsmaschine finden” fallen. Selbst außerhalb der Action ist der Film stets überlebensgroß, so könnte man fast ein Trinkspiel daraus machen, wenn Figuren in Zeitlupe lässig zu freshen Beats durch die Gegend laufen und Gläser oder andere Utensilien nach Benutzung einfach mit erschreckender Häufigkeit über die Schulter oder zur Seite werfen, ohne mit der Wimper zu zucken.

Die komischen Geplänkel beschränken sich längst nicht nur auf Johnson und Statham, sondern auch auf zwei großartige, perfekt platzierte Überraschungsauftritte, die hier nicht verraten werden sollen. Dass die Präsenz zweier weiterer überaus gut aufgelegter Darsteller nicht im Vorfeld verraten wurde, ist schon ein kleines Wunder, das man dankend und lachend annimmt. Neben den kreativen Schlagabtäuschen setzt es aber auch zahlreiche wirklich gelungene One-Liner und sogar eine urkomische Meta-Referenz, die bei wissenden Zuschauern für einen großen Lacher sorgen sollte.

Eiza González in Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Eiza González in Fast & Furious: Hobbs & Shaw © Universal Pictures


Fazit:
Hobbs & Shaw“ ist eine überbordende, selbstironische und völlig überhöhte Action-Fantasie, die vor allem dank seiner beiden enorm charismatischen Hauptdarsteller einige Höhenflüge bietet. Die originellen und immer wieder urkomischen Schlagabtäusche und Wortgeplänkel der beiden Alphamännchen sind wunderbar augenzwinkernd und wirklich sehr, sehr komisch. Dennoch strapaziert diese zunehmend aus allen Nähten platzende Action-Extravaganz aus allen Nähten und ermüdet gegen Ende.
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Bilder © Universal Pictures Intl.